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Familienleben

Noch ein Baby: Wir bekommen ein Geschwisterchen

Svenja Kretschmer/Janina Mogendorf/Golrokh Esmaili · 01.09.2023

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Eine Beziehung fürs ganze Leben: Geschwister. © LIGHTFIELD STUDIOS/Adobe Stock

Eine Beziehung fürs ganze Leben: Geschwister. © LIGHTFIELD STUDIOS/Adobe Stock

Drei plus eins gleich vier – hört sich manchmal einfacher an als es ist. Zum Beispiel, wenn ein Geschwisterchen sich ankündigt. Umsorgte Einzelkinder kann es ganz schön durcheinanderbringen, wenn sie ihre Eltern plötzlich teilen müssen.


Geschwister als Team – Interview mit Nicola Schmidt


© Diptica.com und Kösel Verlag

Nicola Schmidt ist zweifache Mutter, Bestseller-Autorin, sowie Gründerin und Geschäftsführerin des artgerecht-Projektes. KÄNGURU-Autorin Svenja Kretschmer spricht mit ihr über Kleinkinder, die zu großen Geschwistern werden.

Was könnt ihr als Eltern tun, um eine gute Geschwisterverbindung zu fördern?

KÄNGURU: In Ihrem Buch „Geschwister als Team” geht es nicht um Erziehung, sondern um Bindung. Was ist der Unterschied in der Herangehensweise?

Nicola Schmidt: Der Unterschied besteht darin, dass wir bei der bindungsorientierten Herangehensweise nicht die Regeln in den Vordergrund setzen, sondern die Verbindung zu unseren Kindern. Viele Leute missverstehen das als eine Erziehung, in der es gar keine Regeln gibt. Das ist natürlich nicht korrekt. Vielmehr gehen wir feinfühlig auf die Kinder ein und schauen, wie es ihnen geht, was sie gerade lernen sollen oder können und wie sie das am besten lernen.

Was können Eltern schon in der Schwangerschaft für die Geschwisterbindung tun?

Wir können die neue Situation aus Sicht des Kindes erklären: „Du wirst jetzt großer Bruder oder große Schwester.“ Wir sollten außerdem dem Baby so früh wie möglich schon in der Schwangerschaft einen Namen geben, damit es als Person wahrgenommen werden kann. Geschwister streiten seit Jahrtausenden um lebenswichtige Ressourcen und wenn wir die Not unserer großen Kinder anerkennen, müssen sie nicht in sinnlose Eifersucht gehen.

Was ist die eine Sache, die Eltern beachten sollten?

Eltern sollten immer darauf achten, dass es nicht unbedingt das kleinste Kind ist, was in Not ist, sondern oft die größeren Kinder sehr viel mehr in Not sind als die Kleinen. In den ersten 3 Jahren freuen sich viele Kinder auf ihr Geschwisterchen und finden die Babys auch noch recht süß. Spätestens wenn sie anfangen zu krabbeln und ihre Legobauten zu zerstören, sind sie nicht mehr ganz so süß. Dann ist es wichtig, dass wir unserem großen Kind sichere Räume bieten, damit es nicht ständig zu Konflikten kommt. Wenn das jüngste Kind etwa 2-3 Jahre alt ist, ist es in der Lage, mit anderen wirklich zu spielen, spätestens dann ergeben sich wieder die schönsten Situationen.

Können Sie ein Beispiel geben, wie Eltern von einem Kleinkind und einem Baby mit Konfliktsituationen umgehen können?

Der Klassiker ist ja ein großes Geschwister, dass sein Baby-Geschwister zu sehr umarmt oder drückt und ihm dabei weh tut. Oft machen wir uns Sorgen, dass das Baby verletzt wird und weisen das große Kind zurecht - vielleicht nicht beim ersten Mal, aber wenn das immer wieder vorkommt, tun es viele Eltern doch. Wir können stattdessen hinter das Verhalten schauen - oft ist das vermeintlich große Kind ja selbst noch unter 3 und kann gar nicht empathisch abschätzen, was so ein Baby aushalten kann und was nicht. Gleichzeitig sind Babys oft viel robuster als wir denken. Wir können also unserem großen Kind zeigen, wie es seine Zuneigung ausdrücken kann, ohne dass wir in Stress geraten und gleichzeitig dem Baby vertrauen, dass es ein bisschen Liebe schon aushalten kann.

