Bildung

Sprachen lernen

Ursula Katthöfer · 05.01.2015

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© Mars Bars/iStockphoto

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Wenn wir uns in der Welt verständigen möchten, reicht eine Sprache nicht aus. Heute mehr denn je, denn die Länder Europas rücken zusammen. Ein Grund, aus dem seit fast zehn Jahren bereits in der Grundschule Englisch unterrichtet wird.

An der Tafel hängt das Bild eines Pinguins, der die britische Flagge hoch hält. Denn in der zweiten Stunde hat die 3b, die Pinguinklasse der Bonner Matthias-Claudius-Schule, Englischunterricht. „Good morning everybody“, begrüßt Klassenlehrerin Swantje Tebbe die Kinder. Gerade noch hat sie Deutsch gesprochen, doch für die kommenden 45 Minuten kommt ihr kein deutsches Wort mehr über die Lippen. „Please stand up to sing the song“, bittet die Lehrerin und legt eine CD ein. Alle Kinder stehen auf und singen: „It is winter, ice and snow.“ Dabei deuten sie mit den Fingerspitzen den fallenden Schnee an.

Grundschulkinder haben zwei Stunden Englisch pro Woche

Seit dem Schuljahr 2003/2004 lernen die Grundschulkinder in Nordrhein-Westfalen flächendeckend Englisch. Zunächst begann der Fremdsprachenunterricht im dritten Schuljahr. Seit dem 1. Februar 2009 fangen schon die Erstklässler im zweiten Halbjahr damit an. Alle Grundschulkinder haben zwei Stunden Englisch pro Woche. Eine politische Entscheidung. Europa sei durch seine sprachliche und kulturelle Vielfalt geprägt, heißt es auf der Webseite des NRW-Schulministeriums. Englisch sei angesichts der Globalisierung eine Schlüsselqualifikation.

Fachdidaktik im Englischunterricht

So abgehoben sehen Felix, Haddid, Linda und Laurin das noch nicht. Sie lernen heute, ihr Englisch-Maskottchen Froggy anzuziehen. „Today we are going to dress Froggy“, erläutert Swantje Tebbe und die Kinder setzen sich in den Sitzkreis im hinteren Teil des Klassenzimmers. „These are boots“, spricht die Lehrerin vor und hält ein ausgeschnittenes Paar Stiefel hoch. Im Chor wiederholen die Kinder den Satz. Es folgen Unterwäsche und Hemd, Hut und Hose, Jacke und Handschuhe, die nach und nach auf das Bild von Froggy gelegt werden. Immer wieder folgen die gleichen Sätze: „Put on Froggy´s socks.“ „Take off Froggy´s scarf.”

Es gehört zur Fachdidaktik, dass die Lehrerin als Sprachvorbild die richtige Aussprache mehrmals wiederholt. „Die Kinder kannten die Vokabeln für diese Unterrichtsstunde bereits“, erzählt sie später. „Neu waren die Satzstrukturen.“ „A whole sentence, please“, ermuntert sie Timo, als er nur „boots” sagt. Zwischendurch ermahnt die Lehrerin einen quasselnden Jungen: „Stop talking!“

Dringend gesucht: Englischlehrer

Als Swantje Tebbe im Jahr 2003 ihr Studium begann, gehörte sie zu den ersten Grundschulpädagogen, die Englisch als Hauptfach studierten. Viele andere Pädagogen, die bereits in der Primarstufe unterrichteten, bildeten sich zum Englischlehrer fort. Da das Land NRW anfangs dringend Englischlehrer brauchte, war es damals relativ einfach, die Qualifikation zu erlangen. Inzwischen sind die 60-stündige Fortbildung sowie der sprachliche Qualifikationsnachweis über ein offizielles C1-Zertifikat anspruchsvoller geworden.

Dennoch klappt der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule nicht überall reibungslos. Offenbar erwarten die Lehrer der unterschiedlichen Schulformen unterschiedliche Dinge vom Englischunterricht. „Viele weiterführende Schulen denken, dass die Kinder nach dreieinhalb Jahren Englischunterricht schon sehr viel können müssen“, sagt Swantje Tebbe. „Sie wissen nicht, dass wir keine Vokabeln büffeln.“ Statt dessen lernten die Kinder, in einfachen englischen Sätzen von sich zu erzählen. Sie seien in der Fremdsprache handlungsfähig, die meisten entwickelten Spaß daran.

