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Betreuung

Besuch im Waldkindergarten

Anja Janßen · 28.05.2015

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Klettern im Wald © Anja Janßen

Klettern im Wald © Anja Janßen

Wer kichert da im Baumwipfel? Was wispert im Gebüsch? Im Waldkindergarten können Kinder fernab vom Großstadttrubel ganz ursprünglich spielen – ein Grundgedanke, der auch für andere Kitas wegweisend sein kann.

Im hohen Bogen fliegt der Laserwurfstern durch die Luft. Tim* rennt zur Absturzstelle, wirft ein zweites Mal und trifft. Der Laserwurfstern ist nichts anderes als ein kurzer Stock und Tims Gegner sind hoch gewachsene Laubbäume, die gerade in voller Frühlingspracht stehen. Tim gehört zu den „Waldstrolchen“ am Forstbotanischen Garten, einem von rund sechs Waldkindergärten in Köln. Das Konzept der zweigruppigen Kita: Kinder und Erzieher halten sich den ganzen Tag im Wald auf – zu jeder Jahreszeit.

Jetzt, während der Osterferien, ist wenig los bei den Waldstrolchen. Zwölf Kinder machen sich in Richtung „Piratenwald“ auf, so haben sie ein kleines Waldstück nahe der Schillingsrotter Straße getauft. Sie sind mit wasserabweisenden Hosen und Jacken, Mützen und festem Schuhwerk ausgestattet. Wer hier aus welchem sozialen Milieu stammen könnte, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Denn alle tragen Matschsachen und dürfen dreckig werden. Star Wars- und Lillifee-Spielzeug bleiben zu Hause, jeder bringt nur das Nötigste mit.

Die Waldstrolche: immer draußen

Auch Enno, mit seinen drei Jahren der Jüngste, trägt seinen Rucksack schon selbst auf dem Rücken. Immer im Gepäck: Wechselkleidung, Handtuch, Brotdose und eine Sitzmatte für die Frühstückspause oder den Lesekreis in freier Natur. Erzieher Kai zieht zusammen mit einigen Kindern einen Bollerwagen über den holprigen Waldboden. Darin befinden sich Decken, ein Wassersack fürs Händewaschen, ein Erste-Hilfe-Kasten, ein Buch und eine Gitarre.

Die Waldstrolche sind immer draußen. Nur bei Minus-Temperaturen frühstücken die beiden Gruppen in ihren Bauwagen. „Gegen Kälte setzen wir aber vor allem auf Zwiebellook und mehr Bewegung“, sagt Erzieherin Sabrina Schwarz. Natürlich haben neue Eltern oft die Sorge, dass sich die Kinder erkälten könnten. „Aber ich habe den Eindruck, dass die Kinder durch das viele Draußensein seltener krank sind.“ Sabrina trägt braune Chucks und zerschlissene Jeans. Sie hat schon in verschiedenen Hauskindergärten und in einem Kinderheim gearbeitet. Dass ihr Weg sie in einen von Eltern gegründeten Waldkindergarten geführt hat, wurzelt in ihrer kritischen politischen Haltung. „In den sozialen Bereich wird zu wenig investiert“, sagt sie. „Ich habe viele Konzepte ausprobiert und überall mangelt es an Personal. Das war nichts für mich.“

Die Ruhe: kein Vergleich zu konventionellen Kindergärten

Hier bei den Waldstrolchen ticken die Uhren anders. Das beginnt beim Toilettengang in freier Wildbahn und gipfelt in einer Ruhe, die zum Gruppenlärm konventioneller Kindergärten kein Vergleich ist. Zwölf Kinder in einem Raum können nicht nur für Erwachsene, sondern auch für die Kinder selbst zur akustischen Belastungsprobe werden. Im Wald hingegen ist die Geräuschkulisse eine völlig andere. Vögel zwitschern und von der fernen Hauptstraße sind gleichmäßige Motorengeräusche zu hören. Der sechsjährige Robert* klopft mit einem Hammer an einem umgestürzten Baum; Erzieher Kai erklärt leise, wie er aus einem Seil zwischen zwei Stämmen ein Klettergerüst knotet; zwei Mädchen sitzen auf dem Waldboden und zanken; in einem Baum kichert es.

Die Kinder scheinen eins zu sein mit ihrer Umgebung. Es gibt kein „Dauer-Ermahnen“, kein Spielzeug, das aufgeräumt werden muss, keine Wände, Tische und Stühle, die den Bewegungsdrang einschränken. Die Kinder dürfen und sollen Waldläufer und Klettermaxe sein. Sabrina Schwarz hat hier gute Erfahrungen mit einem Jungen mit Verhaltensauffälligkeiten gesammelt. „Die Bewegung, unsere festen Rituale und die entschleunigten Reize tun ihm sehr gut“, erzählt sie.

