Rund ums Baby

Alternative Medizin während der Schwangerschaft

Ursula Katthöfer · 05.01.2015

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Foto: Pexels

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Jede Frau, die ein Baby erwartet, wünscht sich eine entspannte Geburt. Doch wenn der kleine Mensch sich ans Licht kämpft, gehören Schmerzen dazu. Die Frage ist, wie wir diesen Schmerzen begegnen und uns darauf vorbereiten.

Alternative Heilmethoden können helfen, Schwangerschaft und Geburt bewusst zu erleben und auch die weniger schönen Momente anzunehmen. Frauen, die auf starke Schmerzmittel und Narkosen verzichten möchten, finden dazu viele Möglichkeiten. Ursula Katthöfer stellt bekannte und weniger bekannte Methoden vor.

Homöopathie

Die Homöopathie ist eine medizinische Wissenschaft. Sie basiert auf dem Prinzip, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Anders gesagt: Unverdünnt würden homöopathische Mittel genau die Beschwerden auslösen, gegen die sie helfen. Über 200 Mittel stehen zur Verfügung. So helfen Nux moschata, Pulsatilla und Sepia gegen Schwangerschaftsübelkeit. Andere Mittel unterstützen die Wehen oder beruhigen. Auch Milchstau, wunde Brustwarzen und weitere Stillprobleme lassen sich homöopathisch behandeln. Allerdings sollten Schwangere die Globuli, die Darreichungsform homöopathischer Mittel, nicht selbst dosieren und schlucken. Homöopathen und homöopathisch ausgebildete Hebammen machen sich immer ein Bild von der Patientin und ihren individuellen Symptomen, bevor sie sich für das Mittel der Wahl entscheiden.

Bachblüten

Die Bachblütentherapie geht auf Dr. Edward Bach zurück. Er vertrat um 1930 die Ansicht, dass Krankheiten auf einen Konflikt zwischen Seele und Verstand zurückzuführen sind. Um negative Seelenzustände zu harmonisieren, setzte er 38 unterschiedliche Bachblüten-Essenzen ein. Sie werden als Konzentrat hergestellt, in einem Fläschchen aufbewahrt, tropfenweise mit Wasser vermischt und über den Tag verteilt geschluckt. Während der Schwangerschaft werden Bachblüten vor allem eingesetzt, um Seelenzustände der Frau zu harmonisieren: Pine ist gut für Frauen, die sich wegen ihres Perfektionismus selbst im Weg stehen. Holly hilft, wenn Hassgefühle gegenüber dem Partner entstehen. Und Olive nimmt die extreme Erschöpfung. Auch hier empfiehlt es sich, vor der Therapie ärztlichen Rat einzuholen.

Aromatherapie

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Diese Heilmethode wirkt durch die Nase oder über die Haut. Ätherische Aromaöle fördern das Wohlgefühl der Schwangeren, sei es als Zusatz in der Duftlampe, als Kompresse, Bade- oder Massageöl. Über die Nase wirken die Aromaöle besonders schnell, denn jeder Duft erreicht direkt unser Gehirn. Über die Haut dauert es etwa eine Stunde, bis das Öl in die Blutbahn gelangt. Die Öle helfen gegen Übellaunigkeit, Anstrengung und körperliche Beschwerden.Aus manchen Kreißsälen sind sie nicht mehr wegzudenken. So fördert ein Uterusöl mit Marokkanischer Rose, gelbem Jasmin, Muskatellersalbei und Ylang Ylang die Wehentätigkeit. Schafgarbe wird für die spätere Wundheilung genutzt, Geranie aktiviert die Neubildung von Schleimhautgewebe, Lavendel wirkt schmerzlindernd.

Schüßler-Salze

Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüßler stellte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Lehrsatz auf, dass alle Krankheiten auf dem Mangel an Mineralstoffen beruhen. Um diese Mängel zu beheben, begründete er die „Biochemische Heilweise“ und setzte die nach ihm benannten Mineralsalze ein. Heute werden die Schüßler-Salze genutzt, um Fruchtbarkeit und Empfängnis zu fördern, Schwangerschaft und Geburt zu erleichtern und die Stillzeit zu begleiten. So unterstützt die Nr. 7 die Wehenbildung und hilft, den Heißhunger auf Süßes zu regulieren. Auch ist sie das Mittel gegen Krämpfe. Die Nr. 9 wird während der Schwangerschaft gegen Sodbrennen und Blähungen eingesetzt. Sie gilt außerdem als Mittel gegen Impotenz und Unfruchtbarkeit. Die Schüßler-Salze sind als Tabletten, die sich in Wasser auflösen lassen, erhältlich.

