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Yoga, Yoga, Yoga

Claudia Berlinger · 26.07.2018

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© iStockphoto.com/Poike

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Alle reden davon und wer einmal eine Stunde besucht hat, glaubt: Jetzt weiß ich, was Yoga ist. Dabei gibt es viele verschiedene Yogarichtungen und es werden immer mehr. Dabei ist nicht jede Übungsrichtung für alle Praktizierenden gleich gut geeignet. Hier könnt ihr euch einen Überblick über die verschiedenen Yogastile verschaffen.

Hatha Yoga

Hatha Yoga gilt als Mutter aller Yogaformen, die aus Indien in den Westen kamen. „Ha“ bedeutet Sonne und „tha“ bedeutet Mond. „Yoga“ bedeutet Einheit. Ohne Dunkel kein Licht und ohne Anstrengung keine Entspannung. Ursprünglich wurden die Hatha Yoga Posen aus der Beobachtung der Welt entwickelt, um schmerzfrei in der Meditation sitzen und sich der spirituellen Entwicklung widmen zu können. So wundert es nicht, dass die Posen Tiere nachahmen wie Katze, Kuh, Kobra oder Skorpion.

Im Hatha Yoga werden die Stellungen (Asanas) nacheinander achtsam spürend im Gleichklang mit dem Atem ausgeführt und eine Zeit lang gehalten. Der Atem als Verbindungsglied zwischen individueller Seele und universeller Liebe (Gott, Universum) ist der Taktgeber für die Körperposen. Die anschließende Meditation rundet eine Hatha Yoga Stunde ab.

Hatha Yoga stärkt, weitet, macht beweglich und fördert innere Ruhe und Konzentration und ist die Wahl für Menschen, die nach körperlich-geistig-spiritueller Ausgeglichenheit streben.

Sivananda Hatha Yoga

Mit dem Sivananda Yoga erlebte die Reise des Yoga in den Westen in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts ihre Blütezeit. Der Arzt Swami Sivananda entsandte seinen Lieblingsschüler Swami Vishnu Devananda nach Kanada, von wo aus der Friedensaktivist Ashrams überall in der Welt gründete und Yogalehrer ausbildete. Ein Ableger von Sivananda Yoga ist Yoga Vidya, die das Konzept 1:1 weiterführen.

Beim Sivananda Hatha Yoga werden körperliche und spirituelle Übungen miteinander verbunden. Eine klassische Sivananda Yogastunde beginnt und endet mit Om, beinhaltet den Sonnengruß, der die Rishikesh-Reihe folgt. Nach jeder Pose wird die Gegenpose ausgeführt (also erst Vorbeuge, dann Rückbeuge). Zwischen den Posen liegt ihr in Savasana, der Totenpose, und spürt nach. Auch das Singen von Mantras und das Studium philosophischer Texte gehört zum Sivananda Hatha Yoga dazu.

Sivananda eignet sich hervorragend für spirituelle Menschen, die körperliche und geistige Stärke entwickeln, Stress abbauen und ihren inneren Frieden finden möchten.

Viniyoga

Viniyoga bietet den individuellsten Umgang mit dem Yoga. Jeder Mensch ist besonders und wird in seinem So-Sein abgeholt. Die Übungen werden auf die Möglichkeiten und Grenzen eines jeden Schülers ausgerichtet. Denn nicht jede Übung passt zu jedem Schüler zu jeder Zeit. Ein Arzt verteilt ja auch nicht Aspirin an alle Patienten im Wartezimmer, ohne den Grund für ihr Kommen zu kennen.

Entwickelt wurde Viniyoga von T. K. V. Desikachar, der von seinem Vater Krishnamacharya unterwiesen wurde. Besonders empfehlenswert ist die Lektüre seines Buches „Yoga – Heilung von Körper und Geist“.

Viniyoga ist für Menschen geeignet, die mit ihren individuellen Besonderheiten und Beeinträchtigungen gesehen und begleitet werden möchten.

Yin Yoga

Yin Yoga ist ein langsamer und weicher Yogastil, der hauptsächlich im Sitzen und Liegen praktiziert wird. Ziel des Yin Yoga ist es, sich in die Posen hinein zu entspannen und in einen freien Atemfluss zu gelangen. Posen werden eingenommen und ihre Interaktion mit sämtlichen Körper- und Geistinstanzen erspürt. So werden sämtliche Spannungen abgebaut. Sinnvoll ist diese passive Herangehensweise (Yin bezeichnet die weiblich-passive Energie) vor allem, wenn unser Leben von hoher Anspruchsorientierung und Aktivität, also männlicher Yang Energie, geprägt ist.

Wer seinen tiefen Atemfluss spüren und tiefe Entspannung als Gegenpol zum aktiven Alltag erleben möchte, der ist hier genau richtig.

Hormonyoga

Entwickelt wurde es von der Brasilianerin Dinah Rodrigues. Die Psychologin kam durch ihre lange Hatha Yoga Praxis beschwerdefrei durch ihre Wechseljahre. 1993 führte sie eine Studie durch, um die hormonelle Yogatherapie wissenschaftlich zu untermauern.  Hormonyoga ist eine energetische Yogaform mit Elementen aus dem klassischen Hatha Yoga, Kundalini Yoga und Atemübungen (Pranayama).

Die Übungen helfen nicht nur in der Menopause, sondern auch bei Kinderwunsch, Menstruationsproblemen und um hormonelle Dysbalancen ausgleichen. In Indien werden Yogaübungen zur Steigerung der sexuellen Potenz auch als Hormonyoga bezeichnet.

