Bewegung

Schwimmen lernen

Angelika Staub · 04.03.2015

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© Laoshi/iStockPhoto.com

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Nur jedes zweite Kind unter zehn Jahren lernt in Deutschland schwimmen. Wasser wird dadurch zu einer Gefahr für Gesundheit und Leben. Dabei ist Schwimmenlernen gar nicht so schwer und macht auch noch Spaß.

Zu Hause in der Badewanne planschen, im Schwimmbad tauchen, springen oder schwimmen: Die meisten Kinder lieben Wasser. Das weiche Naturelement macht scheinbar schwerelos und verlockt zu spannenden Experimenten. Wasser birgt allerdings auch Gefahren. Um Unfällen im Spiel am oder im Wasser vorzubeugen, laden zahlreiche Bäder der Region zu Kinder-Schwimmkursen ein. Wie das Hardtbergbad in Bonn-Duisdorf, wo kleine Wasserratten für das Abzeichen „Seepferdchen“ trainieren.

Übungen im Lehrschwimmbecken

Freitag, 15.40 Uhr: Wie Frösche sollen Bastian, Nora und die drei anderen Kinder ihre Beine bewegen. Bäuchlings liegen sie in einer Reihe auf dem Wasser, vor der breiten Treppe des Lehrschwimmbeckens. Auf den Stufen stützen sie sich ab. Hinter ihnen im Wasser steht Kursleiterin Jessica Hilbig. Sie trägt einen blauen kurzärmeligen Neoprenanzug und beobachtet die Reihe. Konzentriert und gleichmäßig ziehen die fünf- bis siebenjährigen Schwimmschüler die Beine an, spreizen sie schließlich weit zur Seite und strecken sie dann wieder aus. Die Kinder üben den Beinschlag im Brustschwimmen. Sie wollen in wenigen Wochen das „Seepferdchen“ machen: vom Beckenrand ins Wasser springen, 25 Meter schwimmen und einen Gegenstand mit den Händen aus schultertiefem Wasser hochholen. Wer das schafft, kann sich auf weitere Abzeichen freuen: in Bonn erst auf den „Seeräuber“, dann auf Bronze, Silber und Gold.

Lernen in kleinen Gruppen

Hilbig erwartet noch ein weiteres Kind. Mit ihm wäre ihre sechsköpfige Gruppe vollzählig. Da stürmt endlich ein kleiner Junge in Badehose herein, ihm dicht auf den Fersen eine barfüßige Frau in Straßenkleidung. Der Sprössling will gleich zu den anderen Schwimmschülern ins Wasser hüpfen. Hilbig kann ihn gerade noch davon abhalten: „Erst duschen!“, ruft sie ihm freundlich zu. Der Junge dreht ab und kehrt später tropfnass zurück. Rechtzeitig, um sich wie die anderen mit farbigen Poolnudeln und Schwimmbrettern im niedrigen Becken warm zu schwimmen. Überall ragen nun die Enden der flexiblen „Nudeln“ aus dem Wasser empor – dazwischen Schultern und konzentrierte Kindergesichter.

Disziplin ist wichtig

Ruhig und freundlich führt Hilbig durch den 45-minütigen Kurs. Es ist der zweite von zehn Übungsnachmittagen. Auch Bastian, der das „Seepferdchen“ schon geschafft hat, bekommt von der Übungsleiterin noch den einen oder anderen Tipp. Er solle im Wasser noch sicherer werden, hat sein Vater vorher in der Umkleidekabine erzählt. „Außerdem braucht er Action und muss beschäftigt werden.“ Nun wartet Bastians Papa draußen auf der Bank in der Eingangshalle. Pro Unterrichtseinheit bezahlt er für seinen Sohn eine Gebühr von 10,20 Euro – inklusive Eintritt. Bastian lächelt. Schon den ganzen Tag hat er sich auf das Tauchen gefreut.

