Familienleben

Finanzielle Vorsorge für Familien

Lewis Gropp · 20.10.2017

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© iStockPhoto.com/urbancow

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Finanzielle Fehlplanungen können Familien ins Unglück stürzen. Deshalb ist eine kluge und vorausschauende finanzielle Planung und Absicherung die Grundlage für ein glückliches Familienleben.

Ausreichend Geld zur Verfügung zu haben, muss nicht bedeuten, dass man zum albernen Protzer wird, der nur auf Status bedacht ist. Im Gegenteil: Wer finanziell gut vorsorgt, der kann mit der Familie stressfrei in Urlaub fahren, kann den Kindern ein neues Fahrrad besorgen, wenn das alte zu klein geworden ist – oder auch einfach nur die Miete zahlen, ohne sich immer weiter zu verschulden. Geld ist sicher nicht alles, aber ohne Geld ist manchmal alles nichts. Was aber gibt es für Möglichkeiten, finanziell für die Familie vorzusorgen?

Die Lebensversicherung ...

... war bis vor kurzem noch die Allzweckwaffe finanzieller Vorsorge. Doch spätestens seit der Euro-Krise ist diese Form der Geldanlage praktisch nichts mehr wert. Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), hat mit seiner Niedrigzins-Politik zwar wohl den Euro gerettet und die taumelnden Volkswirtschaften der Euro-Zone stabilisiert – doch für die Geldinstitute, die Lebensversicherungen anboten, war die Geldschwemme des Finanzsystems ein herber Nackenschlag.

Geld ist inzwischen so billig geworden, dass man einfach kein Geld mehr damit verdienen kann – jedenfalls nicht im Bereich der Lebensversicherungen.

Früher gab es bei Lebensversicherungen Garantiezinswerte von sechs Prozent und mehr – heute liegt der festgeschriebene Garantiezinssatz bei 0,9 Prozent. Wenn man hier die sogenannte Preissteigerungsrate einrechnet, würde man bei dem Zinsniveau sogar noch Geld verlieren, weil das Geld mit Zinsen, wenn es ausgezahlt wird, weniger wert ist als jetzt im Moment ohne Zinsen.

Wie schlecht es um die Lebensversicherung steht, zeigt ein besonders krasses Beispiel der Zeitschrift „Finanztest“. Einer Leserin, die 1996 eine private Rentenversicherung abschloss, wurden damals 518 Euro Rente monatlich in Aussicht gestellt. Stattdessen erhielt die Frau, als der Vertrag Ende 2016 fällig wurde, lediglich 266 Euro im Monat. Die klassische Lebensversicherung ist, da sind sich Finanzexperten einig, ein Auslaufmodell.

Aber Achtung! Wer bereits eine Lebensversicherung besitzt, sollte sie im Zweifelsfall trotzdem behalten. Vor allem, wenn es sich dabei um Altverträge mit einem Garantiezins von 3,25 oder gar vier Prozent handelt. Die vereinbarte Garantie bleibt nämlich auf jeden Fall gültig – ganz egal, wie lange die Zinskrise noch anhält.

Das Sparbuch ...

... ist der Deutschen liebste Sparanlage – vielleicht auch gerade deswegen, weil man schon so früh damit beginnt: in den Kindertagen, wenn Eltern und Großeltern das Sparschwein der Kleinen mit ihrem Münzgeld vollstopfen. Doch ähnlich wie die Lebensversicherung ist das Sparbuch inzwischen ein Verlustgeschäft – die Zinsen sind so niedrig, dass man im Endeffekt Geld verliert, weil das Eingesparte im Laufe der Zeit weniger wert wird.

Das Festgeldkonto ...

... wirft derzeit zwar keine hohen Zinsen ab – dafür ist das Geld dank des Einlagensicherungsfonds aber absolut sicher. Außerdem hat man hundertprozentige Flexibilität, was die Zahlungen betrifft.

