Familienleben

Elterntraining – was bringt das?

Thea Wittmann · 29.05.2018

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Foto: privat

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Trudi Kühn, Geschäftsführerin des InSTEP Weiterbildungsinstitut in Düsseldorf, ist seit 20 Jahren auch Mitherausgeberin des STEP Elternbildungsprogramms. In Köln wird das STEP Konzept in der Kinder- und Jugendpädagogischen Einrichtung der Stadt angewandt. Seit 2001 bildet InSTEP Erzieher, Lehrer sowie Diplom- /Sozialpädagogen und Psychologen als Multiplikatoren aus. Thea Wittmann hat mit ihr über Elterntrainings gesprochen.

KÄNGURU: Frau Kühn, warum sollte ich zu einem Elterntraining gehen?

Trudi Kühn: Eltern erfahren, wie sie in schwierigen Situationen, die immer wieder „schief“ laufen, anders als bisher reagieren können – so dass der Familienalltag weniger stressig ist. Eltern müssen nicht perfekt sein. Sie sollen aber wissen, dass sie sich nicht hilflos oder gestresst zu fühlen brauchen. Im Elternkurs können sie lernen, effektiv zu ihrem und zum Wohl der Kinder zu handeln. Was mich an STEP fasziniert hat: Das Programm ist praktisch. Was Eltern im STEP Kurs lernen, können sie direkt anwenden. Es hilft nachhaltig, den Familienalltag zu entspannen, vor allem weil sich die Beziehungen innerhalb der Familie verbessern.

Und warum nehmen dann nicht alle Eltern an so einem Kurs teil?

Elternbildung ist noch nicht selbstverständlich. Dabei könnten sich im Kurs alle Eltern ihrer Stärken bewusst werden, dazulernen und Sicherheit gewinnen. Mit der Betreuung der Kinder in der Kita oder in der OGT verbinden viele: Hier findet die Erziehungsarbeit statt. Dass mein Kind von Fachkräften betreut ist, heißt aber nicht, dass ich aus der Verantwortung entbunden bin. Eltern geben ihren Kindern das meiste mit. Sie sind die wichtigsten Menschen im Leben der Kinder. Sie sind in der Pflicht, zu erziehen. Ich kann nicht sagen: „Mein Sohn ist schwierig. Machen Sie, dass der anders wird." Wenn ich möchte, dass sich etwas ändert, muss und kann ich das selbst tun. Wir beginnen, indem wir uns selbst anders verhalten als zuvor, dadurch ändern sich auch die Kinder.

Wie muss ich mir die einzelnen Treffen vorstellen?

Wir vermitteln Schritt für Schritt, wie wir anders als bisher handeln können und  greifen dazu Beispiele der Eltern auf: Wir „probieren“ die Situation aus und lassen Eltern in die Rolle des Kindes schlüpfen. Jedes Treffen steht unter einer anderen Überschrift, zum Beispiel „Grenzen setzen.“ Da geht es darum, Grenzen klar zu formulieren und innerhalb dieser Grenzen dem Kind eine Wahl zu lassen. Es darf bei der Wahl durchaus auch mitbestimmen. Zum Beispiel wird mit dem Kind vereinbart: „Du kannst jeden Tag zwei Stunden bei deinen Freunden sein. Kommst du zu spät nach Hause, gehst du einen Tag nicht zu deinen Freunden. Wir probieren es dann übermorgen nochmal. Du entscheidest.“

Das Kind hat die Wahl und lernt aus den Konsequenzen seiner Entscheidung: Wenn das Kind zu spät nach Hause kommt, dann hat es sich entschieden, die Freunde am nächsten Tag nicht zu treffen. Ziel ist, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, also Selbstdisziplin, zu lernen. Entscheidend ist dabei die wohlwollende, aber auch klare Haltung der Eltern. Das Kind versteht die Konsequenz – es braucht keine Debatte an dieser Stelle. Am Tag darauf hat das Kind eine neue Chance, rechtzeitig nach Hause zu kommen.

Es gibt viele Angebote. Wie finde ich den richtigen Kurs?

Schauen Sie sich an: Welche Philosophie steht hinter dem Programm? Welche Werte habe ich, was ist mir wichtig? Was möchte ich weitergeben an meine Kinder? Wie sollen meine Kinder später sein? Wie soll die Beziehung zu meinen Kindern sein? Und dann suchen Sie sich das Konzept aus, das am besten zu Ihnen und Ihren Vorstellungen passt.

 

 

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