Ayurveda

Das indische Wort Ayurveda steht für „das Wissen vom langen Leben“. Dieser Lehre zufolge kommt jeder Mensch mit einer bestimmten Konstitution zur Welt. Diese basiert auf den Doshas, die wiederum aus dem Verhältnis der fünf Elemente Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde bestimmt werden. Für schwangere Frauen empfiehlt die ayurvedische Medizin eine Ernährung aus frischen Zutaten, die schmackhaft gewürzt sein dürfen. Fertiggerichte oder Tiefkühlkost hingegen sind tabu, da sie keine Lebensenergie enthalten. Als Getränk dient warmes Wasser, das mindestens zehn Minuten gekocht wurde. Das wirke entschlackend und erneuere den Organismus. Auch Milch darf nicht fehlen. Gegen Übelkeit helfe in einem Mörser gemahlener Kardamom, gegen Schlafstörungen eine heiße Milch mit etwas Muskat.

Haptonomie

Über die Haptonomie, auch Lehre der Berührung, lernen werdende Eltern ihr Kind bereits im Mutterleib kennen. Indem sie ihre Hände auf den Kugelbauch legen, spüren sie ihr Kind, wenden sich ihm bewusst zu und bauen eine emotionale Beziehung auf. Das Kleine wiederum kuschelt sich gern an die warme Stelle, auf der die Hände liegen. Die haptonomischen Übungen werden in Kursen vermittelt. Sie können frühestens erlernt werden, wenn die ersten Kindsbewegungen spürbar sind. Ein guter Zeitpunkt ist die 24. Schwangerschaftswoche. Die Methode eignet sich gut für Väter, die eine enge Beziehung zu ihrem Baby aufbauen möchten. Auch sie können mit der Zeit durch das Auflegen der Hand erfahren, ob ihr Kind etwa müde oder unternehmungslustig ist.

Shiatsu

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Die Wurzeln des Shiatsu liegen in der traditionellen fernöstlichen Medizin. Ähnlich der Akupunktur betrachtet Shiatsu die Energiebahnen (Meridiane), die den Körper durchziehen. Wörtlich übersetzt heißt es „Finger-Druck“. Eine Shiatsu-Behandlung beinhaltet unterschiedliche Druck-, Atem- und Dehnungstechniken.
Während der Schwangerschaft spielen der Nieren-Meridian als Sitz der Ur-Energie und der Blasenmeridian am Rücken eine besondere Rolle. Sie werden bei dieser manuellen Therapie besonders angesprochen, damit sich Spannungen lösen und Selbstheilungskräfte regen. Bei regelmäßiger Therapie steigert sich die Beweglichkeit, der Atem wird ruhiger, Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen lassen nach. Da Berührung unter die Haut geht, erlebt auch das Baby die heilsame Kraft.

Kinesiotaping

Die bunten Bänder fallen auf: Mit etwas Spannung auf Schulter, Rücken oder Kniescheibe geklebt, lindern die Tapes vor allem Muskelschmerzen und Verspannungen. Der Gedanke dahinter: Die Haut erfährt einen Reiz, der über die Nerven positiv auf Muskeln und Organe wirkt. Während der Schwangerschaft können Tapes die Bauch- und Rückenmuskulatur entlasten. Bei Übelkeit stimuliert der sanfte Druck des Bandes bestimmte Akupunkturpunkte, die den Magen stabilisieren. Die Tapes werden etwa eine Woche lang getragen. Da sie ohne Medikamente auskommen, ist diese Methode für Schwangere unbedenklich. Allerdings ist ihre Wirkung ganz individuell. Daher gilt: Hebamme fragen und ausprobieren. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

HypnoBirthing

HypnoBirthing ist eine Mischung aus Tiefenentspannung und Selbsthypnose. Ziel ist, während der Geburtsvorbereitung eine tiefe Bindung zum Kind aufzubauen und darüber Angst und Anspannung abzubauen. Denn Frauen, die selbstbewusst und zuversichtlich in die Geburt gehen, entbinden den Anbietern zufolge zügiger und mit weniger Schmerzen als andere. Das tue auch dem Baby gut. Es bekomme mehr Sauerstoff und sei nach der Entbindung ruhiger. HypnoBirthing wird in Kursen vermittelt. Es gehört zur Philosophie, dass der Vater bei dieser Methode eine aktive Rolle einnimmt. In Köln und Bonn haben sich inzwischen zahlreiche Kursanbieter niedergelassen. Es empfiehlt sich zu fragen, wo sie als Dozenten zertifiziert sind.

Osteopathie

Die Osteopathie (griechisch „ósteon“ für Knochen, „páthos“ für Schmerz) geht auf den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still (1828–1917) zurück. Er vertrat die Ansicht, dass nicht nur Muskeln und Skelett in Bewegung sind, sondern auch die Organe. Sei die Beweglichkeit eingeschränkt, könnten Krankheiten entstehen. Osteopathen erspüren mit sanften, tastenden Berührungen Funktionsstörungen im Körper. In der Schwangerschaft wird Osteopathie von der 12. bis 16. Woche empfohlen, um Verspannungen und Blockaden zu lösen und dem Kind Raum zu einer guten Entwicklung zu geben. Die Behandlungsmethode eignet sich auch für die Geburtsvorbereitung. Das Gewebe der Mutter kann schonend gedehnt werden, Beckenknochen und -muskeln werden vorbereitet. Das Baby findet eine gute Geburtsposition.

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