Gesundheit

Übergewicht bei Kindern

Thea Wittmann/Beate Skowron · 27.08.2018

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©iStockPhoto.com/energyy

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Hilde Schmitz-Krahm von der Koordinationsstelle Gesundheitsförderung und Prävention der Stadt Köln verrät im Interview mit KÄNGURU, wie Eltern Übergewicht bei Kinder vorbeugen.

KÄNGURU: Frau Schmitz-Krahm, wann wird das Gewicht für ein Kind zum Problem?

Hilde Schmitz-Krahm: Ein Kind, das viel Sport treibt, darf auch ruhig mal ein Kilo zu viel wiegen. Bei einem Kind, dass es sich lieber auf dem Sofa gemütlich macht, liest, bastelt und sich generell wenig bewegt, sieht das schon anders aus.

Studien beklagen immer wieder, dass viele Kinder zu dick sind. Ist das wirklich so?

Bei den Schuleingangsuntersuchungen 2012 waren 6,6 Prozent der knapp 8.700 eingeschulten Kinder übergewichtig und 5,4 Prozent adipös. Zwei Jahre später waren 6,3 Prozent der 9.503 Erstklässler übergewichtig und 4,2 Prozent adipös. Das zeigt, dass starkes Übergewicht bei Erstklässlern stagniert bzw. leicht zurückgeht, und das ist ein positives Zeichen. Dennoch bleibt das Problem bestehen, dass viele Kinder schon in sehr jungen Jahren stark übergewichtig sind. Und Gewichtsprobleme entstehen häufig erst im Laufe der Schulzeit, doch nach der Einschulung fehlen aussagekräftige Daten. Programme zum Abnehmen gibt es jede Menge, Jahresprogramme, Sport- und Kochkurse, Beratung – doch die Familien nehmen die zu wenig in Anspruch.

Woran liegt das?

Die Programme zielen auf eine Veränderung der Lebensführung ab. Und es ist unangenehm, seine Gewohnheiten zu ändern. Das schiebt man gern vor sich her. Außerdem erfordern die Programme nicht nur Mitarbeit, sondern auch Zeitaufwand und sie bedeuten einen zusätzlichen festen Termin in dem ohnehin vollen Terminplan.

Was macht Veränderung gerade bei den Essgewohnheiten so schwer?

Essen und Trinken bedeutet nicht nur Sattwerden. Oft dient Essen auch einem anderen Zweck, es lenkt zum Beispiel von unangenehmen Dingen wie dem Vokabellernen oder Aufräumen ab. Gefühle wie Liebeskummer, Frust, Stress lassen sich mit Essen verdrängen. Manche Kinder fressen sich regelrecht einen Schutzpanzer an. Das zu verändern, geht nicht von heute auf morgen.

Wie kann man gegensteuern? Was können Eltern tun?

Einfache Maßnahmen bringen schon sehr viel, zum Beispiel zuckerhaltige Getränke weglassen, Milch als Nahrungsmittel betrachten, nicht als Getränk. Mehr Obst und Gemüse in den Speiseplan einbauen. Süßigkeiten strikt zu verbieten bewirkt nur das Gegenteil und führt dazu, dass Kinder heimlich essen. Je mehr Kontr-olle Eltern auf das Essen und Trinken ausüben, desto eher besteht die Gefahr, dass Kinder eine Essstörung entwickeln. Auch Diäten sind für Kinder ungeeignet. Wichtig sind die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt als regelmäßige Kontrolle, denn er hat sowohl das Kind als auch die Familie im Blick.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gesundheitsförderung und Prävention für Kinder und Jugendliche

Habt ihr Fragen zum Einkauf oder zu den Essgewohnheiten eurer Kinder? Ihr möchtet etwas verändern oder braucht eine Beratung? Die Ernährungsmedizinische Beraterin des Gesundheitsamtes bietet praktische Tipps und Informationen an.

Gesundheitsamt Köln
Neumarkt 15–21, 50667 Köln
0 221 – 240 18 und – 265 91

Hilfsangebote

myBMI4kids
Ist mein Kind zu dick? Das lässt sich ganz einfach ausrechnen auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter.

