Rund ums Baby

Gute Beratung zu Pränataldiagnostik

Anja Janßen · 12.03.2015

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© pexels.com

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Wie sieht eine gute Beratung bei Pränataldiagnostik aus? Die Medizinerin Professor Dr. Christiane Woopen ist Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und spricht mit KÄNGURU über das Thema.

Neue Methoden der Pränataldiagnostik schaffen nicht nur mehr Möglichkeiten; nach bestimmten Untersuchungen stehen manche Eltern vor der existentiellen Frage, ob sie ihr Kind überhaupt zur Welt bringen wollen. Eine adäquate Beratung dieser Paare beginnt eigentlich schon lange, bevor sie das Untersuchungsergebnis in den Händen halten, findet Professor Dr. Christiane Woopen, Medizinerin und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats.

KÄNGURU: Sie führen Studien zur Beratungssituation von Eltern zum Thema Pränataldiagnostik durch. Was konnten Sie bisher feststellen?

Professor Dr. Christiane Woopen: Die eine Pränataldiagnostik gibt es nicht – damit fängt die Herausforderung für die Beratung schon an. Es gibt viele verschiedene Formen von vorgeburtlicher Diagnostik, die auch unterschiedliche Ziele verfolgen: Entweder geht es darum, herauszufinden, ob irgendeine medizinische Maßnahme erforderlich ist, um die Gesundheit des Ungeborenen oder der schwangeren Frau zu schützen. Es kann aber auch darum gehen, eine Behinderung oder Fehlentwicklung bei dem Kind festzustellen, die nicht behandelbar ist. Dadurch kann die Frage entstehen, ob die Frau und ihr Partner sich in der Lage sehen, das Kind später zu versorgen. Die Frage nach einem möglichen Schwangerschaftsabbruch löst in der Regel einen schweren Konflikt aus, der mit hohen und zuweilen auch langfristigen Belastungen einhergehen kann. Bei der Beratung muss man zwischen der ärztlichen und der psychosozialen Beratung in einer unabhängigen Beratungsstelle unterscheiden.

In unseren Studien haben wir festgestellt, wie wichtig es gerade bei den konfliktträchtigen Formen der Pränataldiagnostik ist, dass Ärzte und psychosoziale Beraterinnen zusammenarbeiten und ihre jeweiligen Kompetenzen in die Beratung der Frau und des Paares einbringen. Am besten beginnt dieser Prozess schon vor der Untersuchung bei der Entscheidung, ob eine Diagnostik überhaupt durchgeführt wird. Besonders wichtig aber werden beide Formen der Beratung im Falle eines auffälligen Befundes beim Ungeborenen.

Gute Beratung: Ärzte und psychosoziale Berater an der Seite der Eltern

Wie wirkt sich mangelnde Beratung auf die betroffenen Eltern aus?

Eine fehlende oder eine schlechte Beratung lässt die Frau und das Paar in ihrem Konflikt, ob sie sich für das Austragen oder den Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, allein. Manchmal wird darüber hinaus ein Zeitdruck aufgebaut, was zu voreiligen Entscheidungen aus einer Schocksituation herausführt. Manche bereuen ihre Entscheidung dann später, was bei einer solch existenziellen Bedeutung langfristig schwer belasten kann. Oder sie gestalten im Falle eines Schwangerschaftsabbruchs den Abschied von ihrem Kind nicht auf eine Art, die ihnen eine gute Verarbeitung des Geschehenen ermöglicht.

Was macht eine gute Beratung über Pränataldiagnostik aus?

Eine gute Beratung kombiniert die Kompetenzen von Ärzten und von psychosozialen Beraterinnen. Sie ist ergebnisoffen, geht auf die individuelle Situation der schwangeren Frau und ihres Partners ein und eröffnet Perspektiven, ohne zu verurteilen. Sie gibt Zeit, erfolgt in der Regel an mehreren Terminen, gibt die erforderlichen Informationen in verständlicher Weise und reflektiert sie gemeinsam mit dem Paar in der jeweiligen Bedeutung für ihre Situation.

Welche Maßnahmen müssten ergriffen werden, um diese Verbesserungen durchzusetzen?

Hier ist durch die Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes schon viel geschehen, da Ärzte nun mit psychosozialer Beratung viel enger zusammenarbeiten müssen. In der alltäglichen Beratungspraxis gibt es gleichwohl noch Verbesserungsmöglichkeiten. Manche davon setzen an institutionellen Voraussetzungen an, andere an indivuellem Engagement. Ausreichend Zeit und individuelles Einfühlungsvermögen scheinen mir hier die wesentlichen Herausforderungen zu sein. Wir haben in unserer Studie zum Schwangerschaftskonfliktgesetz dazu eine ganze Reihe von Empfehlungen entwickelt, die Sie beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finden.

Vielen Dank für das Interview.

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