Bewegung

Schwimmen lernen

Janina Mogendorf · 02.04.2019

zurück zur Übersicht
© Lisa5201 / iStockPhoto.com

© Lisa5201 / iStockPhoto.com

„Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer“, fordert die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) schon seit ihrer Gründung im Jahr 1913. Nur drei Prozent der Bevölkerung konnten damals schwimmen. Heute ist es immerhin die Hälfte, aber die Zahl der Nichtschwimmer steigt wieder. KÄNGURU hat mit zwei Experten über die richtige Art des Schwimmenlernens, gute und schlechte Kurse sowie Tipps und Tricks für Eltern gesprochen.

In welchem Alter sollten Kinder schwimmen lernen?

Im 4. Schuljahr machen Grundschulkinder eine Radfahrprüfung. Niemand käme auf die Idee, ihnen erst kurz vorher die Stützräder abzuschrauben. Denn Radfahren ist eine grundlegende Art der Fortbewegung und wird in der Regel viel früher erlernt. „Das Gleiche gilt auch für das Schwimmen“, sagt Sebastian Schmies, Stellvertretender Bezirksleiter der DLRG in Bonn. Kinder ab vier Jahren seien im richtigen Alter, um das Seepferdchen zu machen. Das motorische Lernen funktioniere bei so jungen Menschen besonders gut. „Je älter man wird, desto schwerer ist es, sich neue Bewegungsabläufe anzueignen.“

Ilka Staub, Sportwissenschaftlerin im Lehr- und Forschungsgebiet Schwimmen an der Sporthochschule Köln, rät Eltern, ihre Kinder schon im Krabbelalter regelmäßig das Babybecken erkunden zu lassen. „Die Kleinen gehen dann noch ganz unbefangen mit Wasser um. Sie patschen mit den Händen hinein, bekommen Wassertropfen in die Augen oder geraten kurz mit dem Gesicht unter Wasser.“ Das ist nicht schlimm, sondern führt spielerisch zu einem vertrauten Umgang mit dem Element. „Wichtig ist, dass die Kinder sich frei bewegen dürfen. Also Schwimmflügel weglassen und Kinder im Auge behalten“, rät die Schwimmexpertin.

Warum ist es wichtig, schwimmen zu können?

2017 sind in Deutschland 404 Menschen ertrunken. „Das klingt erstmal wenig, ist aber viel in einem Land, in dem jeder grundsätzlich Zugang zu Schwimmkursen hat und Schwimmen Teil des Schulstoffs ist“, so Schmies. „Die meisten Unfälle passieren in Flüssen und Seen aufgrund von Selbstübersch.tzung und gemessen an den Unfallzahlen ist der Rhein eines der gefährlichsten Binnengewässer Deutschlands.“ Die Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland ist viel zu hoch. „Wichtig ist, dass Eltern sich nicht allein darauf verlassen, dass ihr Kind in der Schule schwimmen lernen wird“, mahnt Schmies.

Wie lernt ein Kind schwimmen?


© FatCamera / iStockPhoto.com

Vor dem eigentlichen Schwimmenlernen stehen zwei wichtige Phasen: die Wassergewöhnung und die Wasserbewältigung. Bei der Wassergewöhnung geht es darum, erste Erfahrungen im Wasser zu sammeln. „Die Kinder lernen den Widerstand des Wassers kennen, den Kältereiz auszuhalten und sich im Wasser zu bewegen“, erklärt Sebastian Schmies. Die Kleinen überwinden Ängste und machen sich nach und nach mit dem Wasser vertraut. Dabei stehen die Schwimmanfänger im schultertiefen Wasser sicher auf dem Beckenboden.

Haben sich die Kids ans kühle Nass gewöhnt, beginnt die Phase der Wasserbewältigung. Dabei lernen sie, die Luft unter Wasser anzuhalten, durch Mund und Nase ins Wasser auszuatmen und über Wasser wieder einzuatmen. Die Schwimmschüler üben zu tauchen und dabei die Augen unter Wasser zu öffnen. Zur Wasserbewältigung gehört auch, vom Beckenrand zu springen und sich in Bauch-, Seit- und Rückenlage durch das Wasser treiben zu lassen. „Seit einiger Zeit ist das Rotieren im Wasser dazugekommen. Die Kinder machen Purzelbäume oder drehen sich auf Kommando vom Bauch auf den Rücken“, so Schmies. Alles Fertigkeiten, die nachher beim Schwimmen gebraucht werden.

„Als Schwimmlehrerin höre ich Eltern immer sagen: Mein Kind kann sich schon für ein paar Meter über Wasser halten, jetzt fehlt nur noch ein bisschen Kraft“, erzählt Ilka Staub. In dieser Phase können Kinder zwar den Kopf oben halten, stehen dabei aber nahezu senkrecht im Wasser. In dieser Position müssen sie viel Kraft aufwenden, um voranzukommen. „Nun kann man das mit Technik, Muskulatur und Ausdauer schaffen. Viel leichter ist es jedoch, die richtige Lage im Wasser zu lernen – nämlich möglichst flach an der Wasseroberfläche. Dann braucht das Kind viel weniger Kraft“, macht die Sportwissenschaftlerin deutlich.