Auch die Krankenkassen helfen weiter und nennen Adressen und Angebote in der Nähe. Viele haben eigene spezielle Programme für übergewichtige Kinder, etwa „SAFARIKIDS“ von der DAK oder „Power Kids“ von der AOK. Infos gibt es in der örtlichen Geschäftsstelle, auch Vorsorgekurse an Volkshochschulen,
von Sportvereinen oder Fitnesscentern werden oft von den Krankenkassen gefördert. Nachfragen lohnt sich.

KölnerPowerPänz
Das einjährige ambulante Programm des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße richtet sich an übergewichtige Kinder von acht bis zwölf Jahren und ihre Eltern. Kinder erhalten zweimal pro Woche Sportstunden, Ernährungsberatung und Verhaltenstraining und werden durch einen Kinderarzt medizinisch betreut. Die Eltern sind einmal wöchentlich mit im Boot. Zusätzlich finden Familiengespräche, Kochnachmittage und Elternabende statt.

Adipositas-Ambulanz
Amsterdamer Str. 59, 50735 Köln
Tel. 0221 – 8907 – 52 00

Ev. Familienbildungsstätte FBS
Kartäuserwall 24 b, 50678 Köln
Tel. 0221 – 47 44 55-0/-16

DURCH DICK UND DÜNN
Einjährige ambulante Adipositasschulungen der Universitätskinderklinik Bonn: Das Programm steht auf den Säulen Ernährung, Sport, Psychologie, Medizin und wird durch aktive Beteiligung der Eltern unterstützt. Es findet über 12 Monate während der Schulzeit statt. Die Schulungsgruppen sind in zwei Altersgruppen unterteilt: 8-12 und 13-16 Jahren.
info@adipositas-uni-bonn.de
Tel. 0151 – 58 23 36 54

CHILT
Ein Familienprogramm der Sporthochschule Köln für stark übergewichtige Kinder zwischen acht und 16 Jahren. Es beinhaltet Ernährung, Bewegung und psychologische Betreuung in zwei Terminen pro Woche, zwölf Monate lang. Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung.

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft/CHILT
Fernanda Maisonave
Am Sportpark Müngersdorf 6, 50933 Köln
Tel. 0221 – 49 82 52 90

Ambulante Medizinisch-Lebenswelt orientierte Rehabilitation (AMLOR) in der Kinderklinik der Uni Köln
Das neue ambulante Reha-Konzept bietet ambulante Behandlungen für übergewichtige Kinder an. Ziel ist es, die Behandlung in den Familienalltag zu integrieren. Über sechs Monate werden wöchentlich wechselnde Therapiephasen am Nachmittag angeboten. Das Trainingsprogramm soll nach Anleitung zu Hause fortgeführt werden.

Anmeldung und Erstkontakt:
Adipositassprechstunde
Terminvereinbarung
 Montag bis Freitag 8.00 – 12.00 Uhr
Tel. 0221 – 47 88 47 47

Weitere Infos

BZgA Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Hilfreiche Tipps, Anregungen und Fakten rund um das Thema Übergewicht bei Kindern. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt auf, wie neue, gesunde Gewohnheiten aufgebaut werden können. Für mehr Wohlbefinden und Gesundheit in der Familie.

Gesund und lecker kochen für die ganze Familie
Die AOK gibt wertvolle Tipps für ein bewusstes Einkaufen und wie ihr es schafft, mehr selber zu kochen. Auch Kinder mögen gern mithelfen beim Schnippeln und Rühren.

Buchtipp: Mit Kindern essen
Was tun, wenn Kinder immer nur Pommes oder Nudeln mit Soße essen möchten? Ein Ratgeber der Verbraucherzentrale informiert, wie Eltern Einfluss nehmen können auf das Essverhalten ihrer Kleinen. Mit rund 120 vegetarischen Familienrezepten.

Wie animiert man Sportverweigerer?
Nicht jeder mag das gleiche. Um Kinder vom Sofa zu locken, ist der erste Schritt, herauszufinden, welche Art der Bewegung ihnen Freude bereitet.

Beratung bieten zahlreiche niedergelassene Ernährungsberater an. Eine nach Postleitzahlen sortierte Übersicht über DGE-zertifizierte Beraterinnen bietet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eV.

 

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