Familienleben

Erziehungsprobleme: Eltern ermutigen

Thea Wittmann · 29.05.2018

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iStockPhoto.com © franckreporter

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Stress mit den Kids? Kindererziehung ist keine Sache, die man mal schnell nebenbei erledigt. Deshalb gibt es Profis, die Eltern bei diesem Langzeitprojekt unterstützen.

Leon lümmelt auf dem Sessel, vertieft in sein Smartphone, eine Chipstüte im Arm. Um ihn herum liegen Klamotten auf dem Boden, Schulsachen, Krempel. „Schluss für heute“, sage ich. „Räum mal lieber dein Zimmer auf.“ Mein Sohn reagiert nicht.
„Legst du das Handy jetzt bitte weg?“ Ich spreche sehr deutlich. Nach zwei weiteren Aufforderungen endlich eine Antwort: „Lass mich in Ruhe. Ich chatte gerade.“
Was nun? Herumbrüllen, wenn gutes Zureden nicht hilft? Eine Belohnung in Aussicht stellen, wenn er das tut, was ich will? Strafen androhen? Ein „Soforthilfe“-Button wäre jetzt toll, den wir – wie am PC – in kniffligen Situation aufrufen könnten und der uns dann Schritt für Schritt sagen würde, was zu tun ist.

Überforderung kann zu Gewalt führen

Wenn Eltern mit ihrem Latein am Ende sind, rutscht manchen sogar mal die Hand aus. Etwa 10 bis 15 Prozent der Eltern wenden „schwerwiegende und relativ häufige Körperstrafen“ bei ihren Kindern an, sagt die polizeiliche Kriminalprävention von Bund und Ländern. Und das betrifft Mütter wie Väter, in allen Gesellschaftsschichten. Aber es gibt nicht nur körperliche Gewalt in Familien. Wer überfordert und gestresst ist, kann auch mit Worten demütigen und verletzen.

Alle wollen nur das Beste

„Eigentlich wollen alle Eltern nur das Beste für ihre Kinder. Dass sie gesund aufwachsen, glücklich, selbstständig, liebenswert und selbstbewusst werden“, sagt Trudi Kühn, Geschäftsführerin des InSTEP Weiterbildungsinstituts in Düsseldorf. Diesem Wunsch stehen jedoch viel Unsicherheit und wenig Zeit gegenüber: Eltern würden oft gern anders handeln, wissen aber nicht wie. Sie verfallen in die immer gleichen Muster und fühlen sich am Ende schuldig, nicht angemessen reagiert zu haben. Aber nicht alles müssen Eltern alleine bewältigen. Es gibt Hilfe vom Profi: Beratungsstellen, an die sich Eltern wie Kinder oder alle gemeinsam wenden können. Elternkurse, die Papa und Mama in ihrer Erziehungsaufgabe stärken. Wer sich selbst hinterfragt, wie er mit seinen Kindern umgeht, kann das Familienleben verändern.

Hilfe im Notfall: Beratungsstellen

Oft reicht schon eine neutrale Person, die den Konflikt von außen betrachtet. In Köln ist die erste Anlaufstelle der Allgemeine Soziale Dienst (ASD). Hier arbeiten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen. „Der ASD berät kostenlos, er hat eine Lotsenfunktion und vermittelt bei Bedarf an weitere Stellen in den Bezirksjugendämtern, in Therapien oder spezielle Angebote“, sagt Klaus-Peter Völlmecke, stellvertretender Leiter des Jugendamtes Köln. „Das kann zum Beispiel Rechtsberatung im Falle einer Trennung sein oder auch Unterstützung zu Hause.“

Gründe, sich beraten zu lassen, gibt es viele: Wenn sich Eltern in ihren Erziehungsvorstellungen nicht einig sind und sich gegenseitig das Leben schwer machen; wenn Kinder in der Schule negativ auffallen oder nicht mehr mitkommen; wenn sich Kinder verzögert entwickeln, Sprachstörungen oder Kontaktschwierigkeiten haben; wenn sich Teenager in der Pubertät von der Familie abnabeln und es immer wieder Krach gibt; wenn es in der Partnerschaft kriselt oder nach einer Trennung um die Kinder gekämpft wird.

Streng vertraulich

Der ASD hat feste Sprechstunden, zu denen jeder vorbeikommen kann, auch ohne Termin. Auf Wunsch bleibt man anonym. „Ein erstes Gespräch heißt noch nicht, dass das Jugendamt eine Akte anlegt“, betont Klaus-Peter Völlmecke. Bei diesem ersten Termin erkundet die Beraterin oder der Berater zunächst einmal, wo das Problem liegt. Gemeinsam mit dem Gegenüber wird ein Weg gesucht, das Probleme zu bewältigen: Vielleicht ist eine psychologische Untersuchung des Kindes sinnvoll, eine Therapie, ein spezielles pädagogisches Angebot, eine Gruppe für Trennungskinder. Zusätzlich gibt es die Familienberatung in einzelnen Stadtbezirken – auch an die kann sich jeder wenden, ohne das Jugendamt einzuschalten. Dazu ist ein Anruf nötig, ein erster Termin wird innerhalb von 14 Tagen vereinbart. Je nach Schwierigkeit folgt eine kurze oder längere Beratung der Eltern oder der ganzen Familie.

