Teenager

Der Weg zum Ehrenamt

Josephine Hepperle · 11.10.2022

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© Halfpoint/adobestock.com

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Jugendliche, die sich ehrenamtlich engagieren, wachsen stetig über sich hinaus. Sie lernen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig selbstwirksam zu sein. Sie gestalten die Gesellschaft mit und tragen zu Veränderung bei. Wenn dann auch noch Spaß und Freundschaften hinzukommen, ist der Boost für die persönliche Entwicklung perfekt.

Was bedeutet Ehrenamt“?

Sich ehrenamtlich zu engagieren bedeutet, sich für die Gesellschaft einzusetzen, selbstwirksam zu sein und über sich hinauszuwachsen. Ehrenamtliche spielen in vielen Verbänden und Organisationen eine tragende Rolle, um die gemeinsamen Ziele voranzubringen. Ohne den Einsatz von Ehrenamtlichen wären viele Angebote von Bürger- und Jugendzentren, Sportvereinen und Freizeitorganisationen für Jung und Alt nicht zu stemmen. Ohne sie würden regelrechte Feuer ausbrechen – im wahrsten Sinne des Wortes: Der Brandschutz wird zu 99 Prozent in allen deutschen Städten durch die Freiwillige Feuerwehr, also ehrenamtlich Tätige, sichergestellt. In Köln sind das rund 900 Freiwillige in 28 Einheiten, darunter auch 24 Einheiten, in denen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren aktiv sind. Sich ehrenamtlich einzubringen bedeutet, sich einer Aufgabe zu widmen, die gemeinwohlorientiert und freiwillig ist. Ehrenamtliche erhalten für ihre Arbeit keine Vergütung. In manchen Fällen erhalten ehrenamtlich Tätige eine Aufwandsentschädigung oder Ehrenamtspauschale als finanzielle Wertschätzung.

Jugendliche bilden die größte Gruppe an Ehrenamtlichen

Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind ehrenamtliche Tätigkeiten sehr beliebt. Man kann sich praktisch erproben, neue Erfahrungen sammeln, das eigene Selbstwertgefühl steigern und vor allem macht es Spaß, wenn man das passende Ehrenamt gefunden hat. Die Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren, ist in den letzten zwanzig Jahren stetig gewachsen. Laut dem „Fünften Deutschen Freiwilligensurvey“ (FWS) des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 2019 engagieren sich 39,7 Prozent der Personen ab 14 Jahren, die in Deutschland leben. Außerdem sind über die Hälfte der Mädchen und Jungen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren mit einem freiwilligen Engagement aktiv und bilden die größte Gruppe der Engagierten.

Warum sollte ich mich freiwillig engagieren?

Freiwillige Tätigkeiten geben einen Einblick in viele Berufsfelder. Sie können der Orientierung dienen und die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu entdecken und auszubauen. Über 90 Prozent der befragten Jugendlichen im Alter von 14 bis 25 Jahren gaben im FWS 2017 außerdem an, dass sie sich freiwillig einbringen, weil es Spaß macht. Der Einstieg in das freiwillige Engagement erfolgt in den meisten Fällen durch den Anstoß aus dem privaten Umfeld und/oder wenn die Eltern selbst freiwillig engagiert waren oder sind.

Wo kann ich mich ehrenamtlich einbringen?

Wer sich engagieren möchte, hat die Qual der Wahl. Ob im Bereich Umwelt, Politik, Kultur, Sport und Bewegung oder Soziales – in Sachen Ehrenamt wird jede:r fündig. Beliebte Ehrenamtsbereiche für Jugendliche sind Sportvereine, AGs oder Schüler:innenvertretungen in der eigenen Schule, Verbände und Vereine in der außerschulischen Betreuungs- und Bildungsarbeit, Tierheime, die Freiwillige Feuerwehr, Pfadfifinder:innengruppen oder kirchliche und religiöse Angebote. In jeder Region, Stadt oder Gemeinde finden sich viele Möglichkeiten. Viele Jugendliche, die in Sportkursen, Übermittagsbetreuungen oder Freizeitaktivitäten ehrenamtlich arbeiten, haben in vielen Fällen vorher selbst an den Angeboten teilgenommen.

Wie viel Zeit braucht ein Ehrenamt?

