Rund ums Baby

Mythen und Rituale

Ursula Katthöfer · 29.07.2014

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Jedes Land hat seine eigenen Mythen und Traditionen, wenn es um Schwangerschaft und Geburt geht. Dabei sind manche Mythen aus der Not geboren und längst nicht so romantisch, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Anderes ist dagegen einfach Quatsch.

In Deutschland hängen wir einen Klapperstorch samt Wäscheleine vor die Tür des Neugeborenen. Wir erzählen uns immer noch, dass es bei einem spitzen Bauch ein Junge und bei einem runden Bauch ein Mädchen wird. Andere Länder sind mindestens genauso phantasievoll.

England

Die Engländer erzählen sich, dass man Babys nicht unter den Füßen kitzeln darf. Sonst würden sie im späteren Leben stottern. Ein Mythos, der zu uns herübergeschwappt ist und in vielen Schwangerschaftsforen heiß diskutiert wird. Eine Variante: Kleine Jungen, die man unter den Füßen kitzelt, werden später schwul.

China

Chinesische Frauen dürfen während der Schwangerschaft keine Nadeln, Scheren oder Nägel nutzen. Dies könnte den Gott der ungeborenen Babys, Taishen, dazu veranlassen, eine Fehlgeburt auszulösen. Auch Beerdigungen und Hochzeiten sind tabu, damit die werdende Mutter starke Emotionen vermeidet.

Kambodscha

Die Plazenta spielt in vielen Kulturen eine wichtige Rolle. Mal gilt sie als kraftspendend, mal als unheilvoll. In Kambodscha wird die Plazenta in ein Bananenblatt eingewickelt, drei Tage lang neben das Neugeborene gelegt und dann im Boden vergraben.

Korea

Harte Zeiten in Korea: Die Frauen entbinden traditionsgemäß ohne Schmerzmittel und ohne zu schreien.
Statt des Vaters geht die Schwiegermutter (!) mit zur Entbindung. Das Baby ist bereits bei der Geburt ein Jahr alt. Zum Jahreswechsel wird es ein Jahr älter. Ein Kind, das am 31. Dezember 2013 geboren wurde, ist am 1. Januar 2014 bereits zwei Jahre alt.

Mexiko

Die Mexikaner heben die Nabelschnur auf und hängen sie dem Neugeborenen um. Sie gilt als Glücksbringer. In anderen Kulturen wird die Nabelschnur mit Avocadosprösslingen zusammen in Erde eingepflanzt. Am Zustand des daraus wachsenden Baumes lässt sich ablesen, wie gesund das Kind ist.

Neuguinea

Die Frauen des Manus-Stammes in Neuguinea dürfen keine Bananen, die zu einem Paar zusammengewachsen sind, essen. So sollen sie Zwillingsgeburten vermeiden. Der Hintergrund ist traurig: In Neuguinea bringen Schwangerschaft und Geburt immer noch ein hohes Sterberisiko mit sich. Zwillingsgeburten führen erst recht zu Komplikationen.

Oman

Die gesamte Familie versammelt sich im Elternhaus der jungen Mutter, um Glückwünsche zu übermitteln. Dem Neugeborenen werden Geldscheine ins Einschlagtuch gesteckt. Für jeden neugeborenen Sohn wird eine Dattelpalme gepflanzt. Da Dattelpalmen etwa so alt wie Menschen werden, können sie ihren Besitzer vor dem Hungertod retten – eine Art Lebensversicherung.

Griechenland

Griechische Eltern überlegen nicht lange, wie sie ihr Baby nennen. Das bestimmt die Tradition bis heute: Der erste Sohn eines Paares wird nach dem Großvater väterlicherseits benannt. Die erste Tochter bekommt den Namen der Großmutter väterlicherseits. Die Namen der Großeltern mütterlicherseits werden für die zweite Tochter bzw. den zweiten Sohn gewählt.

Guatemala

Vor allem die Maya-Frauen in Guatemala verlassen während der Schwangerschaft nicht das Haus. Sie fürchten sich vor bösen Geistern und vor der Missgunst anderer Menschen, die dem Baby schaden könnte. Geht es bei der Geburt nicht schnell genug, wird eine rote Zwiebel in Bier gekocht und der Entbindenden serviert.

Und noch etwas: Walpurgisnacht

Was in Deutschland heute als Hexenspektakel am 30. April gefeiert wird, hat seinen Ursprung in der Kraft des Weiblichen. Die Walpurgisnacht ist ein Fest, an dem Frauen traditionell ihre Fruchtbarkeit und Sexualität feierten. Die patriarchalischen Kirchen konnten mit diesem heidnischen Fest nie etwas anfangen.