Wie lange dauert es in der Regel, bis ein Kind schwimmen kann?

„Auf jeden Fall länger als zehn Stunden“, betont Staub. Denn schwimmen lernt man nicht von heute auf morgen und Sicherheit im Wasser bedeutet viel mehr als korrekte Arm- und Beinbewegungen. Die richtige Atmung, das gelassene Tauchen, das Schweben in verschiedenen Lagen und das zielgerichtete Gleiten mit Abstoß vom Beckenrand, das alles sind Grundfertigkeiten, mit denen sich ein Kind nach und nach die Wasserwelt erschließt. Dabei sollte es sich wohlfühlen, sein eigenes Tempo gehen und durchaus individuelle Wege finden dürfen. „Mit Geduld und Ruhe haben wir bisher noch jedes Kind gekriegt“, schmunzelt sie.

Etwa dreißig Stunden sollte man bis zur Schwimmfähigkeit rechnen, schätzt die Expertin. „Wenn Eltern für ihre Kinder also einen zehnstündigen Kurs buchen, müssen sie davon ausgehen, dass sie noch weitere Kurse brauchen werden.“ Ob es nun ein Intensivkurs in den Ferien sein soll oder ein fortlaufender Kurs, hängt vom Kind und den zeitlichen Präferenzen der Familien ab. „Am wichtigsten ist, viel Zeit im Wasser zu verbringen“, betont Ilka Staub. Von daher sind Ferienkurse gut, sollten allerdings nicht an die Erwartung geknüpft sein, dass das Kind am Ende mit einem Abzeichen nach Hause kommt. „Das baut zu viel Druck auf und das Kind soll ja mit Spaß an die Sache herangehen.“

Woran erkennen Eltern einen guten Schwimmkurs?


© FatCamera / iStockPhoto.com

Das Vertrauen in die Schwimmschule und in den Lehrer ist für Eltern eine wichtige Voraussetzung, wenn sie nach einem Schwimmkurs suchen. Ist ein Verein im Deutschen Olympischen Sportbund oder im Deutschen Schwimmverband organisiert, können sie davon ausgehen, dass dort gut ausgebildete Schwimmtrainer nach anerkannten Standards unterrichten.

Auch die Zahl der Schwimmschüler pro Lehrer sind ein guter Hinweis. „Ein idealer Betreuungsschlüssel liegt bei eins zu sechs, also sechs Kinder auf einen Trainer, damit jedes Kind genug Aufmerksamkeit bekommt“, sagt Ilka Staub. Das ist allerdings schon allein aus Kostengründen schwer umzusetzen. Sind es mehr Kinder, muss der Schwimmlehrer im tiefen Becken mehr Auftriebmittel, also Schwimmnudeln und Bretter, einsetzen, und das steht dem natürlichen Schwimmenlernen im Wege.

„Fragen Sie nach dem Ablauf des Schwimmtrainings“, ermuntert Sebastian Schmies. „Es gibt verschiedene, gleichwertig gute Methoden, aber Wassergewöhnung und -bewältigung sollten immer am Anfang stehen.“ Und Ilka Staub warnt: „Wenn ich Schwimmkurse sehe, bei denen die Kinder noch ungeduscht Trockenübungen machen, dann ist das sehr technikorientiert und die Grundfertigkeiten werden übergangen.“ Letztlich spielt natürlich auch das Bauchgefühl bei der Auswahl eine wichtige Rolle. Eltern und Kinder sollten sich in der Schwimmschule wohlfühlen.

Wie bekomme ich einen Platz für das Kind?

Auf der anderen Seite ist die Schwimmkurssuche schon lange kein Wunschkonzert mehr, sondern eher eine frustrierende Angelegenheit. „Die Kurse sind sehr überlaufen. Teilweise sind die Wartelisten länger als die Zahl der Vereinsmitglieder“, berichtet Ilka Staub, und es gebe derzeit nicht viel, um die Lage zu verbessern. „Die Bäder sterben, weil sie alle gleichzeitig gebaut wurden, und neu zu bauen ist teuer.“ Das führt dazu, dass heute nahezu jeder, der eine Wasserfläche besitzt, eine Schwimmschule gründen kann, ohne große Qualifikationen vorzuweisen. „Und die Eltern sind glücklich, wenn sie überhaupt einen Platz für ihre Kinder finden.“

Welche Blüten der Run auf die Kurse treibt, kann Kathrin Maring aus Bonn berichten. Schon längere Zeit hatte ihr fünfjähriger Sohn Ben Schwimmunterricht bekommen, ohne wirkliche Fortschritte zu machen. „Wir haben uns dann entschieden, einen Kompaktkurs für ihn in den Osterferien zu buchen.“ Und das erwies sich als gar nicht so einfach, weil die Vergabe an einem speziellen Stichtag stattfand und zwar in der Reihenfolge der Anmeldungen. „Um fünf vor sechs saß also Bens Oma an diesem Tag vor dem Telefon, um rechtzeitig bei der Hotline anzurufen.“ Das frühe Aufstehen zahlte sich aus und Ben ergatterte nicht nur seinen Platz, sondern am Ende des Kurses sogar sein Seepferdchen.

