Gesundheit

Übergewicht bei Kindern

Thea Wittmann · 03.12.2015

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©iStockPhoto.com/energyy

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Hilde Schmitz-Krahm von der Koordinationsstelle Gesundheitsförderung und Prävention der Stadt Köln verrät im Interview mit KÄNGURU, wie Eltern Übergewicht bei Kinder vorbeugen.

KÄNGURU: Frau Schmitz-Krahm, wann wird das Gewicht für ein Kind zum Problem?

Hilde Schmitz-Krahm: Ein Kind, das viel Sport treibt, darf auch ruhig mal ein Kilo zu viel wiegen. Bei einem Kind, dass es sich lieber auf dem Sofa gemütlich macht, liest, bastelt und sich generell wenig bewegt, sieht das schon anders aus.

Studien beklagen immer wieder, dass viele Kinder zu dick sind. Ist das wirklich so?

Bei den Schuleingangsuntersuchungen 2012 waren 6,6 Prozent der knapp 8.700 eingeschulten Kinder übergewichtig und 5,4 Prozent adipös. Zwei Jahre später waren 6,3 Prozent der 9.503 Erstklässler übergewichtig und 4,2 Prozent adipös. Das zeigt, dass starkes Übergewicht bei Erstklässlern stagniert bzw. leicht zurückgeht, und das ist ein positives Zeichen. Dennoch bleibt das Problem bestehen, dass viele Kinder schon in sehr jungen Jahren stark übergewichtig sind. Und Gewichtsprobleme entstehen häufig erst im Laufe der Schulzeit, doch nach der Einschulung fehlen aussagekräftige Daten. Programme zum Abnehmen gibt es jede Menge, Jahresprogramme, Sport- und Kochkurse, Beratung – doch die Familien nehmen die zu wenig in Anspruch.

Woran liegt das?

Die Programme zielen auf eine Veränderung der Lebensführung ab. Und es ist unangenehm, seine Gewohnheiten zu ändern. Das schiebt man gern vor sich her. Außerdem erfordern die Programme nicht nur Mitarbeit, sondern auch Zeitaufwand und sie bedeuten einen zusätzlichen festen Termin in dem ohnehin vollen Terminplan.

Was macht Veränderung gerade bei den Essgewohnheiten so schwer?

Essen und Trinken bedeutet nicht nur Sattwerden. Oft dient Essen auch einem anderen Zweck, es lenkt zum Beispiel von unangenehmen Dingen wie dem Vokabellernen oder Aufräumen ab. Gefühle wie Liebeskummer, Frust, Stress lassen sich mit Essen verdrängen. Manche Kinder fressen sich regelrecht einen Schutzpanzer an. Das zu verändern, geht nicht von heute auf morgen.

Wie kann man gegensteuern? Was können Eltern tun?

Einfache Maßnahmen bringen schon sehr viel, zum Beispiel zuckerhaltige Getränke weglassen, Milch als Nahrungsmittel betrachten, nicht als Getränk. Mehr Obst und Gemüse in den Speiseplan einbauen. Süßigkeiten strikt zu verbieten bewirkt nur das Gegenteil und führt dazu, dass Kinder heimlich essen. Je mehr Kontr-olle Eltern auf das Essen und Trinken ausüben, desto eher besteht die Gefahr, dass Kinder eine Essstörung entwickeln. Auch Diäten sind für Kinder ungeeignet. Wichtig sind die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt als regelmäßige Kontrolle, denn er hat sowohl das Kind als auch die Familie im Blick.

Vielen Dank für das Gespräch.

Koordinationsstelle Gesundheitsförderung und Prävention der Stadt Köln

Was kann ich tun? Wo finde ich Hilfe in meiner Nähe? Welche Programme gibt es? Ansprechpartnerin für diese und ähnliche Fragen ist Hilde Schmitz-Krahm von der Koordinationsstelle Gesundheitsförderung und Prävention am Gesundheitsamt Köln.
Neumarkt 15–21, 50667 Köln
Tel. 0221 – 221-2 40 53

Service

myBMI4kids
Ist mein Kind zu dick? Das lässt sich ganz einfach ausrechnen auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

Auch die Krankenkassen helfen weiter und nennen Adressen und Angebote in der Nähe. Viele haben eigene spezielle Programme für übergewichtige Kinder, etwa „SAFARIKIDS“ von der DAK oder „Power Kids“ von der AOK. Infos gibt es in der örtlichen Geschäftsstelle, auch Vorsorgekurse an Volkshochschulen,
von Sportvereinen oder Fitnesscentern werden oft von den Krankenkassen gefördert. Nachfragen lohnt sich.

KölnerPowerPänz
Ein einjähriges ambulantes Programm des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße für übergewichtige Kinder von acht bis zwölf Jahren und ihre Eltern. Kinder erhalten zweimal pro Woche Sportstunden, Ernährungsberatung und Verhaltenstraining und werden durch einen Kinderarzt medizinisch betreut. Die Eltern sind einmal wöchentlich mit im Boot. Zusätzlich finden Familiengespräche, Kochnachmittage, Elternabende statt.

Adipositas-Ambulanz
Amsterdamer Str. 59, 50735 Köln
Dr. J. Mirza, Tel. 0221 – 89 07-155 22

Ev. Familienbildungsstätte FBS
Heike-Marie Diefenthal
Kartäuserwall 24 b, 50678 Köln
Tel. 0221 – 47 44 55-0/-16

DURCH DICK UND DÜNN
Einjährige ambulante Adipositasschulungen der Universitätskinderklinik Bonn: Das Programm steht auf den Säulen Ernährung, Sport, Psychologie, Medizin und wird durch aktive Beteiligung der Eltern unterstützt. Die Schulungsgruppen für Kinder von 8-12 und 13-16 Jahren starten jährlich nach den Sommerferien. Die Anmeldungen und Voruntersuchungen finden im Jahr fortlaufend statt.
info@adipositas-uni-bonn.de
Tel. 0151 - 58 23 36 54

CHILT
Ein Familienprogramm der Sporthochschule Köln für stark übergewichtige Kinder zwischen acht und 16 Jahren, das Ernährung, Bewegung und psychologische Betreuung beinhaltet: zwei Termine pro Woche, zwölf Monate lang. Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung.

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft/CHILT
Fernanda Maisonave
Am Sportpark Müngersdorf 6, 50933 Köln
Tel. 0221 – 49 82 52 90

Beratung bieten zahlreiche niedergelassene Ernährungsberater an. Eine nach Postleitzahlen sortierte Übersicht über DGE-zertifizierte Beraterinnen bietet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eV.

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