Familienleben

Digitale Sucht bei Kindern und Jugendlichen

Golrokh Esmaili/Inga Drews · 04.06.2021

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Viele Eltern fragen sich, ab wann man von Mediensucht spricht. © rangizzz/Adobe Stock

Viele Eltern fragen sich, ab wann man von Mediensucht spricht. © rangizzz/Adobe Stock

Störungen der Sprachentwicklung, der Aufmerksamkeit und der Gehirnentwicklung können die Folge von digitaler Sucht sein. Ab wann sprechen Experten von Mediensucht? Und welche Medien sind gemeint? Wir haben mit Neurowissenschaftler und Psychiater Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer sowie mit Medienpädagogin Kristin Langer über das Thema gesprochen.

Medizinische Aspekte der Mediensucht

KÄNGURU: Wo hört gesunde Mediennutzung auf und ab wann würden sie von einer Mediensucht sprechen?

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer: Die Mediensucht ist eine substanzungebundene Form der Sucht wie beispielsweise auch die Glücksspielsucht. Beides ist mittlerweile offiziell als Krankheit im internationalen Klassifikationssystem der Krankheiten (ICD) anerkannt. Für jede Sucht gilt, dass das Verhalten dann als krankhaft zu bewerten ist, wenn die Person selbst und oder ihr Umfeld darunter leidet.

 

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer © Markus Koelle

Weiterlesen:

▸ Interview mit Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer zum Thema Mediensucht

 

Medienpädagogische Aspekte der Mediensucht

KÄNGURUplus: Frau Langer, ab wann würden Sie von einer Mediensucht sprechen?

Kristin Langer: Man nimmt immer vordergründig an: Wenn Heranwachsende sich intensiv mit Medienangeboten beschäftigen und viel Zeit damit verbringen, liegt schon eine Suchttendenz vor. Das ist aber zu kurz gedacht. Um von Sucht sprechen zu können, müssen vielfältige Faktoren berücksichtigt werden – etwa Vernachlässigung von Pflichten, Kontrollverlust, Entzugserscheinungen und weitere –, die wiederholt, über den Zeitraum von einem Jahr permanent auftreten. Das heißt, wenn sich ein Kind in Begeisterung seines ersten Smartphones sehr lange mit einem neuen Spiel beschäftigt, raten wir Eltern: „Achtet auf Pausen, damit das Kind diese Begeisterung, die Anspannung im Spiel verarbeitet.“ Hier von Mediensucht zu sprechen, ist verfrüht. Vielmehr können Kinder beim Medienumgang lernen, Selbstregulierung einzuüben. Damit ist gemeint: „Ich bin in der Lage, einen Wunsch, ein Bedürfnis, das ich ganz massiv habe, auf später zu verschieben.“ Dabei können Eltern ihre Kinder unterstützen. Der Selbstregulierungsprozess ist mitunter erst im Erwachsenenalter abgeschlossen. Kinder und Jugendliche sind also hierbei noch in einer Entwicklung.

Kristin Langer © privat

Weiterlesen:

▸ Interview mit Medienpädagogin Kristin Langer zum Thema Mediensucht

 

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