Rund ums Baby

Interview mit Filmemacherin Carola Hauck

Ursula Katthöfer · 19.11.2018

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Ursprünglich wollte Carola Hauck Geburtshelferin werden. Doch auf ihre Fragen, warum im Krankenhaus Interventionen wie Dammschnitte gemacht würden, bekam sie Antworten wie: „Weil wir das schon immer so machen." Oder: „Die Vagina verzeiht viel." Das wollte sie nicht mittragen, sie stieg aus. Heute macht sie Filme. An „Die sichere Geburt - Wozu Hebammen?" arbeitete sie dreieinhalb Jahre.

Das Ergebnis: Ein Dokumentarfilm über die Geburtssituation in Deutschland und was Geburten sicher macht. Für die Finanzierung sammelte sie über Crowdfunding und Sponsoren Geld. KÄNGURU traf sie bei der Kölner Filmpremiere im Museum Ludwig.

KÄNGURU: Unmittelbar nach dem Film sind Menschen zu Ihnen gekommen, um sich zu bedanken. Was berührt die Zuschauer?
Carola Hauck: Ich nehme an, dass die Menschen über den Film erfahren, was Frauen und Kindern durch routinemäßige Interventionen eigentlich angetan wird und dass sie niemand davor schützt. Meiner Beobachtung nach wird auch das eigene Geburtserleben berührt.

Wer sitzt im Publikum?
Vor allem Hebammen und Menschen, die mit Schwangeren und Kindern arbeiten. Außerdem etwa 40 Prozent Schwangere und Mütter sowie etwa 10 Prozent Männer.

Wie gehen Männer mit dem Thema um?
Von einigen Männern weiß ich, dass das Thema sie erst einmal nicht mehr losgelassen hat. Auch, wenn sie noch keine eigenen Kinder hatten. Geburt ist nicht nur ein Frauenthema. Ich bin froh, wenn Männer erkennen, dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, wie in unserer Gesellschaft Kinder zur Welt kommen und wie mit den Frauen zum Teil umgegangen wird. Wenn sie verstehen, dass viele Geburtsverläufe sich erst durch die Interventionen entwickeln, dann werden sie eher bereit sein, sich für Veränderungen einzusetzen.

Möchten Sie auch junge Menschen erreichen?
Ich finde wichtig, dass Kinder und Jugendliche so früh wie möglich mit den Fähigkeiten des Körpers vertraut gemacht werden. Ansonsten sehen sie in allen Medien die Geburt in Rückenlage und denken: „So wird das gemacht!", und wiederholen das einfach.

Warum zeigen Sie zum Ende des Films eine Hausgeburt?
Diese Hausgeburt zeigt wie aus dem Lehrbuch, wie eine natürliche Geburt ganz ohne Eingriffe stattfinden kann. Die allermeisten Frauen könnten so entbinden, auch im Krankenhaus. Dafür braucht es eine 1:1 Betreuung und die Möglichkeit, dass die Frau die Hebamme kennt und ihr vertraut.

Vielen Dank!

Info

Die sichere Geburt - Wozu Hebammen?
Ein Dokumentarfilm über die Geburtssituation in Deutschlandund was Geburten sicher macht.
128 Min.
35 Euro (Video-Stream)/60 Euro (signierte Blue-Ray).

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