Mit Entschleunigung meint Sabrina Schwarz nicht nur den Alltag. Kinder sind heute hohen Leistungsansprüchen ausgesetzt, müssen Sprachtests bestehen und sollen möglichst früh Fremdsprachen lernen. Auch hier möchte der Waldkindergarten bewusst von Druck befreien. „Wir sind kein Aktionskindergarten, sondern setzen Impulse“, so die Erzieherin. Natürlich füllt sie Reflexionsbögen über die Entwicklung der Kinder aus. Sie lernen zu zählen und singen Lieder, es gibt Kreativangebote mitten im Wald wie Maltafeln, Speckstein und Ton. Aber die Kinder durchlaufen keine gezielten Förderprogramme. Die Lust, einen Buchstaben in die Erde zu kratzen, soll von ihnen selbst kommen.

Kosten und Abholzeiten müssen sich Eltern leisten können

Ein pädagogisches Konzept, das von den Eltern auch Loslassen erfordert. Loslassen von Zukunftsängsten und Leistungsgedanken. Überhaupt sind Eltern bei den Waldstrolchen anders gefordert. Wer sein Kind in der privaten Kita anmelden möchte, muss nicht nur tiefer in die Tasche greifen als in einem staatlichen Kindergarten. Die Elterninitiative organisiert sich selbst. Hier springen Mütter und Väter ein, wenn eine Erzieherin im Urlaub oder erkrankt ist. Auch die Abholzeiten müssen sich die Familien „leisten“ können. Spätestens um 14.30 Uhr treten alle Kinder den Heimweg an. Und sollte ein Wolkenbruch den Aufenthalt im Wald unmöglich machen, gibt es nur eine Notgruppe.

Eine Ganztagsbetreuung für Kinder beruflich voll ausgelasteter Eltern scheitert derzeit an einem rechtlichen Problem. Die Waldstrolche bräuchten für einen Ganztagsbetrieb eine Hütte, in der sich die Kinder auch einmal ausruhen könnten. Allerdings bekommt die Kita auf dem Gelände keine Baugenehmigung. Aber wer weiß, vielleicht wären die Waldstrolche mit einem Haus irgendwann auch nicht mehr das, was sie jetzt sind: ein Fleck, auf dem sich Kindheit vielleicht ein bisschen so anfühlt, wie sie früher einmal war. Auch wenn das Konzept so nicht für jede Familie realisierbar ist – der Grundgedanke, Kindheit zu entschleunigen und zu bewahren, ist wegweisend für die vielen Kitas, die Köln braucht.

*alle Kindernamen geändert

SERVICE

Information:

Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland e.V.
Tel. 0431 – 71 14 46

Köln

amares – Naturkindergarten
im Stadtwald: Marcel-Proust-Promenade 10, 50935 Köln
am Fühlinger See: Neusser Landstr. 42, 50679 Köln

Dellbrücker Waldkäuzchen
Waltherstr. 80, 51069 Köln, Tel. 0221 – 88 86 99 97

Waldkindergarten „Waldstrolche“ am Forstbotanischen Garten e.V.
Tel. 0175 – 575 73 44

Waldwichtel e.V. - Waldkindergarten Köln-Brück
Tel. 0221 – 890 16 61

Waldzwerge e.V.
im Grüngürtel nahe des Decksteiner Weihers
in Köln-Lindenthal, Tel. 0177 – 168 61 64

 

Umland

AWO Waldkindergarten Burscheid

AWO-Waldkindergarten Kupfersiefen
Im Pannenhack 97a, 51503 Rösrath, Tel. 02205 – 90 88 57

Die Kleinen Molche - Waldkindergarten Brühl
Liblarer Str. 185, 50321 Brühl

Naturkindergarten Eulennest e.V.
Hackenbroicher Weg, 50259 Pulheim-Stommelerbusch

Waldkindergarten Dormagen
Im Tannenbusch, 41540 Dormagen, Tel. 02133 – 82 60 10

Waldkindertagesstätte Knechtsteden e.V.
Tel. 02133 – 53 40 57

Waldkindergarten Waldkönige
Alte Aachener Str. 33, 50226 Frechen

Waldspielgruppe Wanderraupen LohmarZwei Gruppen für Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren, die an mehreren Tagen pro Woche im Wald spielen. Tel. 02246 – 208 47 95

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