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Musiktipps von „Mama lauter!“

Thomas Hartmann · 27.01.2023

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Regelmäßig neue Musiktipps von Mama lauter! © Cristina/AdobeStock

Regelmäßig neue Musiktipps von Mama lauter! © Cristina/AdobeStock

Mit „Mama lauter!“ fördert der Kulturwissenschaftler und Medienpädagoge Thomas Hartmann gute Musikangebote für Kinder. In seinem gleichnamigen Buch (erschienen ConBrio-Verlag) unternimmt er einen kritischen Streifzug durch die seiner Meinung nach „unterschätzte Gattung“ Kindermusik, auf seiner Website rezensiert er aktuelle Musikproduktionen für Kinder und stellt zahlreiche Künstler:innen vor. Jeden Monat gibt er auch bei uns eine neue Empfehlung aus der Welt der Kindermusik.


Löwenmut – Tipp im Februar

Hinter der Gruppe Flünk stecken Björn und Lara Leese, die sich nicht nur ihren Nachnamen, sondern auch die Elternschaft für ihre zwei Kinder teilen. Diese Konstellation mag einer der Gründe dafür sein, dass die beiden Künstler:innen auf ihrem Debutalbum „Löwenmut“ eine sehr wohlige Atmosphäre erzeugen. In ihren von Folk-Musik geprägten Liedern konzentriert sich das Duo immer auf das Wesentliche, findet dabei aber trotzdem einen eigenen, unverkennbaren Sound und zeigt sich dabei überraschend vielseitig. Flünk verknüpfen einfache Songstrukturen mit bezaubernder Melodieführung und mehrstimmigem Gesang – ein Mix, der vor allem den Ansprüchen jüngerer Kinder gerecht wird und sie zum aufmerksamen Zuhören und Mitsingen einlädt. Auf einem Kindermusikmarkt, der sich immer stärker am popkulturellen Zeitgeist orientiert, zeugt dieser im positivsten Sinne aus der Zeit gefallene Stil von beglückender künstlerischer Eigenständigkeit. Damit beweisen Flünk sogar selbst ein bisschen Löwenmut.


Eule findet den Beat – Tipp im Dezember/Januar

Im Jahr 2014 erschien die erste Ausgabe der Hörspielreihe „Eule findet den Beat“, die mit dieser neuesten Produktion inzwischen vier Teile umfasst. Diesmal bekommt die sympathische Eule viel Fachwissen über verschiedene Instrumente vermittelt und erneut drängt sich das musikpädagogische Anliegen dabei offensichtlich in den Vordergrund. Das wirkt in manchen Momenten ziemlich gewollt, zugleich aber eben auch gekonnt. Es ist vor allem die stilechte und professionelle Umsetzung der einzelnen Songs, die dieser Produktion ihre besondere Qualität verleiht. Dass der Vermittlungsanspruch dabei nicht allzu penetrant rüberkommt, ist vor allem der Eigenständigkeit der Lieder zu verdanken. So haben Kinder am Ende des Hörspiels nicht nur einer überaus heiteren Geschichte und zahlreichen, höchst individuellen Songs gelauscht, sondern auch einen intensiven Crashkurs in Instrumentenlehre absolviert.


Wohnzimmerabenteuer – Tipp im November

Mit der Wiener Musikerin Kiri Rakete wird die Kindermusikwelt um eine sehr eigenwillige Künstlerin bereichert. Denn es bedarf schon einer sehr besonderen Gabe, sich den musikalischen Bedürfnissen der jüngsten Kinder verpflichtet zu fühlen und dabei so unerschrocken und glaubwürdig aufzuspielen. Die musikalische Arbeit von Kiri Rakete ist durchzogen von einer klaren pädagogischen Haltung, verzichtet aber darauf, pädagogischen Anspruch vermitteln zu wollen. Stattdessen steht bei ihr immer die Freude am Musizieren mit Kindern und für Kinder im Mittelpunkt. Bei all dem bringt sie genau das mit, woran es so vielen selbsternannten Kindermusiker:innen häufig mangelt: Künstlerische Überzeugungskraft. Um es mit ihren eigenen Worten auf den Punkt zu bringen: Pädagogisch wertvoll, aber unverstaubt!


Boom Schakkalakka – Tipp im Oktober

Endlich legt das rappende Nashorn DIKKA sein zweites Kindermusik-Album vor, auf dem es seine jungen Hörer:innen nach allen Regeln des Musikmarktes umgarnt. Der Herausforderung, gute Kinderlieder zu schreiben, begegnet der hinter der grauen Maskerade steckende Songwriter Sera Finale mit der gebotenen Sorgfalt und Professionalität. Viele kreative Wortspiele greifen kindliche Perspektiven klug auf, Bezüge zur Hip-Hop-Kultur der 90er-Jahre machen dabei vor allem den Eltern Freude. Auch dank vieler prominenter Gäste ist „Boom Schakkalakka“ von einer derart positiven, lebensbejahenden und stärkenden Tonalität durchzogen, dass es schlichtweg Freude bereitet. Unbedingt mal reinhören!


Muckemacher – Tipp im September

Pünktlich zum Schulstart haben die Muckemacher mit „Ring The School Bell“ einen neuen Song veröffentlicht, der exemplarisch in ihren Global-Sound einführt. Das Berliner Kindermusik-Duo vereint Balkanbeats, Calypso, Rocksteady, Hip-Hop, Cumbia, Dub, Gypsy und Swing, garniert mit einer absolut charakterstarken Stimme. Aus gutem Grund schreiben sich die Muckemacher den Anspruch „Musik für alle“ auf die Fahnen. Und tatsächlich: Professioneller, stilechter und mitreißender kann Musik für Kinder kaum klingen – wenn dabei nicht auch Mama oder Papa ins Schwärmen geraten, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen. Auf ihrem jüngsten Album „Biri Bababai“ (2019) präsentieren Verena Roth und Florian Erlbeck die ganze Bandbreite ihres Könnens.


Sandkastenrocker – Tipp im Juli/August

Mit einer Mixtur aus Punk, Rock, Crossover, Reggae und Country haben sich Randale einen Namen gemacht. Ihre Songs haben so gar nichts mit den Klischees und Vorurteilen zu tun, die sich noch immer sehr hartnäckig über die Gattung Kindermusik halten – ganz im Gegenteil. Selbst von Kolleg:innen aus der Szene wird die Band für ihr klares stilistisches Bekenntnis zum Teil kritisch beäugt. Wie weit darf Kindermusik gehen? Wo hört künstlerische Freiheit auf und wo fängt pädagogische Verantwortung an? Randale lieben es, auf diesem schmalen Grat zu wandeln. Seit 18 Jahren beweist die Bielefelder Band kreatives Potenzial, künstlerische Eigenständigkeit und krisensicheres Stehvermögen – und all diese Tugenden prägen auch ihr neues Album „Sandkastenrocker“.

Medienpädagoge und Kulturwissenschaftler Thomas Hartmann empfiehlt auf seinem Online-Portal „Mama lauter!“ regelmäßig gute Kindermusik.

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