Familienleben

Tipps zum Umgang mit Wut und Aggression

Info: Anne-Katrin Treier / ADOPT-Studie · 11.05.2020

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Manchen Kindern fällt es schwer, mit negativen Gefühlen umzugehen. Sie sind oft gereizt, haben plötzliche Stimmungsschwankungen oder bekommen Wutanfälle.

Warum das so ist, untersucht die Uniklinik Köln in ihrer ADOPT-Studie. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zur affektiven Dysregulation zu erlangen sowie dem Kind und den Eltern Strategien zum Umgang mit Wut, Traurigkeit & Co an die Hand zu geben. Für KÄNGURU hat die Psychologin und approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Anne-Katrin Treier von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters einige Empfehlungen gegeben, wie Eltern reagieren sollten.

Aggressives Verhalten darf nicht zum Erfolg führen

Oppositionelles und aggressives Verhalten sind Teil der ganz normalen Entwicklung und insbesondere im Kleinkind- und Kindergartenalter sehr häufig. Aber sie treten auch bis ins Kindes- und Jugendalter auf. Ein falscher Umgang mit aggressivem Verhalten führt häufig zu Eskalationen. Dann wird geschrien und getobt, geweint und um sich geschlagen. Viele der Kinder sind in diesen Situationen auf der einen Seite verzweifelt und kennen keinen anderen Ausweg. Gleichzeitig merken sie, dass sie durch ihr Verhalten Erwachsene und Gleichaltrige steuern können. Wichtigste Grundregel lautet daher: Aggressives Verhalten darf nicht zum Erfolg führen.

Was kann ich als Elternteil konkret tun?

  • Stärke die positive Beziehung zu deinem Kind.
    Auch wenn das nicht immer ganz leicht fällt: Führe dir die Stärken und liebenswerten Eigenschaften deines Kindes vor Augen. Am besten richtet ihr euch gemeinsam positive Zeiten ein.
  • Stelle klare Regeln auf.
    Wichtig ist dabei, dass du eindeutige und konkrete Formulierung findest und nicht zu viele Regeln auf einmal einführst. Sie müssen für dein Kind zu bewältigen sein.
  • Lobe dein Kind, wenn es etwas gut gemacht hat und setze positive Konsequenzen ein.
    Du kannst zum Beispiel aus einem Buch vorlesen oder ihr könnt gemeinsam etwas spielen. Das Gute an dieser Regel ist, dass sie besonders wirksam ist! Und für die Auswahl einer positiven Konsequenz kannst du dir noch einmal gut die Stärken und Interessen deines Kindes vor Augen führen.
  • Verhalte dich konsequent, wenn dein Kind die Regel übertritt. Sei nicht nachtragend.
    Es ist wichtig, Konsequenzen vorher anzukündigen und deinem Kind die Chance zu geben, sein Verhalten zu ändern. Führe keine langen Diskussionen und bleibe möglichst ruhig. Achte darauf, dass Konsequenzen nicht willkürlich sind und zum Regelübertritt passen. Hier sind einige Beispiele dafür:
      • Wiedergutmachung (z. B. Kind baut umgestoßenen Legoturm wieder auf)
      • Ausschluss aus der Situation (z. B. Kind darf erst 5 Minuten später zu den anderen auf den Spielplatz)
      • Entzug von Privilegien (z. B. 15 Min weniger Handyzeit morgen, weil heute 15 Min überzogen wurde)
      • Einengung des Handlungsspielraumes bei kleineren Kindern (z. B. Führen der Hand beim Aufräumen)

Was erreichst du damit?

Dein Kind weiß genau, was von ihm erwartet wird, du bietest ihm eine Orientierung. Gleichzeitig lernt es die Konsequenzen seines Handelns kennen und bekommt Verantwortung dafür übertragen.

Wie kannst du dein Kind unterstützen?

  • Sei deinem Kind ein Vorbild.
    Hinterfrage dein eigenes Verhalten in Konfliktsituationen und versuche, eigene ungünstige Verhaltensweisen künftig zu reduzieren.
  • Unterstütze dein Kind dabei, Konflikte mit anderen zu lösen.
    Sprich mit ihm in einer ruhigen Situation darüber, wie der Konflikt zustande kam. Was sind seine eigenen Anteile daran? Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Was sind Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen?
  • Unterstütze dein Kind, bei Konflikten ruhig zu bleiben.
    Überlegt euch am besten schon vorab, was dein Kind in Konfliktsituationen tun kann, um sich erst einmal zu beruhigen und dann zu handeln.
  • Unterstütze dein Kind im Aufbau positiver Kontakte.
    Häufig haben Kinder mit aggressiven Verhaltensweisen Kontakt zu anderen Kindern mit ähnlichen Schwierigkeiten. Sie finden bei diesen Anerkennung, die sie sonst nicht erhalten. Biete dazu Alternativen an, beispielsweise durch die Mitgliedschaft in Sportvereinen oder Freizeitgruppen.
  • Schütze dein Kind bei Regelverstößen nicht vor den Folgen.
    Es ist wichtig, dass dein Kind frühzeitig Konsequenzen seines Handelns trägt. Deshalb solltest du ihm die Folgen in der Schule oder der Freizeit nicht abnehmen.

Bei ausgeprägten Schwierigkeiten im Umgang mit negativen Gefühlen und Wutausbrüchen können sich Eltern an die ADOPT-Studie wenden. Dort erhalten Kinder zwischen 8 und 12 Jahren mit Schwierigkeiten der Gefühlsregulation eine individuelle Psychotherapie, bei der auch die Eltern und Lehrkräften einbezogen werden können. Ziel der ADOPT-Studie ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zur affektiven Dysregulation zu erlangen sowie dem Kind und den Eltern Strategien zum Umgang mit Wut, Traurigkeit & Co an die Hand zu geben.

Kontakt und weitere Infos:

Tel. 0221 478-76837

E-Mail adopt@uk-koeln.de

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