Kolumne

Zur neuen Dekade

Frau Karli · 11.02.2020

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© Adobe Stock/BillionPhotos.com

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Oder: Die ewige Korrekturschleife ... aus dem Leben von Frau Karli

Ja, geneigte Leserschaft, Sie sehen richtig: Frau Karli wurde ein Facelift verpasst. Ob mit dem neuen Look & Feel nun etwa eine völlig neue Karli-Ära beginnt?! Aber nein. Auch wenn an der operativen Front des Lebens hin und wieder Anpassungen anstehen – im Wesen bleibe ich mir treu.

Aber was heißt das schon. Denn natürlich gibt es auch Phasen, in denen man doch tiefer greifende Veränderungen zulässt – und das ist auch richtig so. Insbesondere wenn die Familie wächst – von drei auf vier, wie in unserem Fall. Mein früheres Mama-Ich fand schon die bloße Vorstellung abstoßend, den Familienalltag möglichst effizient zu regeln und durchzutakten. Chaos, Freiheit von Zwängen und Impulsivität wurden von mir nicht nur verherrlicht, sondern als Persönlichkeitsrechte verteidigt. Heute fühle ich mich im Chaos überhaupt nicht mehr frei, sondern erdrückt, gestresst und dem Strom der Termine, Gegenstände, Menschen und Aufgaben ausgeliefert. Ohne feste Zeit- und Schutzräume, die auch noch nach außen und innen zu verteidigen sind, wäre ich an der Überlappung aller Dinge längst verzweifelt. Es ist doch so: Je flotter und unkomplizierter wir das Pflichtprogramm (Schule, Körperpflege und ja: Haushalt – mit vereinten Kräften!) hinter uns haben, desto mehr Zeit bleibt uns für das, was uns am Herzen liegt. Malen, Lesen, Filme, Kuscheln, Langmut!

So ist das Leben – eine ewige Korrekturschleife. Für mich, für Sie, für uns alle. Entwicklung bedeutet eben auch, laufend neu ausloten, was noch klug, okay und tragfähig ist und was nicht. Nein, das ist kein Newsfl ash, ich weiß. Im Angesicht der vor uns liegenden Dekade schadet es dennoch nicht, sich noch einmal bewusst zu machen, dass wir unseren Blick immerzu hinterfragen, weiten und erneuern müssen, nicht nur, um die Umwälzungen auf allen Ebenen zu erfassen, sondern auch, um neue Lösungen zu ermöglichen. Mit einer unveränderten, starren Haltung ist es grundsätzlich schwierig, all den kaum begreiflichen, irre beweglichen Phänomenen zu begegnen in einer Zeit, in der so viele Fixsterne erloschen sind und in der bislang bewährte Strukturen und Vorgehensweisen zerfallen und scheitern. Ich wünsche mir für uns und für unsere Kinder, dass Korrekturen größeren Kalibers nicht nur von oben nach unten gedacht und gerichtet werden oder von links nach rechts und umgekehrt. Sondern ganzheitlich reflektiert und mit möglichst viel Herz, Hirn und Anstand.

Herzlichst Ihre
Frau Karli


© John Krempl/photocase.com

Frau Karli lebt zusammen mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann, der zugleich ihre Jugendliebe ist, in freundlichen Verhältnissen irgendwo im Raum Köln. Sie beherrscht das gesamte Alphabet, hält herzlich wenig von medialer Freizügigkeit und kann alle Familienmitglieder am Duft ihrer Stirn erkennen.

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