Sie sprechen viel von falschen Erwartungen. Warum können diese so hinderlich sein, wenn es um Geschwisterbindung geht?

Falsche Erwartungen sind im ganzen Leben ein Problem. Wir haben oft ein sehr idealisiertes Bild von Liebe, Familie oder eben Geschwistern. Wenn diese Erwartungen enttäuscht werden und wir herausfinden, dass wir uns getäuscht haben und wie hart die Wirklichkeit wirklich ist, fallen wir noch viel tiefer, als wenn wir uns von vornherein darüber klar gewesen wären, was auf uns zukommt. Dazu kommen falsche Informationen, die wir von überall bekommen: „Bekommt die Kinder möglichst nah aufeinander, dann können sie schön miteinander spielen!“ oder „Geschwister haben sich immer lieb“ oder „Die Geschwister anderer Leute streiten nie!“ All das setzt uns unter Druck und Druck ist das letzte, was wir als Eltern brauchen

Warum ist es lohnenswert, sich die Zeit zu nehmen und an einer guten Geschwisterbindung zu arbeiten?

Wenn wir eines Tages nicht mehr sind, sind die Geschwister unserer Kinder ihre nächsten Verwandten. Wir wissen aus Studien, dass Menschen mit guten Geschwisterbeziehungen im Alter besser zurechtkommen. Meinen Kindern eine gute Basis zu geben, die sie trägt, wenn ich schon lange nicht mehr da bin - für mich war es all die Stunden wert, die ich auf dem Boden gesessen und zwischen zwei Streithähnen vermittelt habe.


Erfahrungberichte – Zwei Familien erzählen


Eine neue Rolle für Kinder: Große Schwester oder großer Bruder. © LIGHTFIELD STUDIOS/Adobe Stock

KÄNGURU-Autorin Janina Mogendorf hat sich mit zwei Familien über ihre Erfahrungen mit werdenden Geschwisterkindern unterhalten (22.09.2020).

Auch wenn Kinder sich auf den Familienzuwachs freuen, haben viele mit Verlustängsten und Eifersucht zu kämpfen. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, werdende Geschwister sanft auf ihre neue Rolle vorzubereiten, sie zu stärken und so einen wichtigen Grundstein für eine gute Geschwisterbeziehung zu legen. Paulina Ehrhardt und Meike Stümper berichten von ihren Erfahrungen.

„Wir wussten, dass die Umstellung für Malina nicht leicht sein würde, schließlich hatte sie jahrelang im Mittelpunkt gestanden.“

Als Paulina mit Aletta schwanger wird, ist Malina zwei Jahre alt. Von Anfang an hatte sie viel Aufmerksamkeit ihrer Eltern gefordert und sie auch bekommen. „Malina war ein Schreibaby und die ersten Monate waren recht anstrengend. Deshalb haben wir lange überlegt, ob wir überhaupt ein zweites Kind bekommen wollen“, erzählt Paulina. Da sie und ihr Mann Michael jedoch beide mit Geschwistern aufgewachsen sind, entschieden sie sich doch dafür. Ein wenig Bauchgrummeln aber blieb. „Wir wussten, dass die Umstellung für Malina nicht leicht sein würde, schließlich hatte sie jahrelang im Mittelpunkt gestanden.“

So entschloss sich das Paar, die Tochter besonders gut auf die neue Familienkonstellation vorzubereiten. „Ich hatte Malina schon immer viel vorgelesen und Bücher mit ihr geschaut“, sagt Paulina. Deshalb beginnt sie gleich nach passenden Kinderbüchern rund um Schwangerschaft, Geburt und die Babyphase zu suchen. „Während der Schwangerschaft habe ich mit Malina „Wer wohnt denn da in Mamas Bauch“ gelesen. So konnten wir Monat für Monat gemeinsam verfolgen, wie das Baby sich entwickelt und Malina bekam ein Gefühl dafür, was in meinem Bauch passiert.“ Mutter und Tochter kuscheln viel und Malina freut sich, wenn sie ihre Schwester in Mamas Bauch spüren kann.