Rollenspiele und Dialoge

Matilda und Luisa sind bester Dinge, denn inzwischen ist die Pinguinklasse mit einer Partnerarbeit beschäftigt. Jedes Kind hat einen Würfel. Fallen die Ziffern 2, 3, 4 oder 5, heißt es: „Put on Froggy´s …“ und das Partnerkind darf seinem Froggy etwas anziehen. Bei 1 oder 6 heißt es „Take off …“ Wer seinen Froggy zuerst komplett angezogen hat, hat gewonnen. „Take off Froggy´s underwear“, sagt Luisa grinsend und zieht Matildas Froggy die Unterwäsche weg. Matilda hingegen legt Wert auf die Kleiderordnung: „Oh, die Jacke ist verrutscht.“ „Ist doch egal,“ meint Luisa. „Nein, Froggy muss hübsch aussehen“ entgegnet Matilda und rückt die Jacke zurecht. Auch wenn Matilda und Luisa ins Deutsche abschweifen, kommen sie immer wieder auf ihren, englischen Sätze zurück. „Dialoge und Rollenspiele sind für uns sehr wichtige Methoden“, sagt Swantje Tebbe. „Das Sprechen und Hören hat einen sehr hohen Stellenwert.“

Manchen Kindern fallen sprachliche Feinheiten auf. So merken schon Drittklässler, dass im Englischen dem Verb in der dritten Person Singular ein „s“ angehängt wird. „Für Grammatikunterricht sind die meisten Grundschüler noch zu jung“, sagt die Lehrerin. „Doch wenn den Kindern eine Ausnahme wie das „s“ auffällt, besprechen wir das.“

Studie: Was bringt der Englischunterricht?

Bereits in den Jahren 2005 bis 2007 prüfte das Land NRW mit einer Lernstandserhebung, an der etwa 2000 Kinder teilnahmen, ob der Englischunterricht etwas bringt. „Die Studie macht deutlich, dass die Kinder hoch motiviert und leistungsbereit sind. Die Ergebnisse beweisen gut entwickelte Kompetenzen vor allem in den Bereichen des Hörverstehens und Leseverstehens“, heißt es zum Abschluss der Studie. Dennoch werden in Fachkreisen zunehmend Stimmen laut, die davor warnen, Kinder zu überfordern. Gerade in Stadtteilen mit einem hohen Migrantenanteil sei es wichtig, zunächst viel Zeit in den Deutschunterricht zu investieren, bevor die Kinder eine weitere Fremdsprache lernen.

Zum Ende der Stunde wiederholen die Kinder der Pinguinklasse das Gelernte. Als Swantje Tebbe sich verspricht, merken die Kinder das sofort. Als sie sich zum zweiten Mal verspricht, rufen sie: „Du machst das extra.“ „Yes“, antwortet sie. „I´d like to confuse you a little bit.“ Und damit ist das letzte englische Wort für diesen Tag gesprochen.

Service

Internationale Friedensschule

International, interkulturell und interreligiös wird in der Internationalen Friedensschule Köln in Widdersdorf gelernt und gelebt. Der bilinguale Unterricht wird von Muttersprachlern erteilt, Unterrichtssprachen in Grundschule und Gymnasium sind Deutsch und Englisch. Ob sprachlich, musikalisch-künstlerisch, sportlich oder naturwissenschaftlich, die individuelle Begabung des Kindes wird in kleinen Lerngruppen gefördert. Tel. 0221 – 31 06 34-0

Infos auf Ego4u

Eine Webseite für alle, die Spaß am Englischlernen haben. Mit Thema des Monats, Newsticker mit englischen Nachrichten, Schreibschule, Spielen und Rätseln: www.ego4u.de.

Sprachcamps von Berlitz

Berlitz bietet seit 1999 Sprachcamps für Kinder und Jugendliche von 7 bis 17 Jahren und unter dem Motto „Learning by Speaking” jetzt erstmalig auch Familienfreizeiten an. Tel. 0561 – 288 62 46 (Katrin Reißig)

Auslandsreisen mit Carl Duisberg

Bildung ohne Grenzen: Ob Schüleraustausch, Sprachcamp oder Auslandspraktikum – die Carl Duisberg Centren mit Hauptsitz in Köln haben sich auf internationale Kontakte spezialisiert. Tel. 0221 – 16 26-266

Bilinguale Kitas und Schulen

Charabia ist eine deutsch-französische Kindertagesstätte, Carussel ein deutsch-spanischer Kindergarten, das Institut Italo Svevo eine deutsch-italienische Gesamtschule. Hinzu kommen viele englischsprachige Bildungseinrichtungen. Das Angebot an bilingualen Kindergärten und Schulen in Köln und Bonn ist groß. Eine ausführliche Liste findet sich auf der Webseite von www.mundoazul.de.