Investmentfonds

Wenn die Eltern oder Großeltern bereit sind, ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen, können sie Anteile an Aktienfonds, Immobilienfonds oder Rentenfonds erwerben. Da Fonds immer aus unterschiedlichen Wertpapieren bestehen, ist das Risiko eines Geldverlustes hier kleiner als beim Kauf von Einzelaktien. Natürlich besteht trotz allem immer die Gefahr, dass Finanzmärkte sich nach unten entwickeln, aber da man bei Fonds normalerweise langfristig investiert, gleichen sich die Risiken im Lauf der Zeit fast immer wieder aus.

Wer etwas Geduld hat, kann im richtigen Moment verkaufen; die Wahrscheinlichkeit, dass man einen guten Gewinn einfährt, ist relativ hoch.

Man kann Fondsanteile nur erwerben, wenn man ein Depot bei einem Geldinstitut hat. Für Familien, die jeden Monat regelmäßig eine bestimmte Summe sparen wollen, sind Fondsparpläne eine geeignete Sache. Manche Fonds werden von Fondsmanagern zusammengestellt und aktiv verwaltet, andere bilden bestimmte Aktienindizes wie den DAX nach und müssen nicht aktiv gemanagt werden. Sie heißen Indexfonds oder ETFs und die Gebühren beim Kauf sind in der Regel niedriger.

„Riestern“ ...

... und die Riester-Verträge sind in letzter Zeit immer wieder in die Kritik geraten: Zum einen spielen auch hier die niedrigen Zinsen in der Eurozone eine Rolle. Zum anderen müssen Sparer und Vorsorger sehr genau auf die Kosten und Gebühren achten, die die Versicherer veranschlagen. Darüber wird oft nicht genau informiert – und sie sind nicht selten so hoch, dass sie den Sinn und Zweck des ganzen Angebots zunichtemachen.

Bausparverträge ...

... waren dereinst der Renner für die familiäre Vorsorge – doch auch sie sind aufgrund des niedrigen Zinsniveaus deutlich weniger gefragt. Außerdem wird in der Regel ein Prozent der Gesamtkosten von dem Anbieter als Gebühren einbehalten: Das sind bei einer Summe von 100.000 Euro schon 1.000 Euro – und bis man das Geld über die niedrigen Zinsen drin hat, muss man lange sparen.

Wenn die klassischen Vorsorgemittel also nicht mehr sinnvoll sind – wie kann man dann für die Familie erfolgreich finanziell planen?

Das Eigenheim

Insgesamt zahlt man in Deutschland im Schnitt ein Drittel seines Einkommens für Wohnkosten – und gerade in Städten wie Köln steigen die Mieten immer weiter. Teilweise zahlen Geringverdiener sogar bis zu fünfzig Prozent ihres Einkommens für ihre Miete! In der Domstadt sind Mietwohnungen inzwischen sogar teurer als im schicken Düsseldorf – und ein Ende des Trends ist nicht abzusehen.

Gerade deswegen ist es sinnvoll – wenn möglich –, eine Immobilie anzuschaffen.

Zwar sind auch für Immobilien die Preise in den letzten Jahren extrem stark gestiegen, aber es spricht nichts dafür, dass Wohnraum in den nächsten Jahren günstiger werden wird, im Gegenteil. Gerade in Städten wie Köln wird auf absehbare Zeit der Wohnraum sogar noch knapper, weil es bautechnisch kaum noch möglich ist, den Bedarf zu decken. Umso besser wäre es also, wenn die Familie in den eigenen vier Wänden leben kann.

Dabei sollte man darauf achten, dass man sich nicht übernimmt und die Immobilie abbezahlt hat, wenn es ins Rentenalter geht und man eingeschränktere Geldmittel als zuvor zur Verfügung hat – sonst wird einem das Altenteil unter dem Hintern weggezogen.

Sondertilgungen

Wer bei Darlehensabschluss ein Recht auf sogenannte „Sondertilgungen“ vereinbart hat, sollte diese unbedingt leisten, wenn die Mittel dafür da sind – hier kann die Familie richtig Geld sparen. Bei einer Kredithöhe von rund 40.000 Euro kann man mit einer Sondertilgung von 5.000 Euro je nach Vertrag und Zeitpunkt über 2.000 Euro einsparen. Gerade am Anfang der Rückzahlungen ist das besonders effektiv, weil man hier den Anteil der Zinsen am Kredit stark verringern kann und mehr Geld in die Tilgung fließt.