„Ich wollte Malina ganz bewusst ein realistisches Bild vermitteln und keine schöngefärbten Märchen vorlesen.“

Als es auf den neunten Monat zugeht, leiht Paulina neue Bücher aus: Jetzt geht es um das Thema Schwester werden. „Das waren Geschichten mit allen Höhen und Tiefen, denn ich wollte Malina ganz bewusst ein realistisches Bild vermitteln und keine schöngefärbten Märchen vorlesen.“ In den Büchern, die sie dann gemeinsam anschauen, geht es auch um Probleme, wie Eifersucht, darum, dass ein Baby viel schreit und die Eltern weniger Zeit haben. Die Geschichten machen aber auch Mut und zeigen, wie schön es sein kann, Geschwister zu haben.

Um Kinder auf die Geburt des Geschwisterchens und die erste Phase vorzubereiten, bieten viele Geburtskliniken, Hebammenpraxen und Familienbildungsstätten Kurse an. An jüngere Kinder richten sich Eltern-Kind-Kurse. Die gemeinsame Vorbereitung auf das neue Familienmitglied stärkt den Zusammenhalt. Für Kinder ab drei Jahren und älter bieten sich auch reine Kinderkurse an, in denen werdende Geschwister in vertrauensvoller Atmosphäre offen über Sorgen und Ängste sprechen können, ohne Rücksicht auf ihre Eltern nehmen zu müssen. Eine gute Kombination, die beides bietet, sind Kinderkurse mit Elternnachmittagen.

Das Ziel solcher Geschwisterkurse ist, die Kinder mit den Themen Schwangerschaft und Geburt vertraut zu machen und ihnen mögliche Unsicherheiten zu nehmen. Es geht darum, die Kinder zu stärken, damit sie mit Gefühlen wie Eifersucht und Neid besser umgehen lernen. Die Kinder bereiten sich auf ihre neue Rolle in der Familie vor. Sie entwickeln ein Verständnis dafür, wie und warum sich das Familienleben nach der Geburt verändern wird.

Alle Inhalte der Geschwisterkurse werden kindgerecht und spielerisch vermittelt. Die Kinder besuchen gemeinsam einen Kreissaal, üben an Puppen die Babypflege und erfahren, wie sie später selbst aktiv mithelfen können - etwa beim Baden, Wickeln, Füttern oder Beruhigen. Dabei werden auch viele Fragen der Kinder beantwortet und sie erfahren, was so ein Baby alles kann und wie es sich entwickelt, wenn es auf der Welt ist. Manche Kurse bieten auch an, Mamas Babybauch zu bemalen oder ein Geschenk für das neue Geschwisterchen zu basteln.

„Sie war ganz stolz und hat sich gefreut.“

Auch Malina bringt ihrer kleinen Schwester Aletta nach der Geburt ein Kuscheltier als Geschenk ins Krankenhaus. Die nächtliche Entbindung hat die gerade Dreijährige zu Hause verschlafen, während ihre Tante auf sie aufpasste. „Morgens war Aletta dann schon da und so konnte Malina uns gleich im Krankenhaus besuchen“, erinnert sich Paulina an die erste Begegnung ihrer Kinder.

