Gesundheit

Vegan mit Kindern

Thea Wittmann · 27.10.2016

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Vegan – was heißt das eigentlich?

Wer vegan lebt, streicht nicht nur Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig vom Speiseplan. Er trägt auch weder Wolle noch Leder. Er besucht keine Zoos oder Tiershows, keinen Zirkus mit Tierdressur, keine Reiterhöfe. Er lehnt es ab, dass Tiere unwürdig leben, dass sie Menschen unterhalten oder ihnen Nahrung liefern. Er benutzt Kosmetik, die nicht in Tierversuchen getestet wurde und die keinerlei Zusätze tierischen Ursprungs enthält. „Veganer sind sehr kritische Konsumenten, die hohe Anforderungen an Produkte stellen“, so Stefanie Mauritz, Projektmanagerin der Messe veganfach, die im November in Köln stattfindet. „Viele Veganer legen zudem Wert auf Nachhaltigkeit und Bioqualität.“ Veganer Lifestyle betrifft also alle Bereiche – hier ein kleiner Einblick in die vegane Welt:

Kosmetik

Duschgels, Shampoos oder Cremes enthalten häufig Zusatzstoffe, die von Tieren stammen, etwa Bienenwachs, Propolis, Perlmutt. Das kommt Veganern nicht ins Badezimmer.

Schlafen

Auch die feinen Daunen in Kissen, Nackenrollen oder Bettdecken stammen vom Tier  - von Enten oder Gänsen. Veganes Bettzeug ist mir Naturfasern gefüllt.

Kleidung

Felle, Wolle, Seide und Leder – auch als Applikation – werden durch Baumwolle oder Kunstleder und Sojaseide ersetzt. So muss kein Schaf sein Haar für einen Schal, kein Tier seine Haut für schicke Schuhe lassen.

Wohnen

In vielen Klebstoffen sind tierische Materialien enthalten. Holzleim kann zum Beispiel Knochenanteile enthalten. Auch die Etiketten auf Flaschen und Gläsern sind mit Klebstoffen befestigt, häufig dient Kasein, also Milcheiweiß, als Kleber. Alternativen gibt es auf Basis von Reis- oder Kartoffelstärke.

Aufbewahrung

Da Veganer nicht überall bedenkenlos essen können, bereiten sich viele Zuhause ihr Mittagessen oder einen Snack zu und nehmen ihn mit. Das lässt die Nachfrage nach nachhaltig produzierten, schadstofffreien Lunchboxen steigen.

Urlaub

Vegan Urlaub machen? Auch das ist möglich – wenn auch selten. In Köln bietet beispielsweise das Excelsior als einziges Hotel ein veganes Frühstück an.

Getränke

Säfte und Smoothies stehen als Vitaminlieferanten hoch im Kurs, die Sorten klingen verlockend exotisch. Und selbst von Gaffel gibt’s etwas Veganes – ohne Alkohol, aber mit viel Koffein: Cascara, ein Erfrischungsgetränk aus Kaffeekirschen-Schalen.

Vegane Ernährung: contra

„Bei einer veganen Ernährung ist eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich“, heißt es im aktuellen Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) zur veganen Ernährung. Der kritischste Nährstoff ist Vitamin B12 – er muss dauerhaft in Form von Vitamin-B12-Präparaten eingenommen werden. Auch die Versorgung mit Protein bzw. unentbehrlichen Aminosäuren und langkettigen n3-Fettsäuren sowie Riboflavin, Vitamin D und Mineralstoffen wie Calcium, Eisen, Jod, Zink und Selen stuft die DGE als potenziell kritisch ein.

Wer sich dennoch vegan ernähren möchte, sollte darauf achten, diese Nährstoffe in ausreichender Menge zu sich zu nehmen, gegebenenfalls durch angereicherte Lebensmittel und Nährstoffpräparate. Außerdem rät die DGE, sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft beraten zu lassen und die Versorgung mit Nährstoffen regelmäßig vom Arzt überprüfen zu lassen.

„Die Datenlage zur veganen Ernährung ist rar. Es gibt nur wenige Studien, die deren ernährungsphysiologische Qualität untersuchen und mit anderen Ernährungsformen vergleichen. Es fehlen insbesondere aktuelle aussagekräftige Studien für Personen in sensiblen Lebensphasen aus Deutschland“, sagt Diplom-Oecotrophologin Silke Restemeyer. Deshalb konnte die DGE in ihrer Position nicht zu „neuen“ Schlussfolgerungen kommen. Allerdings – und das ist neu – gibt die Gesellschaft Veganern auf Basis der vorliegenden Studien entsprechende Tipps, wie sie eine vegane Ernährung umsetzen können, ohne einen Nährstoffmangel zu riskieren. „Das gab es in dieser umfassenden Form bislang nicht von der DGE und wurde von vielen Veganern gewünscht und auch positiv bewertet“, so Restemeyer.

Vegane Ernährung: pro

„Wer sich mit dem Thema Ernährung beschäftigt, kann sich und sein Kind umfassend versorgen, ohne dabei Tierleid zu verursachen“, sagt Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Felicitas Kitali von der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. Die Ernährung darf sehr wohl vegan, muss aber gleichzeitig ausgewogen und vollwertig sein und das Vitamin B12 ersetzen. Eine gut geplante rein pflanzliche Ernährung kann – verglichen mit der durchschnittlichen Ernährung in Deutschland – sogar Vorteile mit sich bringen, da sich gesunde Ernährungsgewohnheiten so schon in der Kindheit festigen und das Risiko für ernährungsmitbedingte Erkrankungen vermutlich gesenkt wird.

Eltern sollten aus dem vollen, saisonalen Angebot an pflanzlichen, möglichst vollwertigen Lebensmitteln schöpfen und dabei vor allem bei Kleinkindern auf eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr achten sowie die Zufuhr bestimmter Vitamine und Mineralstoffe im Blick haben – wie es bei jeder Ernährungsform der Fall sein sollte.

Wiebke Unger vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU): Eine ausgewogene und vielfältige vegane Ernährung ist für alle Lebensphasen geeignet und versorgt den Körper mit allen nötigen Nährstoffen und mit annähernd allen Vitaminen. Über angereicherte Nahrungsmittel und eine Vitamin-B12-Zahncreme ist die ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 gewährleistet. Vegan lebende Menschen sind sehr gut über ihre Nährstoffversorgung informiert. Sie wissen, welche pflanzlichen Nahrungsmittel ihnen die nötigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe liefern.

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