Rund ums Baby

Schwanger und renovieren

Anja Janßen · 01.10.2014

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Weil sich das Immunsystem von Kindern noch entwickelt, reagieren sie besonders sensibel auf Schadstoffe. So kann schon eine Renovierung während der Schwangerschaft das Allergierisiko steigern. Deshalb ist in dieser Zeit besondere Vorsicht geboten.

Renovierungsaktivitäten in der Schwangerschaft können das Allergierisiko von Kindern steigern. Das bestätigen zwei Studien des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig. Wurden in der Schwangerschaft vor allem neuer Bodenbelag mit PVC verlegt und neue Möbel mit Spanplatten aufgestellt, wiesen Neugeborene im Nabelschnurblut eine erhöhte Anzahl an allergiefördernden Immunzellen auf.

Unfertiges Immunsystem

Die beobachteten Zusammenhänge sind nicht zwingend, das heißt, nicht jedes Kind entwickelt automatisch eine Allergie, wenn die Eltern im Vorfeld renovieren. Allerdings zeigt die Studie, dass Kinder auf Schadstoffe viel sensibler reagieren als Erwachsene. Der Grund: Das kindliche Immunsystem befindet sich noch in der Entwicklung und ist erst mit dem dritten bis vierten Lebensjahr ausgereift. So erwiesen sich in der Studie zwar viele Kinder, nicht aber ihre Mütter als belastet.

Die frühkindliche Zeit scheint für die weitere gesundheitliche Entwicklung eines Kindes entscheidend zu sein. „Wir glauben, dass die vorgeburtliche Phase und die Zeit unmittelbar nach der Geburt verantwortlich dafür sind, ob sich später Allergien entwickeln oder nicht“, sagt Professor Dr. Peter Mallmann, Direktor der Frauenklinik der Uniklinik Köln.

Was bedeutet das nun für die Renovierung? Dr. Gunda Herberth vom Helmholtz-Zentrum empfiehlt, erst ab dem dritten oder vierten Lebensjahr des Kindes zu renovieren – nämlich dann, wenn das Immunsystem ausgereift ist. Doch ist das realistisch? Für Eltern, die vorher renovieren möchten – und das dürfte auf einen großen Teil zutreffen – empfiehlt Herberth: Schwangere Frauen sollten sich an der Arbeit nicht beteiligen, das Zimmer sollte zudem mehrere Monate vor der Geburt auslüften.

Das entspricht auch den Empfehlungen der Vereinigung „Women in Europe for a Common Future“, kurz WECF. Der Verband setzt sich für eine schadstofffreie Umwelt ein und informiert auf seiner Online-Plattform „Nestbau“ Eltern zu den Themen biologisch verträgliches Renovieren und schadstoffarme Einrichtung.

Ökologische Renovierung

Professor Mallmann von der Uniklinik Köln betont die Wichtigkeit einer „ökologischen Renovierung“. Eine schwangere Frau könne mit biologisch verträglichen Produkten wie lösungsfreien Farben durchaus auch streichen. Bereits im Vorfeld der Geburt, also beim Einzug in eine neue Wohnung, sei im Interesse des Kindes auf ökologische Verträglichkeit zu achten. Denn häufig schlafen Kinder aus Sorge vor Zugluft bei geschlossenem Fenster. Das aber steigert wiederum die Schadstoffbelastung.

Fazit: (Werdende) Eltern sollten bei der Renovierung besonders vorsichtig sein und sich gründlich informieren, welche Produkte sie ins Kinderzimmer lassen.

TIPPS

Raumwahl

  • Die häufigste Ursache für gesundheitliche Probleme sind Hausstaubmilben, Schimmel, Tabakrauch und Formaldehyd. Letzteres findet sich häufig als Bindemittel in Spanplatten.
  • Tipp: Eltern sollten für das Baby ein Zimmer wählen, das gut zu lüften und frei von Schimmel ist.

Bodenbeläge / Teppiche

  • Laminat ohne Formaldehyd oder PVC und Weichmacher nutzen.
  • Teppich mit Umweltzeichen verwenden. Kokos, Sisal und Binsen sind oft schadstoffarm. Baumwolle kann Rückstände von Pestiziden und Farbe enthalten.

Textilien und Matratzen

  • Textilien vor Gebrauch waschen
  • Matratzen vor Gebrauch lüften

Wände und Holz

  • Farben ohne Lösungsmittel und Biozide einsetzen. Letztere können beispielsweise in Anti-Schimmel-Farbe vorkommen.
  • Papier-, Acryltapeten und wasserlöslichen Tapetenkleister nutzen. Keine Tapeten mit PVC und Weichmachern verwenden.
  • Tipp: Putz und Farbe lassen Feuchtigkeit durch und beugen Schimmel vor.