„Mir war es wichtig, dass ich Aletta nicht auf dem Arm habe, wenn Malina ins Krankenzimmer kommt. Deshalb habe ich meinen Mann gebeten, kurz anzukündigen, wenn sie da ist“, erzählt Paulina. In einem Ratgeber hatte sie gelesen, dass Geschwister Eifersucht verspüren, wenn das Baby bei der ersten Begegnung gerade an der Brust trinkt oder mit ihrer Mama kuschelt. So aber lag Aletta neben Paulina und Malina konnte sie gleich auf den Arm nehmen und sich versichern, dass sie als große Schwester eine wichtige Rolle einnimmt. „Sie war ganz stolz und hat sich gefreut.“

Auch zu Hause im Wochenbett überlassen Michael und Paulina wenig dem Zufall. „Micha hatte extra unbezahlten Urlaub genommen, um sich in der Anfangszeit um Malina kümmern zu können und das hat uns allen gutgetan.“ Vormittags geht die Große in den Kindergarten und ihr Vater hat Zeit zu kochen und sich um Paulina und Aletta zu kümmern. Nachmittags sind Vater und Tochter oft unterwegs. „Sie haben wirklich viel unternommen in dieser Zeit und so war die erste Umstellung für Malina gar nicht so groß.“ Die Familie gleitet sanft in ein Leben zu Viert hinein.

„Geholfen hat sicherlich auch, dass Aletta von Anfang an ein sehr entspanntes Baby war und kaum geschrien hat. Hätten wir das gewusst, dann hätten wir mit dem Zweiten vielleicht nicht so lange gewartet“, lacht Paulina. Beim Stillen nimmt sie in diesen ersten Wochen gerne auch Malina in den Arm. „Sie wollte dabei sein und so konnte ich beiden Mädchen meine Nähe geben.“ Auch helfen darf die Dreijährige schon. „Wenn ich duschen gegangen bin, dann habe ich Aletta so hingelegt, dass nichts passieren konnte, und Malina gebeten, kurz auf sie aufzupassen.“

„Malina war stolz, dass ich ihr so vertraut habe."

Der großen Schwester ist es eine Ehre. „Malina war stolz, dass ich ihr so vertraut habe und sie eine Zeit lang mit ihrer Schwester alleine sein durfte. Und die Kleine fand es auch schön, mit ihrer Schwester zu kuscheln.“ Irgendwann kommt Malina von selbst auf die Idee, ihre Bilderbücher zu holen und Aletta Geschichten daraus nachzuerzählen. „Das waren schöne, entspannte Momente.“ Tatsächlich fördert es die Geschwisterbeziehung, den Großen passend zum Alter ein wenig Verantwortung zu übertragen. Und auch das Verhältnis zwischen Eltern und älterem Kind wird auf diese Weise gestärkt.

So erlebte es auch Meike mit ihrer großen Tochter Iliana. „Illi war schon acht Jahre alt, als Jonas auf die Welt kam. Sie war von Anfang an hin und weg, denn sie hatte sich lange Zeit ein Geschwisterchen gewünscht“, erzählt sie. Schon während der Schwangerschaft bindet Meike ihre Große aktiv mit ein, nimmt sie sogar mit zum Ultraschall in die Frauenarztpraxis. Iliana kümmert sich liebevoll um ihre Mutter, cremt ihr den Bauch ein und hat auch Verständnis, als Meike in der Hochphase der Schwangerschaft nicht mehr so beweglich ist.

„Sie hat den Kleinen am ersten Tag drei Stunden im Arm gehalten und wollte ihn gar nicht mehr hergeben“

„Uns war es wichtig, Iliana als vollwertiges Familienmitglied zu behandeln und sie zu beteiligen“, sagt Meike. Als klar ist, dass es ein Junge wird darf die große Schwester auch bei der Namensfindung helfen. „Sie hat einige Vorschläge gemacht, aber auch Namen ausgeschlossen, wenn sie Jungs kannte, die so hießen und die sie nicht mochte“, schmunzelt Meike. Am Ende einigt sich die Familie auf den Namen Jonas und mit dieser Wahl können alle gut leben.

