Ausflug

„Eiervision Leed Contäst“

Sue Herrmann · 15.03.2018

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Dieter Kohle im Hänneschen Theater © Sue Herrmann

Dieter Kohle im Hänneschen Theater © Sue Herrmann

Das diesjährige Osterstück der Puppenspiele der Stadt Köln hatte Premiere. Und wir mittendrin, im legendären Hänneschen Theater in der Kölner Altstadt.

Wie so häufig war ich in Begleitung meines Sohnes Anton, der als kölsche Jung nun endlich mal ins Hänneschen eingewiesen gehörte. Als nunmehr 11-Jähriger bedurfte es beim Thema „Puppenspiel“ allerdings einer gehörigen Portion Überredungskünste meinerseits. Nun – ob das Eis kurz vor der Aufführung und die süße Tüte während der Pause als Motivation gedient hat, wer weiß ...

Im gut gefüllten Saal – einer Premiere würdig – begann das Stück mit ein paar erklärenden Worten bezüglich Handy aus, keine Fotos machen während der Aufführung ... und ähnlichem. Und damit auch alle folgen konnten, nicht nur op Kölsch, sondern gleich noch mit der Übersetzung ins Hochdeutsche. Doch Obacht – der Rest des Stücks wird nicht im Zweikanalton aufgeführt ;-).

Osterhase meets Superstar

Und jetzt mal zur neusten Produktion unter der Regie von Iris Schlüter, die das Stück auch geschrieben hat: Im diesjährigen Osterstück wird quasi das uralte Märchen vom Osterhasen – Also: Gibt es ihn nun, oder nicht? – mit dem „neumodischen Kram“ einer Talentshow im Sinne von „Knollendorf sucht den Superstar“ verquickt. Wer Dieter Bohlen nicht kennt, hat natürlich nur den halben Spaß. Herrlich, wie „Dieter Kohle“ im Mercedes-Cabrio anrauscht, um im schönsten norddeutschen Platt und in typischer Bohlen-Manier die „Gesangstalente“ abzuwatschen. Doch die Story ist natürlich komplexer und verflochten mit den Geschicken um die Hasenfamilie und ihren verloren geglaubten Sohn Mümmelmotz. Außerdem geht’s noch um belgischen „Van Houten Kackau“, um verstopfte Hühner mit Legeblockade, um den koketten Hubäät, seines Zeichens Coq au vin us Immekeppel und um die reimende ahl Ühl, die zusammen mit den Hasenpänz und natürlich mit Hänneschen und Bärbelchen das Osterfest rettet. Was auch sonst, ein fulminantes Happy-End muss schon sein!

Eine Reihe flotter Sprüche haben mich laut auflachen lassen – nicht nur die von Dieter. Und oft waren es auch einfach nur die kölschen Wörter und Ausdrücke, die „ming Kölsch Hätz“ erfreut haben. „Möhrche mümmele“, „im Büsch verstoche sin“ oder „d’r Schnorres avrasiere“ – herrrrlisch! Besondere Erwähnung verdienen auch unbedingt die Bühnenbilder. Sie sind liebevoll, bis ins Detail gestaltet, nicht zuletzt zum Leben erweckt durch den überaus flatterhaften Falter der Zitronen.

Und das Fazit der Ostergeschichte könnte lauten: „Schokoeier bruch’ste noch nit ens zo bemole!“

Bühnenbild Hänneschen Theater

Ein paar persönliche Tipps für den Besuch im Hänneschen mit Kindern:

Tipp 1: Eine Sitzerhöhung mitzunehmen, kann je nach Sitzreihe, sicherlich nicht schaden. Die Herren in der Reihe vor uns setzten sich netterweise unaufgefordert „auf Lücke“, sonst hätte Anton aufgrund des überwiegend Erwachsenen Publikums, Schwierigkeiten gehabt, die Bühne ganz zu überblicken.

Tipp 2: Das Kölsch war meines Erachtens durchaus gut zu verstehen – sprach dat kölsche Mädsche ;-). Die Handlung vorher durchzulesen, kann also helfen, wer in der Kölschen Mundart nicht ganz firm ist.

Tipp 3: Für Fortgeschrittene: D’r Bleck hinger die Britz. Bei dieser Sonderveranstaltung erfahrt ihr, aus welchem Holz die Knollendorfer eigentlich geschnitzt sind, wieviel sie wiegen und überhaupt alles, was ihr über die Geschichte des Theaters und das Handwerk der Puppenspieler wissen wollt.

Tipp 4: Ach ja, Süßigkeiten-Bestechungen kommen durchaus gut an und sind in Einzelfällen voll akzeptabel. In unserem Fall wären sie aber noch nicht mal vonnöten gewesen – es hat Sohnemann nämlich durchaus gefallen. Besonders gut, wenn die Puppen beim Rennen ihre Beine in die Luft schmeißen und dann natürlich – völlig klar – der Sp-Sp-Sp-Speimanes.

Info: Vorstellungen bis Do 29.3., Mi-So 15 Uhr und 17.30 Uhr, am 14.3. und 21.3. zusätzlich um 10.30 Uhr und 13 Uhr
Karten € 13,-/8,50

Puppenspiele der Stadt Köln
Eisenmarkt 2-4
50667 Köln
Tel. 0221 – 258 12 01
www.haenneschen.de

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