Rund ums Baby

Hebammenarbeit muss sich wieder lohnen!

Lisa Harmann · 06.11.2013

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Viele Hebammen können es sich nicht mehr leisten ihren Beruf auszuüben, obwohl von Seiten der (werdenden) Mütter nach wie vor das Bedürfnis nach Unterstützung besteht. Ein Kommentar von Lisa Harmann.

Als ich meine Hebamme kennenlernte, war ich gerade in der fünften Woche schwanger. Ein Frauenarzt hätte auf einem Ultraschall wahrscheinlich nicht mehr als ein Mohnkorn erkennen können. Aber meine Hebamme, die konnte mir schon zu diesem frühen Zeitpunkt helfen, indem sie mir sagte:

„Alles wird gut. Wir schaffen das gemeinsam."

Nicht jede Frau braucht diesen Beistand schon so früh. Und auch bei mir war es eher Zufall, dass kurz nach meinem positiven Schwangerschaftstest ein Tag der Offenen Tür im Geburtshaus um die Ecke anstand und ich dadurch schon früh mit Hebammen in Kontakt kam. Ich wusste direkt: Die Hebamme in der Mitte - die musste es sein. Da war sofort eine große Sympathie, die mich auch durch die nächsten Monate hindurch begleitet und nicht getäuscht hat. Im Nachhinein war dieser frühe Kontakt Gold wert, weil er Vertrauen schaffte.

Eine Hebamme ist eine Frau für die Seele.

Eine Hebamme hat Zeit für dich. Eine Hebamme begleitet dich so, dass du dich wohlfühlst mit dem, was in deinem Körper und in deinem Kopf los ist. Eine Hebamme ist für DICH da, während viele andere nur noch nach dem Baby fragen. Eine Hebamme begleitet dich durch Höhen und Tiefen und ist im besten Fall mit bei der Geburt deines Kindes dabei - so dass du loslassen und vertrauen kannst, in dieser naturgewaltigen Ausnahmesituation deines Lebens.

Eine Hebamme kann aber kaum noch von ihrem Beruf leben!

Die Haftpflichtversicherungsbeiträge für Hebammen haben sich in den letzten drei Jahren verzehnfacht! Betrugen sie 2010 noch 450 Euro jährlich, so liegen sie jetzt, 2013, bei 4480 Euro. Hebammen verdienen durchschnittlich 8,50 Euro brutto pro Stunde — abzüglich von Kosten und Steuern bewegen sich Hebammen so mittlerweile fast im Bereich des Ehrenamtes. Dabei haben wir es hier mit einem enorm anspruchsvollen Beruf mit Verantwortung, Fachkenntnis, Einfühlungsvermögen Nachtschichten und Dauerbereitschaft zu tun haben!

Das muss sich ändern.

Wenn sich nichts ändert, dann werden Hebammen uns bald nicht mehr durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten können! Immerhin 60 Prozent aller deutschen Hebammen sind freiberuflich tätig. 25 Prozent von ihnen mussten seit 2009 ihre geburtshilflichen Tätigkeiten einstellen, weil sie es sich nicht mehr leisten können. Die Haftpflichtversicherung ist so teuer geworden, weil immer mehr Eltern die Geburtshelfer im Nachhinein verklagen. Und das, obwohl es hierzulande immer sicherer wird, ein Kind zu bekommen. In einigen Gebieten haben Frauen schon jetzt keine Wahl mehr, wenn es um die Entbindung geht, weil sie keine Hebamme finden, die das „Risiko“ einer Hausgeburt in Kauf nimmt. Das ist besorgniserregend.

Dieses Problem müssen wir lösen!

Ich glaube fest daran, dass diese Hebammen-Hilfe, dieser Beistand viele Arztbesuche und Medikamente erspart. Weil sie Sorgen nimmt und das Vertrauen in deinen Körper und in dich selbst stärkt. Weil sie dir zuhört, bis deine Geschichte zu Ende erzählt ist. Weil sie dir Fragen beantwortet, wann immer du es brauchst. Weil sie erreichbar ist, Tag und Nacht. Und weil sie Geduld mitbringt, Geduld für dich und deine Situation.
Wir brauchen Politiker, die sich einsetzen für die Hebammen. Wir brauchen Verbände, die sich stark machen. Wir brauchen Bürger, die sich wehren. Wir brauchen Ideen, die diesen Negativtrend aufhalten.

Der Berufsstand der Hebamme muss gerettet werden.

Ein Anfang ist gemacht, mit dieser wichtigen Petition hier.
Einen weiteren Schritt machen wir, indem wir uns das Problem bewusst machen und darüber reden. Je mehr Menschen über diese Schwierigkeiten Bescheid wissen, desto mehr können wir tun.
Erzählt es also weiter.
Teilt diesen Kommentar oder die Petition. Lasst uns gemeinsam kämpfen für die Hebammen dieses Landes. Denn sie haben es verdient. Und wir Mütter auch!

Lisa Harmann ist Journalistin, Autorin und Texterin, darüber hinaus Mutter dreier Kinder.

Über ihr Buch „Ich glaub, mich tritt ein Kind“ (dtv) erfahrt ihr hier mehr.