Um ein bestimmtes Ehrenamt auszuüben, braucht es unterschiedlich viel Zeit. Wenn die Antwort auf das eigene Zeitkontingent erst einmal gefunden ist, grenzen sich die Ergebnisse der Ehrenamtssuche automatisch ein. Bei manchen Ehrenämtern ist es wichtig, wöchentlich aktiv zu werden, wie in der Hausaufgabenbetreuung und Freizeitgestaltung im nächstgelegenen Jugendzentrum. Andere Angebote finden nur in den Schulferien statt. Jugendliche ab 16 Jahren begleiten beispielsweise als Betreuer:innen durch wöchentliche Programme in Kinder- und Jugendfreizeiten. Möglich ist auch, einmalig ehrenamtlich aktiv zu werden.

Besondere Formate für freiwillige Tätigkeiten bilden das Freiwillige Soziale, Ökologische oder Kulturelle Jahr und der Bundesfreiwilligendienst. Viele Jugendliche entscheiden sich für einen dieser Freiwilligendienste, um sich nach der Schule beruflich zu orientieren und einen Blick in verschiedene Einsatzorte zu werfen. Ob Wohngruppe, Forstamt oder Philharmonie, bei den Einsatzstellen gibt es unzählige Möglichkeiten. Die Freiwilligen arbeiten in Vollzeit in ihrer Einsatzstelle und lernen zusätzlich in Bildungsseminaren weitere Freiwillige kennen. Die Dienste dauern in der Regel zwölf Monate. Darüber hinaus bekommen die Freiwilligen, im Gegensatz zu anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten, ein Taschen- und Verpflegungsgeld. Alle Dienste können ab 16 Jahren, in manchen Fällen ab 15 Jahren, bis einschließlich 27 Jahre ausgeführt werden. Der Bundesfreiwilligendienst ist darüber hinaus auch für Menschen über 27 Jahre zugänglich.

Welche Voraussetzungen brauche ich für ein Ehrenamt?

Bei vielen Ehrenämtern gibt es keine gesonderten Voraussetzungen außer ein Mindestalter. Das Wichtigste ist vor allem der Spaß an der Tätigkeit. Hilfreich sind neben Interesse an den Aufgaben eine Portion Motivation und die Bereitschaft, etwas Neues zu lernen. Wenn eine bestimmte Tätigkeit das Interesse geweckt hat, gilt es die Bedingungen für das Ehrenamt mit der jeweiligen Stelle direkt abzuklären. Bei Betreuungsangeboten für Kinder und Jugendliche brauchen die Engagierten häufig einen Juleica-Schein. Juleica steht für Jugendleiter:in-Card und gilt als bundesweit einheitlicher Ausweis für ehrenamtlich Tätige in der Jugendarbeit. Gleichzeitig würdigt die Juleica das ehrenamtliche Engagement. Viele Vereine, Organisationen und Träger, die mit jungen Menschen arbeiten, bieten eine Juleica-Ausbildung ab 16 Jahren an. Dabei lernen Jugendliche alles Wichtige, was sie im Zusammenhang mit ihrem Ehrenamt brauchen.

Wo kann ich ein passendes Ehrenamt finden?

Um das perfekt passende Ehrenamt zu finden, gilt: Einfach ausprobieren. Es ist nicht schlimm, wenn es beim ersten Versuch nicht klappt und einem die Aufgabe, das Einsatzgebiet oder die Tätigkeit nicht gefällt. Mut zum Scheitern ist angesagt! Das Wichtigste ist: Die Zusammenarbeit im Ehrenamt muss für die Organisation und mich selbst passen. Bevor das Ehrenamt starten kann, muss der Einsatzbereich gefunden werden. Das persönliche Umfeld ist befragt und die umliegenden Angebote erkundet. Wenn das Passende aber nicht dabei gewesen ist, erleichtern einige Online-Plattformen die Suche nach dem richtigen Engagement.

 

Fragen und Gedanken für die Suchen nach dem passenden Ehrenamt:
• Was interessiert mich?
• Mit wem möchte ich arbeiten? (mit Kindern Senior:innen, alleine, im Team, mit Tieren, …)
• Wie viel Zeit habe ich in der Woche, um mich freiwillig einzubringen?
• Welche Hobbys habe ich?
• Was wollte ich schon immer lernen, können oder wissen?
• Ich habe mich schon immer gefragt: Was macht eigentlich ein:e ...?