Als Iliana Jonas im Krankenhaus zum ersten Mal sieht, ist es gleich Liebe auf den ersten Blick. „Sie hat den Kleinen am ersten Tag drei Stunden im Arm gehalten und wollte ihn gar nicht mehr hergeben“, erinnert sich Meike. Das tolle Verhältnis zwischen den Geschwistern besteht auch zwei Jahre später noch. Nur ganz selten hat Iliana mal einen Anflug von Eifersucht und dann bemühen sich ihre Eltern schnell darauf zu reagieren. „Einmal hat Iliana zu mir gesagt: ‚Mama, wir müssen aber auch mal wieder zusammen shoppen gehen.‘ Da haben wir den Mutter-Tochter-Samstag eingeführt.“

Von Anfang an hilft Iliana viel mit, wenn es um die Pflege und die Betreuung ihres Bruders geht. Sie füttert und wickelt ihn, unterstützt beim Baden und beim Anziehen. „Und wenn ihm zu Beginn mal der Schnuller runtergefallen und ich gerade keine Hand frei hatte, ist sie gleich gesprungen, damit ich mich nicht bücken musste.“ Durch den großen Altersunterschied kommen sich Jonas und Iliana auch beim Spielen nicht ins Gehege. Im Gegenteil: „Illi freut sich, ihr altes Spielzeug an Jonas abgeben zu können.“

Das sieht bei Malina und Aletta ein wenig anders aus. „Die Kleine ist jetzt zwei und in der Trotzphase angekommen“, erzählt Paulina. „Und die Große ist jetzt fünf und möchte manchmal einfach in Ruhe spielen, vor allem wenn sie Freunde zu Besuch hat.“ Da sich die Schwestern ein Zimmer teilen, gibt es zuweilen schon mal Stress. Ihre Eltern versuchen, das gelassen zu sehen. „So was gehört zum Geschwisterleben dazu und wir versuchen, uns möglichst rauszuhalten, damit sie ihre Konflikte alleine klären können. Nur wenn es sehr wild oder ungerecht zugeht, greifen wir ein.“

„Man neigt dazu, immer an die Vernunft der Großen zu appellieren.“

Das Schöne an einer Geschwisterbeziehung ist: Man lernt sich im geschützten Raum der Familie auseinanderzusetzen, sich durchzusetzen und auch schon mal den Kürzeren zu ziehen. „Unter Freunden im Kindergarten ist das nicht so einfach“, sagt Paulina. Sie achtet zu Hause sehr darauf, sich nicht automatisch auf die Seite der Jüngeren zu stellen. „Man neigt dazu, immer an die Vernunft der Großen zu appellieren.“ Das sei aber auch nicht immer fair, denn so gebe man den kleinen Geschwistern auf Dauer zu viel Raum. Und so darf Malina ihrer kleinen Schwester auch mal etwas verbieten - oder sich über sie ärgern.

„Sehr entnervt war Malina einmal, als Aletta krank war und nur quengelte und schrie. Sie sagte dann irgendwann, sie wolle keine Schwester mehr, das sei viel zu anstrengend“, erinnert sich Paulina, die ihrer Großen damals bewusst zustimmt. „Ich habe gesagt: ‚Ja du hast recht, es ist gerade wirklich anstrengend, aber als du klein warst, warst du auch krank und es kommen auch wieder bessere Zeiten‘.“ Es sei einfach wichtig, die Gefühle der großen Geschwister ernst zu nehmen und sie nicht als kindliche Laune abzutun.

Die Kinder gut auf das Leben mit dem kleinen Geschwisterchen vorbereiten, ihre Bedürfnisse erkennen, sie einbeziehen und ihnen altersentsprechend Verantwortung übertragen: Das sind die wichtigsten Tipps der beiden Zweifach-Mamas. „Natürlich klappt nicht immer alles nach Lehrbuch und manchmal denke ich, dass hättest du jetzt anders lösen können, aber insgesamt hat alles viel besser geklappt, als wir gedacht hätten“, sagt Paulina. Natürlich ändert sich viel, wenn ein neues Familienmitglied das Licht der Welt erblickt. Das heißt aber nicht, dass das große Geschwisterkind vom Thron stürzen muss. Je sanfter es gestupst wird, desto eher ist es bereit, einfach ein Stück zur Seite zu rücken.


