Familienleben

Sparen für Kinder

Janina Mogendorf · 02.10.2019

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Von börsengehandelten Fonds bis hin zum klassischen Kinderkonto – Autorin Janina Mogendorf erklärt, wie Eltern für ihr Kind vorsorgen können.

Das Sparen hat in Deutschland eine lange Tradition. Die Redensart „etwas auf die hohe Kante legen“, stammt aus Zeiten, in denen gut Betuchte noch im Baldachinbett nächtigten. Der Weltspartag ist für viele eine liebe Kindheitserinnerung: Stolz wurden gefüllte Sparschweine zur Bank getragen und zur Belohnung gab es Geschenke – und Zinsen. Eine ebenso anschauliche, wie einfache Art der Finanzerziehung.

Heute gleicht das Sparbuch eher einem sicheren Sparstrumpf: Was man reintut, bekommt man auch wieder raus und niemand kann uns die Euros unter dem Kopfkissen wegklauen. Vermehren lässt sich das Geld beim derzeitigen Zinsniveau jedoch nicht wesentlich. Das hat unter anderem zwei Auswirkungen: Den Umgang mit Euros und Cents lernen die Kleinen heute am Stand des Kindersachenflohmarktes. Und Eltern müssen sich mehr Gedanken um Geld-Anlagen für den Nachwuchs machen.


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Spätestens, wenn Verwandte Geld zur Taufe, zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken, kommt die Frage auf: Wohin mit der Kohle? Die Zukunft scheint noch weit entfernt und gerade möchte man lieber in einen extrasicheren Kindersitz investieren. Dennoch können Eltern nicht früh genug damit beginnen, ein finanzielles Polster für die Kleinen aufzubauen. Irgendwann wird der Nachwuchs den Führerschein machen oder eine Wohnung einrichten wollen. Spätestens dann sind Eltern um jeden angesparten Cent froh.

Auch Monika Specht war es wichtig, ihre Tochter Victoria finanziell abzusichern und so legte sie zunächst für kleinere Geldgeschenke ein klassisches Sparbuch an. „Das habe ich gemacht, sobald ich die Geburtsurkunde in den Händen hielt“, sagt die Bonnerin, die selbst bei einer Bank arbeitet. Wenig später kaufte sie Genossenschaftsanteile für ihre Tochter und schloss einen Bausparvertrag für sie ab, „damit sie später ein zinsgünstiges Darlehen erhalten kann.“ Mit dem Abschluss einer klassischen Rentenversicherung und einer Unfallrente war Victorias Vorsorgepaket vollständig. „Dass wir so früh alles in geregelte Bahnen gelenkt haben, hat sicher auch mit meinem Beruf zu tun“, sagt die Vermögensbetreuerin.

Für alle Eltern, die bislang einen großen Bogen um das Thema gemacht haben, hat Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale NRW die beruhigende Nachricht: „Es ist nie zu früh, aber auch nie zu spät, sich mit Geldanlagen für Kinder zu befassen. Aber jeder sollte es tun.“ Nicht zuletzt, weil ein Kind umgerechnet etwa so viel kostet wie ein kleines Eigenheim. „Da ist es gut, finanziell für Zeiten vorzusorgen, in denen Ausgaben für Ausbildung oder Studium auf die Familie zukommen.“

Hohe Renditen mit ETF-Sparplänen

Bevor investiert wird, sollten sich Eltern erst einmal schlau machen. „Wer Geld anlegen möchte, sollte sich gut mit den verschiedenen Möglichkeiten auskennen“, so Hentschel. Hilfe und Rat bieten zum Beispiel Verbraucherorganisationen. Und die sind sich einig: Einen risikofreien Weg, um langfristig höhere Renditen zu erzielen, gibt es derzeit nicht. Wenn es um langfristige Geldanlagen für Kinder geht, empfehlen die Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest daher den Kauf von ETF. Das ist die Abkürzung für „exchange-traded fund“ und heißt zu Deutsch „börsengehandelter Fond“. Diese Investmentfonds bilden einen Index, etwa den Dax, ab. Die globalen Varianten schafften bisher Renditen zwischen 6 und 8 Prozent im Jahr.


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„Das Gute an diesen ETF-Sparplänen ist, dass Sie monatlich Geld ansparen können und zwar ab einer Rate von 25 Euro aufwärts“, erklärt Stefan Fischer von Stiftung Warentest. Anders als bei aktiv gemanagten Fonds werden zudem nur geringe Kosten fällig. „Außerdem ist das Risiko überschaubar, weil gerade globale ETF sehr breit streuen“, erklärt der Finanzexperte. So umfasst der MSCI World mehr als 1.600 verschiedene Werte aus 23 Industrienationen, der MSCI All Country sogar noch mehr. Dennoch bleibt natürlich ein Risiko bestehen.