Und was sollen Eltern tun, die nicht so viel Glück haben?

„Gehen Sie mit Ihren Kindern ins Schwimmbad, so oft es sich einrichten lässt“, rät Ilka Staub und meint damit keinen privaten Schwimmunterricht, wie sie ihn manchmal beobachtet. „Da laufen die Eltern am Beckenrand entlang und geben Anweisungen, die sie noch aus der eigenen Schwimmschulzeit in Erinnerung haben.“ Besser sei es, den Kindern einen geschützten Spielraum zu geben, in dem sie Wasser erfahren und sich spielerisch austoben können. Dabei sollten Eltern ihre Kinder immer im Auge behalten und niemals auf aufblasbare Spielzeuge oder Luftmatratzen vertrauen. „Wenn man Kids beim Spielen begleitet, entwickeln sie von alleine eine natürliche Art, schwimmen zu lernen“, ist Staubs Erfahrung mit den eigenen Kindern. „Meine blieben im Nichtschwimmerbecken zunächst nur an einer Stelle, später begannen sie im Wasser zu laufen, zu hangeln, zu springen und zu rutschen. Dann kam das Schweben und sehr viel später das Fortbewegen.“ Dass das Schwimmenlernen bei guten Bedingungen manchmal wie von selbst funktioniert, erleben auch Eltern, die mit ihrem Nachwuchs zwei Wochen am Hotelpool verbringen. „Da heißt es oft: Nach unserem Urlaub auf Mallorca, da konnte sie plötzlich schwimmen.“

Mehr zum Thema Schwimmen auf KÄNGURU:

Wassergewöhnung für die Kleinen: Babyschwimmkurse in und um Köln

Stadreporterin Norea lernt schwimmen: Wir machen das Seepferdechen!

Was tun im Notfall? Ertrinken – Rechtzeitig erkennen und handeln

Service

Aqualand
Innen- und Außenbereich, große Rutsche, Planschbecken für Kinder
Merianstr. 1, 50765 Köln
Tel. 0221 – 70 28-0

Aqua-Vital
Bismarckstr. 125
51373 Leverkusen
Tel. 0214 – 868 40 38

Baby-Schwimm-Oase
Die Baby-Schwimm-Oase bietet zahlreiche Baby- und Kleinkindkurse an verschiedenen Standorten an und trägt spielerisch zur Wassergewöhnung bei.
Bonner Str. 242
50968 Köln
Tel. 0221 340 50 56

Bonner Bäder (Stadt Bonn)
Tel. 0228 – 77 32 24
schwimmen@bonn.de

KölnBäder GmbH
12 Bäder mit unterschiedlichen Kursangeboten im gesamten Stadtgebiet

Krieler Welle
Schwimmen lernen für alle Altersgruppen in kleinen Gruppen mit ausgebildeten Lehrern, außerdem Babyschwimen und Sauna
Krieler Str. 15,
50935 Köln
Tel. 0221 – 430 47 47

mas Institut für ganzheitliches Training
Mit Schwimmbad und Wasserkursen für Kinder
Klosterstr. 79
50931 Köln

PraeVita
Unter der Anleitung speziell ausgebildeter Trainer machen Babys und Kinder spielerisch erste Erfahrungen mit dem Wasser und lernen schwimmen.

Dreifaltigkeitskrankenhaus
Aachener Str. 443-445
50933 Köln
Tel. 0221 - 356 81 12

Gustav-Heinemann-Haus
Waldenburger Ring 44
53119 Bonn
Tel. 0228 - 289 707 83

Schwimmschule Sharky
Sharky bietet an verschiedenen Standorten Schwimmkurse für Kinder aller Altersstufen.

Hertzstr. 2
50859 Köln (Lövenich)

Bernhard-Feilchenfeld-Str. 3-5
50969 Köln (Zollstock)

Horbeller Str. 1
50858 Köln (Marsdorf)

Am Schloss 6
51429 Bergisch Gladbach

Aggua Troisdorf
Aggerdamm 22
53840 Troisdorf
Tel. 02241 – 98 45-0

HallenFreizeitBad Bornheim
Rilkestr. 3
53332 Bornheim
Tel. 02222 – 371 65 33 32

KarlsBad
Kurfürstenstr. 40
50321 Brühl
Tel. 02232 – 702-270

Tags: