Ausflug

Selbstbehauptung

Janina Mogendorf · 30.01.2019

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© iStockphoto/Imgorthand

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Vielleicht glorifiziert man ab einem gewissen Alter die eigene Kindheit, vielleicht ist aber auch etwas dran, wenn Eltern das Gefühl haben: Heute weht ein rauerer Wind da draußen.

Da geht es um Druck in der Schule, um unangenehme Situationen auf dem Nachhauseweg und auch um die Frage: Wie gehen wir unter Freunden oder innerhalb der Familie miteinander um? Eltern möchten ihre Kinder schützen und gleichzeitig stark machen. Deshalb haben Selbstbehauptungskurse einen guten Zulauf.

Malia besucht seit ein paar Monaten das Training bei Regina Mader und Sascha Hippe in Troisdorf. In diesem Kurs lernt sie Elemente der Selbstbehauptung und der Selbstverteidigung kennen und anwenden. In der Selbstbehauptung machen sich Kinder ihre Rechte bewusst und lernen selbstbewusster aufzutreten. Sie erfahren, wie sie auf andere wirken, wie sie eine Opferhaltung vermeiden und an ihrer Ausstrahlung arbeiten können.

Selbstsichere Ausstrahlung

„Opfer strahlen häufig eine gewisse Schwäche aus“, sagt Sascha Hippe. „Wir bringen den Kindern bei, selbstsicher aufzutreten, damit sie gar nicht erst in die Situation kommen, sich wehren zu müssen.“ Die beiden Trainer arbeiten bewusst mit Rollenspielen und zeigen den Kindern verschiedene Situationen auf, in die sie geraten könnten. Sascha nimmt zum Beispiel eine bestimmte Haltung ein und fragt: „Wenn ich so stehe oder so, würdet ihr mit mir Ärger suchen wollen?“

Regina Mader fördert die mentale Stärke der Kids. Respekt, Wertschätzung und Grenzen setzen sind dabei wichtige Säulen. „Nicht alle Erziehungsmethoden tragen dazu bei, dass Kinder sich selbstbewusst fühlen. Der Leistungsdruck in den Schulen oder auf dem Fußballplatz macht es auch nicht besser“, ist ihre Erfahrung. „Jedes Kind soll sich wertvoll fühlen, so wie es ist, mit allen Stärken und Schwächen.“ Das macht sie auch der Gruppe klar: „Niemand darf ausgelacht und verspottet werden.“

Aufs Bauchgefühl hören

Zugleich lernen die Kinder ihre Grenzen kennen. „Jeder Mensch hat das Recht, seine persönliche Wohlfühlzone zu definieren“, sagt Sascha. „Wir hören heute zu wenig auf unseren Bauch, obwohl dieser durchaus wichtige Alarmsignale sendet.“ Um das zu demonstrieren setzt er sich zum Beispiel dicht neben ein Kind. „Man sieht gleich an der Körperhaltung, dass sich das Kind unwohl fühlt, sich aber nicht traut, etwas zu sagen.“ Sascha sagt: „Merk dir das Gefühl und hör auf deinen Bauch. Wenn es sich so anfühlt, dann ist es nicht in Ordnung und dann darfst du das unterbinden.“

Übrigens auch im Familienkreis. „Das ist uns besonders wichtig. Deshalb bitten wir die Eltern, diese Regeln in ihrem Zuhause auch zu akzeptieren“, appellieren die Trainer. Will ein Kind nicht angefasst werden und sagt „nein“, sollte das immer gelten. Auch wenn es um eine versöhnliche Umarmung von Mutter zu Tochter, lustige Rangeleien oder den Begrüßungskuss unter Verwandten geht.

Wahrnehmung und Einschätzung von Situationen

Die Kinder sollen ihre Wahrnehmung schärfen für die eigenen Bedürfnisse. Und für mögliche Gefahren, die draußen lauern. Kein Kind muss mit einem Fremden reden und wenn ihnen ein Erwachsener Angst macht, rennen sie am besten weg. „Ist das nicht möglich, sollen die Kinder im Notfall besser „Feuer“ rufen als „Hilfe“ und gezielt andere um Unterstützung bitten“, sagt Regina. Im Idealfall schaffen sie es, brenzlige Situationen frühzeitig richtig einzuschätzen und sie im wahrsten Sinne des Wortes zu umgehen.

„Wenn man einer Konfrontation ausweichen kann, sollte man das tun“, so die Trainer und meinen damit auch Situationen mit anderen Kindern und Jugendlichen. „Früher war bei Raufereien Schluss, wenn einer am Boden lag“, sagt Regina Mader. „Diese Grenze wird heute öfter überschritten und es kommt zu schwereren Verletzungen“, ist ihr Eindruck. Sascha warnt: „Wenn euch jemand zu nahekommt, will er in der Regel auch Probleme machen.“

Selbstverteidigung

Im Selbstbehauptungskurs lernen die Kinder unerwünschte Annäherungen durch ein beherztes „Stopp“ oder „Nein“ mit abwehrend erhobener Hand zu unterbrechen. Das klappt auch. Dennoch ist es wichtig, sich im Ernstfall verteidigen zu können. Grundlage ist der Kampfsport Kung Fu, den Sascha schon viele Jahre betreibt. Die Kinder üben, wie sie ihre Hand aus einem Griff winden, einen Schlag abwehren oder sich verhalten müssen, wenn sie am Boden attackiert werden.

„Da muss man wild mit den Beinen strampeln“, erklären mir Malia und ihr Freund Till, als ich sie nach dem Training nach Hause fahre. Gemeint sind feste Tritte gegen den Angreifer, um diesen möglichst lange auf Distanz zu halten. Einfach um Zeit zu gewinnen, die Außenstehende vielleicht brauchen, um die Notsituation wahrzunehmen. „Heute haben wir auch die Vase gelernt“, erzählen die zwei weiter und kichern über meinen verständnislosen Blick im Rückspiegel. Später zeigen sie es mir: Mit einer Art vertikalen Schwimmbewegung lösen sie sich gekonnt aus einem Klammergriff. „Da kann ich ja selber noch etwas lernen“, freue ich mich und beschließe mir künftig alle Übungen zeigen zu lassen.

Weitere Informationen zu den Kurszeiten und Preisen

Regina Mader (Heilpraktikerin)

Naturheilpraxis "Einklang"
Siegstraße 16b

53844 Troisdorf

Telefon: 0228-90859828

Mobil: 0172-877 2287

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