Kinderkonto und Co

Menschen, denen die Vorstellung von Börsencrashs den Nachtschweiß auf die Stirn treibt, suchen nach konservativen Möglichkeiten und finden zum Beispiel klassische Banksparpläne. Wer mit einem Kinderkonto für seinen Sprössling liebäugelt, sollte gut vergleichen, denn die Sparpläne unterscheiden sich bei Laufzeiten und Zinshöhe. So gibt es Angebote mit drei Prozent Zinsen, allerdings nur bis zu einem Sparbetrag von 500 Euro. Andere geben Zinsen auf Sparsummen bis zu 10.000 Euro, aber nur für Kinder von 0 bis 3 Jahren. „Auch bei Bonuszinsen, die ab einer gewissen Laufzeit bezahlt werden, muss man genau hinschauen“, sagt Hentschel. Oft werden sie nicht auf die Gesamtsumme gerechnet, sondern nur auf Beträge, die ab dem benannten Zeitpunkt gespart werden.

Sehr deutlich raten Verbraucherschützer übrigens davon ab, Versicherungen mit Geldanlagen zu vermischen. „Ausbildungsversicherungen oder Kinderschutzbriefe, die gegen Risiken wie Unfall, Krankheit oder Schulunfähigkeit schützen sollen, eignen sich nicht als Geldanlage“, so Stefan Fischer. Hohe Kosten, unflexible Laufzeiten und fehlende Renditen nennt er als Hauptgründe. „Wenn man sich versichern will, dann sollte man versichern, und wenn man Geld anlegen will, sollte man Geld anlegen, weil man nur so die jeweils besten Anbieter für sich finden kann“, macht auch Thomas Hentschel deutlich.

Jenseits von Sparplänen und Aktienhandel lassen sich Kapitalerträge auch durch die Mitgliedschaft an einer Genossenschaft erwirtschaften. Diese verfolgt ein gemeinschaftliches Ziel, etwa den Bau einer Wohnanlage, eines Windparks oder die Finanzierung eines Kulturprojekts. Daneben gibt es die Genossenschaftsbanken. Wer hier Anteile zeichnet, geht kaum ein Risiko ein, da eine Insolvenz des Instituts im Gegensatz zu anderen Genossenschaften durch die Institutssicherung (Einlagenschutz) geschützt wird. Auch Monika Specht hat für ihre Tochter Anteile gezeichnet und bisher eine durchschnittliche Dividende von 4 Prozent erzielt.

Bei Geldanlagen für Kinder ist einiges zu beachten

Aufwand: Wird ein Konto auf den Namen des Kindes angelegt, müssen beide Elternteile unterschreiben und eine Geburtsurkunde des Kindes einreichen.

Freibeträge: Kapitalerträge bis zu 801 Euro im Jahr sind für alle Anleger in Deutschland steuerfrei. Das gilt auch für Kinder. Wer also ein Konto auf den Namen des Kindes anlegt, kann einen Freistellungsauftrag stellen und diesen Steuervorteil nutzen. Erträge auf Kinderkonten bleiben derzeit bis zu einem Betrag von 9.837 Euro steuerfrei.

Kontrollvollmacht: Ist ein Konto oder ein Depot auf den Namen des Kindes angelegt, kann es ab dem 18. Geburtstag voll darüber verfügen. Vorher dürfen die Eltern das Konto zwar verwalten, aber kein Geld entnehmen, denn zum Sorgerechtsauftrag der Eltern gehört, das Vermögen ihres Kindes zu vermehren. Heben Eltern dennoch Geld ohne Wissen oder Zustimmung des Kindes ab, machen sie sich angreifbar, wie ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2010 zeigt. Damals erhielt eine junge Frau Recht, deren Vater gegen ihren Willen Führerscheinkosten von ihrem Konto begleichen wollte.

Hinweis: Kreditinstitute speichern Kontostammdaten aller Kunden. Das Kontenabrufverfahren ermöglicht bestimmten Institutionen, wie dem Finanzamt oder Bafög-Ämtern, diese Daten in bestimmten Fällen abzufragen.

Auszahlplan: Wer Sorge hat, das Kind könnte das Geld verprassen, kann einen Auszahlplan vereinbaren. Das ist auch noch möglich, wenn das Kind bereits 17 ist. Wer sichergehen will, legt das Geld auf dem eigenen Konto an und zahlt die Raten selbst aus.

Hinweise bei hohen Kapitalerträgen: Ist das Konto auf den Namen des Kindes angelegt, werden Kapitalerträge mit dem Bafög-Anspruch verrechnet. Bei einem Einkommen von mehr als 445 Euro im Monat erlischt die kostenlose Familienversicherung.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Stiftung Warentest: www.test.de/geldanlage-banken

Verbraucherzentrale: www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/geld-versicherungen

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