Erziehungsberatung ist freiwillig, keiner muss, jeder kann. Die einzige Bedingung: Die Ratsuchenden müssen bereit sein, an einer Lösung mitzuarbeiten. Anspruch auf Erziehungsberatung hat jeder, das ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert. Die Gespräche und die therapeutischen Angebote sind für die Ratsuchenden kostenlos. Die Beraterinnen und Berater unterliegen der Schweigepflicht, alles, was hier besprochen wird, muss vertraulich behandelt werden.

Erziehungskompetenz stärken: Elternkurse

Elternkurse leiten dazu an, das eigene Erziehungsverhalten zu überprüfen und sich für schwierige Situationen konkrete „Anleitungen“ zu holen. Die Prinzipien der Kurse ähneln sich, denn es gibt allgemeingültige, wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über Pädagogik. Allen Kursen gemeinsam sind zwei Aspekte: Eltern erfahren, wie sie liebevoll, zugewandt und unterstützend auf ihre Kinder eingehen können. Und sie werden in ihrer Rolle als Erziehende gestärkt und lernen, zu lenken und soziale Regeln zu vermitteln, ohne die Kinder körperlich oder seelisch zu verletzen. Welcher Kurs zu wem passt, ist individuell unterschiedlich. Die Kurse müssen selbst finanziert werden und die Kosten variieren je nach Anbieter, Kursdauer und Ort zwischen 80 und 300 Euro.

Einzelberatung oder Kurs: Wer soll wohin?

Wer ein akutes Problem hat, wendet sich an eine der Beratungsstellen. „Am besten ist es, parallel ein Elterntraining zu besuchen“, schlägt Trudi Kühn vor. „Beides ergänzt sich. Die Beratungsstelle bietet sofort Hilfe und eine individuelle Beratung. Der Kurs arbeitet grundlegend an der Beziehung zwischen Kind und Eltern.“

Städtische Beratungsstellen Köln

Familienberatung – Chorweiler: Tel. 0221 – 88 87 77 30

Familienberatung – Ehrenfeld: Tel. 0221 – 221-306 20

Familienberatung – Innenstadt: Tel. 0221 – 221-249 23

Familienberatung – Kalk: Tel. 0221 – 221-310 90

Familienberatung – Mülheim: Tel. 0221 – 221-294 80

Frühe Hilfen/Gesundheitsamt
für Schwangere und Eltern bis zum 3. Lebensjahr des Kindes
Neumarkt 15–21
50667 Köln
Tel. 0221 – 221-292 99

Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD)
Kalk Karree
Ottmar-Pohl-Platz 1
51103 Köln

ASD Porz: Tel. 0221 – 221-979 99

ASD Ehrenfeld: Tel. 0221 – 221-949 99

ASD Nippes: Tel. 0221 – 221-959 99

ASD Rodenkirchen: Tel. 0221 – 221-929 99

weitere Träger

Caritas-Beratungsstelle für Eltern,
Jugendliche und Kinder
Rathausstr. 8
51143 Köln
Tel. 02203 – 550 01

Evangelische Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Tunisstr. 3 (Eingang Schwertnergasse)
50667 Köln
Tel. 0221 – 257 74 61

Familienberatung der Christlichen Sozialhilfe Köln e. V.
Knauffstr. 14
51063 Köln
Tel. 0221 – 647 09 31

Internationale Familienberatung
Psychologische Beratung für Eltern, Kinder, Jugendliche
und junge Erwachsene
Mittelstr. 52–54
50672 Köln
Tel. 0221 – 925 84 30

Katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen
Steinweg 12
50667 Köln
Tel. 0221 – 205 15 15
und
Friedrich-Ebert-Ufer 54
51143 Köln-Porz
Tel. 02203 – 526 36

Katholische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche
Erziehungs- und Familienberatung
Arnold-von-Siegen-Str. 5
50678 Köln
Tel. 0221 – 60 60 85 40

Kinderschutz-Zentrum des Kinderschutzbundes Familienberatung
Bonner Str. 151
50968 Köln
Tel. 0221 – 577 77-0

Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbundes
Tel. 0800 – 111 03 33 (kostenlos)

Elterntelefon des Kinderschutzbundes
Tel. 0800 – 111 05 50 (kostenlos)

Bonn

Familienberatung der Stadt Bonn
Infos unter www.bonn.de im Bereich Familie & Gesellschaft

Diakonisches Werk
Godesberger Allee 6-8
53175 Bonn
Telefon 0228 - 22 72 24 20
www.diakonie-bonn.de

Verband alleinerziehender Mütter und Väter
Ortsverband Bonn
Tel. 0228 - 65 99 79 (auch Anrufbeantworter)
www.vamv-bonn.de

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