Englisch lernen bei HighFive

Bei HighFive wird Englisch mit allen Sinnen gelernt: Es werden naturwissenschaftliche Experimente durchgeführt, Geocaching-Touren veranstaltet, Gerichte aus fremden Ländern gekocht und entdeckt, wie andere Kulturen Feste feiern. Diverse Angebote vom Kurs über den Ferienworkshop bis zur Prüfungsvorbereitung für Kinder ab drei Jahren und Jugendliche bis zum Abitur in vielen Kölner Stadtteilen.

Gesamtschule Francesco Petrarca

Bildung mit Köpfchen: Die deutsch-italienische bilinguale Gesamtschule Francesco Petrarca heißt Schüler aller Nationalitäten und Kulturen willkommen. Italienischkenntnisse sind nicht Voraussetzung für einen Platz, ein Einstieg in die Sprache ist auch später möglich.
Neben dem sprachlichen Schwerpunkt liegt hier ein weiterer Fokus auf den MINT-Fächern und einer individuellen Förderung.
Gladbacher Wall 5, 50670 Köln,
Tel. 0221 – 139 29 85

Helen Doron Early and Teen English

Mit Helen Doron Early and Teen English lernen Babys, Kinder und Jugendliche leicht und natürlich Englisch. Altersgerechter Spracherwerb, mit Spaß und Bewegung, in einer vertrauensvollen, inspirierenden Atmosphäre stehen im Zentrum der Methode. Angebote für unterschiedliche Altersgruppen (2-18 Jahre) in Weiden (Tel. 02234 - 688 37 30), Dellbrück (Tel. 0221 – 92 23 42 81) und Rodenkirchen (Tel. 0221 – 29 89 37 69).

KUMON-Lerncenter

In den sechs verschiedenen KUMON-Lerncentern in der Region werden Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, ihre Selbstlernfähigkeit zu entfalten und die Freude am Lernen und am Erforschen zu entdecken. Unabhängig vom Alter oder den individuellen Fähigkeiten und Begabungen hilft die KUMON-Lernmethode bei der Verbesserung der individuellen Mathematik- und Englisch-Kenntnisse in allen Jahrgangsstufen und Schulformen – auch für Vorschulkinder.

KUMON-Lerncenter:

Bergisch Gladbach-Refrath Tel. 02204 – 423 87 51

Kerpen Tel. 02237 – 92 58 34

Köln-Ehrenfeld Tel. 0221 – 30 21 65 50

Köln-Lindenthal Tel. 0221 – 943 33 31

Köln-Worringen Tel. 0221 – 78 26 98

Pulheim-Brauweiler
Tel. 02234 – 430 13 03

Englisch- und Französischkurse von Muttersprachlern für Kinder von zwei bis zwölf Jahren, Jugendliche und Erwachsene bietet die Sprachschule Speakers‘ Corner in Köln-Longerich und Riehl. Außerdem gibt es zu unterschiedlichen Themen interessante Ferienkurse und Workshops. Tel. 0221 – 972 68 76

Der Bildungsreiseveranstalter TravelWorks bietet Abenteuerurlaube in Eng-lish Adventure Camps für 7- bis 17-jährige Schüler. Morgens findet der Kurs statt und nachmittags wird bei spannenden Aktivitäten mit Gleichaltrigen aus aller Welt Englisch gesprochen. Tel. 02506 – 83 03-300

Nachhilfe

ABACUS
Einzelnachhilfe zu Hause
Tel. 0221 – 985 53 25

arithmetiko
systematische Behebung von Rechenschwäche
Landgrafenstr. 31-35
50931 Köln
Tel. 0221 – 96 43 98 43

Der Bildungssalon
Lerntherapeutische und künstlerische Bildung
Tel. 0221 – 30 07 20 13

Die Überflieger
Ganzheitliche Nachhilfe und
Prüfungsvorbereitung zu Hause
Tel. 0221 – 922 92 81

effekt
Pädagogische Institut für
Lernförderung
Tel. 0800 – 033 33 58

LERNWERK
Effektive Nachhilfe und Lerntherapien
Königstr. 6, 53332 Bornheim
Tel. 02222 – 98 99-800

LiMUS
Förderkurse, Beratung und Diagnose bei Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS) oder bei Rechenschwäche (Dyskalkulie)
Hohenzollernring 1-3, 50672 Köln
Tel. 0221 – 240 92 16

Lerntherapeutisches Zentrum
Rechenschwäche/Dyskalkulie Köln (LZR)
Theodor-Heuss-Ring 52, 50668 Köln
Tel. 0221 – 912 34 50

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