Nun ist es so weit. Am Beckenrand wartet er im brusttiefen Wasser auf seinen Einsatz. Nur nacheinander dürfen die Kinder zu Hilbig in die Mitte schwimmen oder hüpfen und nach einem gelben Ring tauchen. Mal früher, mal später lässt die Kursleiterin den Gegenstand los. Nora lernt, dass sie die Arme stärker nach unten drücken soll. Die Fünfjährige nickt und taucht sogleich wieder ab. Dann kehrt sie diszipliniert an den Rand zurück. Die Bademeister am Beckenrand sind bei den Tauchübungen besonders wachsam. Das Lehrschwimmbecken ist nur 65 bis 109 Zentimeter tief. Trotzdem können auch dort Ertrinkungsunfälle passieren.

Schulen gehen vor

Ilka Wannhoff erscheint am Beckenrand. Die Mitarbeiterin vom Sport- und Bäderamt organisiert die Schwimmkurse und schaut heute mal im einzigen Hallen- und Freizeitbad der Stadt vorbei. Zufrieden erklärt sie: Die Anmeldezahlen seien seit Jahren konstant. Rund 75 bis 80 Kinder-Schwimmkurse finden in Bonn jährlich statt, davon rund 50 Seepferdchen-Kurse. Die meisten Kursteilnehmer sind zwischen acht und zwölf Jahre alt. Sie nehmen das Angebot als eine Art Nachhilfeunterricht wahr, um spätestens an der weiterführenden Schule im Schwimmen mitzuhalten. Wannhoff erklärt: Der Unterricht in der Grundschule sei nicht schlecht, jedoch unterrichteten in der Primarstufe keine ausgebildeten Sportlehrer. Insofern hänge die Qualität im Schwimmunterricht von jedem einzelnen Lehrer ab. An Wannhoff und ihren Kollegen soll das Schulschwimmen nicht scheitern: „In der Belegung von Schwimmbädern haben die Schulen in Bonn immer Vorrang.“ Wannhoff nickt der Kursleiterin freundlich zu und geht weiter zu den Bademeistern.

Ins Tiefe

Im Lehrschwimmbecken am Hardtberg ruft Hilbig: „Nun nehmt eure Handtücher und Bademäntel mit und geht ganz langsam zur Wärmebank.“ Sie zeigt auf die lange Bank, die para-llel zum großen Sportbecken verläuft. Noch zieht im abgesperrten Bereich ein muskulöser Schwimmer seine Bahnen. Er lässt sich aber nicht lange bitten und taucht jenseits der rot-weißen Trennleine wieder auf. Hilbig steigt über die Leiter am Beckenrand ins Wasser und ruft die Kinder wieder einzeln zu sich. In Hilbigs Begleitung üben sie - bestenfalls ohne Hilfsmittel – einige Meter im großen Becken zurückzulegen. Unter ihnen sorgen Strahler für helle Lichtkegel im Wasser. Draußen hat die Dämmerung eingesetzt. Auf der Wärmebank wartet – eingemummelt in große Duschtücher oder Bademäntel – die restliche Gruppe. Immer wieder schaut die Bademeisterin bei den wartenden Kindern vorbei und hilft nach, wenn sich der wärmende Stoff verschoben hat.

Nora eröffnet den zweiten Durchgang im tiefen Wasserbecken. Sie dreht beim Schwimmen immer wieder den Kopf zur Seite. Die Fünfjährige ist neugierig, will sehen, was sich links im und rechts am Wasser tut. Hilbig korrigiert sie freundlich. Danach eilt Nora in Richtung Umkleidekabinen. Dort wartet schon ihre Mutter: „Nora ist supergern im Wasser, hat gleich aber noch Musikschule“, erzählt sie. Wenige Minuten später ist auch für die anderen Kinder Schluss. Hilbig verabschiedet sie: „Nächste Woche habt ihr keinen Kurs, könnt aber mit Papa oder Mama trotzdem hierher kommen.“ Wenig später folgen ihr dicht hintereinander fünf Kinder zu den Duschen. Die Bademeister ziehen die beiden Trennleinen ein. Der Schwimmbetrieb im Hardtbergbad geht weiter.

Im Experteninterview mit Schwimmlehrerin Jessica Hilbig aus Bonn erfahrt ihr noch mehr zum Thema.

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