Gut zu wissen

Geschwisterkurse in Köln, Bonn und Region gibt es zum Beispiel hier:

 


Die schönsten Buchtipps für Geschwisterkinder

Hallo Baby, wann kommst du?

Lydia Hauenschild
arsEdition
ab 2 Jahren

ministeps Bücher:
Wir sind jetzt vier!

Sabine Cuno
Ravensburger Buchverlag
ab 2Jahren

Wer wohnt denn da in Mamas Bauch

Lars Daneskov
Klett-Verlag
ab 4 Jahren

Ein Baby in Mamas Bauch

Anna Herzog
FISCHER Sauerländer
ab 4 Jahren

Ich will auch Geschwister haben

Astrid Lindgren
Oetinger Verlag
ab 4 Jahren

Willkommen Geschwisterchen
Entspannte Eltern und glückliche Kinder

Nathalie Klüver
TRIAS Verlag
Ratgeber für Eltern


Buch-Empfehlung der Redaktion

KÄNGURU-Autorin Golrokh Esmaili war auf der Suche nach einem Ratgeber zum Thema Geschwister. Hierbei entdeckte sie "Geschwister als Team" von Nicola Schmidt und war begeistert (Rezension erschienen am 11.12.2018).

Als sich vor knapp drei Jahren unser zweites Kind ankündigte, suchte ich nach Ratgebern zum Thema Geschwister. Da unsere Große sechs Jahre älter sein würde als das bald ankommende Geschwisterchen, wollte ich mich vorbereiten und über mögliche Probleme zumindest schon einmal nachdenken:

  • Stoße ich das Erstgeborene vom Thron?
  • Wie viel Verantwortung muss das ältere Kind tragen?
  • Wie gehe ich mit dem Thema Eifersucht zwischen Geschwistern um?

Lauter Fragen und Unsicherheiten – aber ich fand kein Buch, das sie mir zufriedenstellend hätte beantworten können.

Dann ist endlich eines erschienen! Es stammt aus der Feder von Nicola Schmidt und ich finde es – wie auch schon ihre vorherigen artgerecht-Bücher – wieder wunderbar gelungen. Schnell zu lesen, informativ, mit Ideen, die erhellend auf vielen Ebenen und leicht im Alltag umsetzbar sind. Das Buch führt mich durch den Dschungel meiner Fragen mit einem grundsätzlich liebevollen Blick auf das Kind und die Eltern in ihrem jeweiligen Familiensystem. Diesen überaus menschenfreundlichen Ansatz mag ich einfach an Nicola Schmidts Büchern. Spannend finde ich außerdem ihre evolutionstheoretischen Betrachtungen und die Bezüge, die sie zu anderen Kulturen herstellt. Ein wunderbar und verständlich erklärtes Buch! Die Autorin denkt und schreibt ganzheitlich und bricht scheinbar komplizierte Themen herunter. Denn eigentlich ist alles ganz einfach:

Geschwister sind Rivalen, die um Nahrung und Sicherheit konkurrieren. „Ich will zuerst Apfelsaft!“ „Nein, das ist mein Platz!“ „Ich will vorne sitzen!“

Beim Lesen wird einem schnell klar, warum das Streiten eigentlich so wichtig ist. Und um was sich Geschwister im Kern wirklich streiten. Perfekt für meine Familie: Nicola Schmidt erklärt nicht nur, sondern beschreibt außerdem sehr alltagstauglich, wie wir als Eltern reagieren können, um rivalisierende Geschwister zu einem starken Team zusammenwachsen zu lassen. Für mich gehört dieses Buch in den Bücherschrank aller Eltern mit mehreren Kindern.

 

Geschwister als Team
Ideen für eine starke Familie

Nicola Schmidt
Kösel Verlag
Ratgeber für Eltern