Ökonomisch denken und handeln

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Wenn man ernsthaft seine Familie absichern möchte, ist es wichtig, ökonomisch zu denken und im Blick zu haben, was man sich erlauben kann. Dabei sollten immer ein paar finanzielle Reserven in der Hinterhand verbleiben, schließlich passiert es schnell, dass eine Waschmaschine kaputtgeht, ein Kühlschrank – oder ein Auto. Dann kann man sich die Frage stellen: Muss es wirklich ein SUV für 50.000 Euro sein, oder reicht vielleicht nicht auch ein zuverlässiger, gebrauchter Kombi für 5.000 Euro? Zack – schon wieder 45.000 Euro gespart!

Aber im Ernst: Je mehr unnötige Kosten die Familie vermeidet, umso unbeschwerter kann sie leben, vor allem auf lange Sicht.

Der jährliche Sommerurlaub muss ja nicht unbedingt in einen exklusiven Club inklusive Kinderbetreuung in die „Dom. Rep.“ führen. Es muss auch nicht zwingend für jedes Kind und jedes Lebensalter ein neues Fahrrad gekauft werden, wenn es das alte noch tut und an den kleineren Bruder weitergegeben werden kann.

Außerdem sollten Eltern bei allen Anschaffungen die Folgekosten im Blick haben. Bestes Beispiel: Das kleine, süße Haustier kostet nicht viel; teuer sind Futter, Impfungen, Operationskosten, Steuer, Betreuungskosten usw.

Vorsicht vor Ratenkrediten!

Ratenkredite können sich als Kostenfalle entpuppen. Eigentlich sind sie für Verbraucher ja sinnvoll – schließlich kann man Güter erwerben, für die man sonst das Konto überziehen müsste. Und die Zinsen sind deutlich günstiger als die Kontoüberziehungsgebühren.

Aber nicht selten verstecken sich hinter den Angeboten zusätzliche Kosten – und die angeblich niedrigen Raten verschleiern die Gesamtkosten. Das kann Menschen zu einem höheren Kredit verleiten, als sie sich eigentlich leisten können. Wer die Arbeit verliert oder krank wird, kann unter Umständen die Raten nicht mehr bezahlen – und dann wird es für die ganze Familie ungemütlich.

Versicherungen checken

Für Versicherungen lässt sich eine Menge Geld ausgeben – oder auch einsparen. Nicht wenige Finanzexperten empfehlen, bei der Absicherung von Familien vor allem mögliche Notfallsituationen im Blick zu haben – und für die meisten Notfallsituationen gibt es hierzulande Versicherungen.

Ein Muss für Familien ist eine private Haftpflichtversicherung, dicht gefolgt von einer Berufsunfähigkeitsversicherung und einer Risikolebensversicherung. Ebenfalls sinnvoll können eine Unfall- oder Invaliditätsversicherung für die Kinder sein und eine Zahnzusatzversicherung.

Das muss jede Familie individuell entscheiden, die richtigen Informationen und eine vernünftige Beratung sind hier wichtig.

Allerdings sollten Eltern für eine Beratung die Versicherungen nicht unbedingt direkt kontaktieren – schließlich ist man dort darauf angewiesen, die eigenen Produkte gewinnbringend zu verkaufen. Oft empfiehlt es sich, einen unabhängigen Berater zu kontaktieren, der für verschiedene Versicherungen tätig ist und im Idealfall vorgeht wie ein Arzt: indem er oder sie nämlich zunächst einmal fragt, was einem denn fehlt.

Richtig informieren!

Bei all den Versicherungen auf dem Markt ist es schwer, den Durchblick zu bekommen und Angebote zu vergleichen – wichtige Vertragsbedingungen stehen oft im Kleingedruckten. Deswegen ist es sinnvoll, sich über unabhängige Prüfer wie die Stiftung Warentest zu informieren.

Die Tests der gemeinnützigen Verbraucherorganisation sind in der Regel hinter einer „Paywall“ versteckt, doch die 2 bis 3 Euro zu investieren lohnt sich in der Regel. Schließlich geht es bei den Entscheidungen zu Versicherungen um Beträge einer ganz anderen Größenordnung.