Ehrenamtscheck

Einmal oder immer wieder Held:in sein? Der digitale „Ehrenamtscheck“ fordert Suchende auf, mit kleinen Taten große Wirkungen als unsichtbare Held:innen zu erzielen. Interessierte klicken sich durch die hilfreichen Fragen und Auswahlmöglichkeiten, um die eigene Held:innenpersönlichkeit zu entdecken. Bin ich eher der Soziale, die Macherin oder das Allroundtalent? Nach zwölf Fragen und ebenso vielen Antwortmöglichkeiten blinkt der eigene Held:innentyp auf. Beispielsweise fackelt Captain Active als Macher:in nicht lange und packt immer tatkräftig mit an, wenn Freund:innen Hilfe benötigen. Bereiche wie Engagement im Repair Café oder der Tafelarbeit sind der richtige Ort für die Captain-Active-Persönlichkeit. Neben dem Held:innentyp empfiehlt der Ehrenamtscheck im Anschluss eine Auswahl an Organisationen, die die zugeordneten Tätigkeiten im Ehrenamt ermöglichen.

Ehrenamtssuche

Das Online-Portal „Ehrenamtssuche“ beheimatet über 15.000 Einrichtungen in Deutschland. Die Suchleiste filtert nach Ort, Postleitzahl, Umkreis, Stichwort des Ehrenamts und Kategorien. Über 107 Einsatzorte in Köln und 102 in Bonn erwarten suchende Ehrenamtsbegeisterte. Ob Umwelt und Tierschutz, Sport und Freizeit oder Familienhilfe – die Plattform informiert über vielfältige Stellen, eröffnet einen ersten Einblick in das jeweilige Einsatzfeld und zeigt an, wie weit die Organisation vom Wunschort entfernt liegt. Ein besonderes Angebot findet sich über den Menüpunkt „Berater suchen“. Erneut öffnet sich eine Suchleiste, in der nach Eintippen von Ort oder Postleitzahl kostenlose Beratungsstellen mit Adresse und Telefonnummer in der Anzeige erscheinen. Im gemeinsamen Beratungsgespräch werden individuelle Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche bei der Ehrenamtssuche berücksichtigt.

Govolunteer

Das soziale Start-up „GoVolunteer“ beherbergt mehr als 2.500 gemeinnützige Initiativen und Veranstaltungen in über 250 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Suchende werden auf der Plattform für soziales Engagement zu Findenden. Die ehrenamtlichen Organisationen unterteilen sich in verschiedene Themen, wie Sport, Nachbarschaft oder Kunst und Kultur. Herzstück der Seite bildet die Suchmaschine. Über den Button „Finde jetzt dein soziales Projekt“ öffnet sich mit einem Klick die Suchmaske. Mit der Eingrenzung auf Ort oder Stichworte lassen sich die Angebote reduzieren. Die Filterfunktion unterstützt die Suche mit Auswahl nach Themen, Tätigkeiten, Art des Engagements, Zeitaufwand und Sprachen, die dem Ehrenamtseinsatz entsprechen sollen.

Letsact

Ganz unkompliziert, schnell und mit direkter Kommunikation vermittelt die App „letsact“ Projekte an Ehrenamtssuchende. Nach erfolgreicher Registrierung öffnet sich das Home-Menü. Wir empfehlen mit dem Nachwuchs gemeinsam durch die App zu scrollen, denn Registrierte können über die Felder „Engagieren“ oder „Spenden“ auswählen, was sie für die Projekte bewirken möchten. Wie bei anderen Suchportalen wird nach Stadt und Umkreis sowie nach möglichen Einsatzorten gefiltert. Über die Chatfunktion tauschen sich Interessierte, Engagierte und Organisationen aus.

Freiwillig JA

Bei der Suche nach einem Langzeitfreiwilligendienst im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) begegnen den Suchenden zahlreiche Organisationen, Träger und Einsatzstellen. Eine Flut an Internetseiten erwartet die Interessierten. „Freiwillig Ja“ vereint die zahlreichen Angebote in einem Portal. Auf einen Klick öffnet sich die Stellensuche, um den passenden Einsatzort zu finden. Viele Filterfunktionen, wie Dienstart, also FSJ, BFD oder FÖJ, Ort und Bereiche, wie Denkmalpflege, Naturschutz oder Politik, erleichtern die Suche nach der Einsatzstelle. Die Detailanzeige der Einsatzorte gibt grundlegende Infos und leitet weiter zum Träger, der den Freiwilligendienst anbietet.

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