Bikram Yoga

Diese Stilrichtung wird auch Hot Yoga genannt. Bikram Choudhury entwickelte diesen Yogastil basierend auf dem klassischen Hatha Yoga. Die 24 Yogaposen (Asanas) und 2 Atemübungen (Pranayama) werden in 39 Grad heißen Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit durchgeführt. Beim Hot Yoga herrschen also indische Verhältnisse. Das verstärkte Schwitzen regt die Entgiftung und Zellerneuerung an. Achten solltet ihr auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Bikram Yoga ist für gesunde Menschen mit stabilem Kreislauf geeignet, die mächtig ins Schwitzen kommen und ihre Dehnbarkeit verbessern möchten.

Kundalini Yoga

Der westliche Kundalini Yoga geht auf Yogi Bhajan zurück. Das Ziel dieser Stilrichtung ist das Erwecken der feinstofflichen Kundalini-Energie, die mithilfe dynamischer Posen und Atemtechniken vom untersten bis zum Kronenchakra Chakra aufsteigen soll und in letzter Instanz zu Samadhi (Erleuchtung) führt. Typisch für den Kundalini Yoga ist die häufige Praxis des fordernden Feueratems. Ein weiterer Fokus liegt auf Mantren, also heilige Silben, Worte oder Verse als Klangkörper einer spirituellen Kraft.

Die Yogastunden werden als Kriya (Reinigungstechnik) verstanden und beinhalten Asanas (Körperposen), Pranayama (Atemtechniken), Bandhas (körperliche „Verschlüsse“, die die Energie im Körper halten), Mantrasingen, Mudras (heilige Handgesten) und Meditation.

„Sat Nam“ ist das Mantra, das ihr lieben solltet, wenn ihr euch diesem dynamischen Yogastil zuwendet.

Ashtanga Yoga

Typisch für Ashtanga Yoga ist die Einteilung der Übungsreihen (Serien) in Schwierigkeitsgrade. Die Posen folgen einer festgelegten Reihenfolge, die nacheinander eingeübt werden. Die einzelnen Asanas werden durch Sprünge miteinander verbunden.

In Ashtanga Yoga Studios werdet ihr in geführten Klassen für Anfänger und Fortgeschrittene eingeteilt. Wenn ihr eure Serie dann im eigenen Tempo vervollkommnen wollt, geht ihr zwischen 6.30 und 10 Uhr in euer Studio und nehmt an der Mysore-Klasse teil. Hier gibt der Lehrer individuelle Hilfestellungen. Und ihr startet euren Tag herrlich durchgearbeitet.

Ashtanga Yoga ist für Menschen geeignet, die am besten in ihre Mitte finden, indem sie sich körperlich fordern.

Viniyasa Yoga

Viniyasa Yoga ist eine Ableitung aus dem Ashtanga Yoga. Es ist ein dynamischer Yogastil, nur sanfter. Posen werden fließend miteinander verbunden, folgen dabei dem Atemrhythmus. Je nach Lehrer werdet ihr sehr unterschiedliche Kombinationen der ineinander verwobenen Posen kennenlernen, denn Viniyasa Yoga folgt keinen festen Reihen. Manchmal wird Viniyasa Yoga mit Musik unterrichtet.

In Viniyasa Studios findet ihr an sieben Tagen in der Woche Kurse für alle Level.

Wer eine ausgewogene Mischung aus körperlicher Aktivität und Entspannung erleben möchte, kommt beim Viniyasa Yoga voll auf seine Kosten.

Jivamukti Yoga

Jivamukti bezeichnet die befreite Seele. Entwickelt wurde die dynamische Yogarichtung von Sharon Gannon und David Life, einem Tänzerpaar aus New York, die der reinen Körper- und Fitnesskultur des Yoga eine spirituelle Lebensgrundlage für den Alltag entgegensetzen wollten. Im Jivamukti Yoga findet ihr sowohl gehaltene Posen wie beim Hatha Yoga wie auch Yoga Flows wie beim Viniyasa Yoga.

Dieser Yogastil eignet sich besonders für Menschen, die langsame, fließende, aber fordernde Posen schätzen.

Iyengar Yoga

Typisch für Iyengar-Yogastunden ist die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln wie Decken, Blöcke, Gurte und Stühle, die ihr in anderen Richtungen vergeblich suchen werdet. B.K.S. Iyengar hat auf der Basis des Ashtanga Yoga einen Yogastil entwickelt, der sehr auf die akkurate Ausübung ausgerichtet ist und an den Körperstrukturen arbeitet. Seine Buchklassiker „Licht auf Yoga“ und „Licht auf Pranayama“ sollte jeder interessierte Yogi gelesen haben, egal, welche Richtung ihr praktiziert.

Iyengar Yoga ist für Menschen geeignet, die gern ins Detail gehen und in konzentrierter Ruhe an Körper, Geist und Seele arbeiten möchten.

Yoga Nidra

Yoga Nidra wurde von Swami Satyananda Saraswati entwickelt und wird auch „der Schlaf der Yogis“ genannt (Nidra bedeutet Schlaf). Yoga Nidra ist eine angeleitete Entspannungstechnik, in der das Hirn in den Alphazustand, den Raum zwischen Wachen und Schlafen gebracht wird.

Yoga Nidra eignet sich als zusätzliche Entspannungspraxis für jeden Menschen.

Aerial Yoga

Man muss zwar nicht jeden Trend mitmachen, aber wenn es doch Spaß macht! Aerial Yoga heißt der neue Trend aus den USA. Yogaposen werden in einem an der Decke hängenden Tuch ausgeführt und ermöglicht auch Ungeübten schwierigere Posen wie den Kopf- oder Handstand.

Dieser Yogastil eignet sich für Anfänger wie Fortgeschrittene jeder Alters- und Gewichtsklasse gleichermaßen.