Kolumne

Vertrau mir!

Frau Karli · 16.10.2013

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Foto: Pexels

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ODER: Wie du mir, so ich dir ... aus dem Leben der Frau Karli

Ich bin kein Fan langatmiger Erklärungen. Wenn ich zur Tat schreiten will, lasse ich mich ungern aufhalten. Daher greife ich bei diskutierfreudigen oder gar skeptischen Zeitgenossen, die sich mir in den Weg stellen, auf eine bewährte Standardformel zurück (die ich, wie ich freimütig zugebe, dem TV-Ermittler Sledge Hammer geklaut habe): „Vertrauen Sie mir. Ich weiß, was ich tue." Es ist erstaunlich: Mit festem Blick und ruhiger Stimme vorgetragen, wirkt diese Formel Wunder.
Erfreulicherweise ist das Wunder auch auf Kinder übertragbar. Probieren Sie es aus, wenn die Dinge ins Stocken kommen: Ihr pausbäckiges Liebchen zaudert und verursacht mit seiner Starthemmung einen Stau auf der Rutschbahn? „Vertrau mir." (Dabei die Arme ausstrecken und den festen Blick nicht vergessen!) Das Besucherkind weigert sich, die wettergerechte Jacke anzuziehen? „Draußen ist es kalt, du erkältest dich sonst. Vertrau mir." (Ganz, ganz fester Blick! Ruhige, freundliche Stimme.) Gut - auch Wunderformeln entfalten nicht in jeder Alltagssituation ihre volle Schlagkraft. Deshalb tun wir Eltern gut daran, bewusst ein vertrauensförderndes Klima zu kultivieren. Schließlich beruht das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern – hoffentlich – auf Gegenseitigkeit und auf gemeinsam gemachten Erfahrungen.

Papa ferngesteuert

Mein Mann und meine fünfjährige Tochter M. spielen unterwegs manchmal dieses alte Spiel, das Sie vielleicht auch kennen: Sie sitzt auf seinen Schultern, er schließt die Augen und lässt sich von ihr durch die Straßen der Stadt navigieren. Die Steuerung ist denkbar simpel. Zupfen am linken Ohr: links abbiegen. Zupfen am rechten Ohr: rechts abbiegen. Ohren nach hinten ziehen: Vorsicht - anhalten. Ohren nach vorn: Beschleunigen. M. genießt das Gefühl, das volle Vertrauen ihres Vaters zu haben. Natürlich schließt mein Mann nicht wirklich die Augen - doch das weiß M. nicht. Welcher zurechnungsfähige Erwachsene würde schon mit geschlossenen Augen eine Straßenkreuzung überqueren? Allerdings: Als wir neulich die Treppe zur U-Bahn hinabstiegen und ich zur Seite blickte, stockte mir für einen Moment der Atem. Die Augen meines Mannes waren tatsächlich geschlossen! Aber das, liebe Leser, war ganz bestimmt nur eine Sinnestäuschung.

Herzlichst Ihre
Frau Karli

rote Schuhe

© John Krempl/photocase.com