Familienleben

Interview mit Jan-Uwe Rogge

Thea Wittmann · 29.05.2018

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© Jan-Uwe Rogge

© Jan-Uwe Rogge

Dr. Jan-Uwe Rogge ist Familien- und Kommunikationsberater und Autor zahlreicher Bücher zum Thema Familie und Erziehung. Regelmäßig hält er Vorträge und ist als Experte zu Erziehungsfragen Gast im Radio und Fernsehen.

Worauf soll Erziehung unsere Kinder vorbereiten? „Auf nichts“, sagt Jan-Uwe Rogge. „Erziehung soll begleiten, nicht aufs Leben vorbereiten. Das ist doch schon das Leben.“

KÄNGURU: Um Kinder zu erziehen, brauchen Eltern kein Diplom und keinen Führerschein. Aber welche Voraussetzungen brauchen sie?

Dr. Jan-Uwe Rogge: Erziehung ist Vorbild und Liebe. Eltern sollen Haltepunkt und Reibebaum sein. Ein Modell, an dem sich Kinder orientieren und messen, mit dem sie sich auseinandersetzen können. Liebe heißt vor allem Selbstliebe, das heißt „Ich nehme mich so an, wie ich bin“. Auch meine blinden Flecken und Schwächen. Nur dann kann ich auch mein Kind so annehmen, wie es ist, ohne es besser machen zu wollen.

In den Erziehungsstilen gibt es Moden, zum Beispiel den antiautoritären Stil in den 70ern. Was ist heute die Basis?

Erziehen hat nichts mit „ziehen“ zu tun. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“, sagt ein ostasiatisches Sprichwort. Wir schauen also dem Grashalm beim Wachsen zu. Wir begleiten unsere Kinder. Dem Begriff „Erziehung“ ist ja das Wort „Beziehung“ sehr nah. Beziehung und Begleitung, das sind die Basics. Wenn ich eine Technik anwende, ein Rezept abspule, dann ist das seelenlos.

Es gibt zahlreiche Elternkurse. Was halten Sie von dieser Art des Trainings?

Erziehungskurse auf Basis eines individualpsychologischen Konsenses sind sinnvoll. Davon gibt es einige, etwa das Programm „Starke Eltern – Starke Kinder®“, das vom Deutschen Kinderschutzbund entwickelt wurde. Aber darüber hinaus gibt es ganz viele niedrigschwellige Angebote: Gesprächskurse, Gruppen in Familienbildungsstätten oder Vorträge an Volkshochschulen. Wichtig ist vor allem, dass die Eltern als kompetente Partner angenommen, dass sie nicht von Besserwissern belehrt werden und dass das die Inhalte alltagspraktisch sind.

Das Leben mit Kindern ist manchmal anstrengend und nicht wenige Eltern fühlen sich – zumindest zweitweise – damit überfordert. Wann ist es Zeit, nicht nur Freunde um Rat zu fragen, sondern sich an eine Beratungsstelle zu wenden?

Wenn ich fühle: Ich habe mich verrannt, ich bin in einer Sackgasse, aus der ich allein nicht herauskomme, dann ist eine Beratung hilfreich. Freunde und Verwandte können zuhören, sie sind aber nicht dazu da, Rat zu geben. Ein Profi hört anders hin und gibt auf dieser Basis Tipps. Er kann dazu anregen, Stellschrauben anders zu justieren und so Dinge zu verändern.

Danke für das Gespräch!

Unter www.jan-uwe-rogge.de findet ihr Erziehungstipps, Veranstaltungstermine und Jan-Uwe Rogges Blog.

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