Kolumne

Irgendwas mit Tieren

Frau Karli · 24.08.2015

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Foto: Pexels

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Oder: Vage Erinnerungen an einen Ausflug

Die Kinder berufstätiger, chronisch umtriebiger Mütter kommen ja selten in den Genuss ungeteilter Aufmerksamkeit. Doch neulich war es so weit: Die Große war bei einer Freundin, mein redaktionelles Tageswerk erledigt und auf die Wäsche konnte ich guten Gewissens pfeifen – also hüllte ich meine 80 Zentimeter große, fusselhaarige Tochter in ein hübsches Batikkleid mit unbegreiflichem Muster und wir zogen los Richtung Zoo. Schon der Hinweg war die helle Freude! Wir pfiffen und trällerten und ich malte mir aus, welche Bilder, Begegnungen und Erkenntnisse uns erwarteten.

Zunächst würden wir die Flamingos ansteuern. Dort würde ich die Gefusselte auf die Übereinstimmung des leuchtenden Gefieders und meiner neuen Schuhe aufmerksam machen – und so nebenbei ihre Wahrnehmung von Farben verfeinern. Dann würden wir bei den Erdmännchen Halt machen und ich könnte sie in ein lehrreiches Gespräch über das Clanverhalten dieser interessanten Tiere verwickeln. Gewiss würden wir nette Bekannte treffen. Am Elefantengehege mussten wir unbedingt ein Foto nachstellen, das ich dort vor fünf Jahren mit der Schwester der Gefusselten gemacht hatte – in ähnlicher Kleidung. Und zum Schluss würde ich mich vielleicht sogar bereit erklären, ihr ein zucker- und farbstoffhaltiges Eis zu spendieren.

Handwarmer Sekt: mein Gang hatte von seiner Zielstrebigkeit eingebüßt

Wir hatten die Flamingos noch nicht erreicht, da kamen uns die netten Bekannten schon entgegen: zwei Mütter, die trotz der Hitze und der lärmenden Horde Kinder, die sie im Schlepptau hatten, ausgesprochen gut gelaunt waren – was auch dem inzwischen handwarmen Sekt zu verdanken war, den sie mir verstohlen anboten. Als sich unsere Wege wieder trennten, waren meine neuen Schuhe verkleckert und mein Gang hatte ein wenig von seiner Zielstrebigkeit eingebüßt. An den Rest unseres Tages im Zoo kann ich mich nur noch vage erinnern. Die Gefusselte entwickelte etliche neue Techniken, die Treppe vom Imbiss zum Elefantengehege zu beklettern. Wir waren zwei, drei Mal am Eisstand (Mittagessen? Überschätzt.) und gönnten uns zum Nachtisch Pommes. Am Ausgang stritten wir uns leider schlimm und laut, weil ich trotz Schwips partout keinen überteuerten Heliumballon kaufen wollte. Alles in allem war es aber trotzdem ein wunderbarer Ausflug, glaube ich.

Herzlichst Ihre
Frau Karli

Rote Schuhe
Photocase.com © John Krempl

 

 

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