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Notfallsanitäter: Voll im Einsatz

Hanka Meves-Fricke · 18.03.2019

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© Sonja Hoffmann

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„Zuhören und ruhig Entscheidungen treffen können, das ist besonders wichtig an unserer Arbeit“, erzählen Janna Stremmel, Julian Krause und Moritz Haller, alle Anfang zwanzig , die ihre Ausbildung beim DRK Köln absolvieren. „Nur wenn wir den Patienten gut verstehen, können wir medizinisch helfen.“ Unsere Autorin Hanka Meves-Fricke hat die drei Azubis für die März-Ausgabe vom KÄNGURUplus interviewt.

Auf dem Weg zu meinen Interviewpartnern muss ich an meine Sanitäterausbildung denken. Schon als der Ausbilder von Schürfwunden erzählte, wurde mir etwas übel. Als er dann Fotos von Stichwunden zeigte, fiel ich in Ohnmacht. Wenig später sitzen drei junge Notfallsanitäter in der Ausbildung vor mir. Sie heißen Janna, Julian und Moritz und sind im ersten und zweiten Lehrjahr. Alle drei wollten unbedingt Notfallsanitäter werden. Und Blut können sie natürlich sehen, ohne in Ohnmacht zu fallen.

Von Anfang an voll im Einsatz

Janna, Julian und Moritz finden es gut, als Notfallsanitäter Eigenverantwortung zu übernehmen. „Wir sind die Ersten, die einen Patienten oder Verletzten sehen. Wir entscheiden, ob es eine lebensgefährliche Verletzung oder Erkrankung ist, und behandeln professionell oder rufen weitere Unterstützung.“ Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrer Arbeit sprechen.

„Das bedeutet viel Verantwortung für uns“, erzählt Julian. „Wir stellen beim Einsatz eine Arbeitsdiagnose und nach dieser helfen wir den Menschen, die uns gerufen haben.“ „Wir sind nicht nur in der medizinischen Versorgung gefragt, sondern auch als Ansprechpartner“, ergänzt Janna. „Wichtig ist, dass wir mitfühlend mit den Verletzten, Erkrankten und ihren Angehörigen sprechen“, fügt Moritz hinzu. „Sozialarbeiter, Helfer, medizinisches Personal, all das sind wir.“


© Sonja Hoffmann

Julian und Moritz haben vor ihrer Ausbildung als Rettungssanitäter gearbeitet, Janna hat sich in der Geflüchtetenhilfe engagiert und war freiwillig in Palästina. Sie wünscht sich, später in der Katastrophenhilfe zu arbeiten.

Schon im ersten Lehrjahr gehen die jungen Auszubildenden mit auf Einsätze. Gemeinsam mit den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen sitzen sie auf der Wache und warten auf den Einsatz. 60 Sekunden am Tag, 90 in der Nacht haben Notfallsanitäter Zeit, sich für den Notfall bereit zu machen und im Auto zu sitzen. Das ist nicht lang, wenn man sich gerade mal für ein Nickerchen hingelegt hat. Während der dreijährigen Ausbildung fahren die Schülerinnen und Schüler als Dritte im Rettungswagen mit.

Vier Tage im Einsatz, drei Tage frei

Zwölf oder acht Stunden dauert die Schicht, 48 Stunden an vier Tagen pro Woche arbeiten die Helfer. Die Wachen bemühen sich, dass nach vier vollen Tagen drei freie Tage folgen. Noch lachen die drei Auszubildenden darüber, dass sie so manche Geburtstagsfeier, Weihnachten oder Silvester verpassen. „Wir müssen fit sein. Ich gehe als Ausgleich jeden Tag zum Sport“, erklärt Moritz. „Ich suche anders meine Entspannung“, erzählt Janna. Und Julian ist gerade von Bonn nach Köln gezogen, weil jede Fahrzeit nach den langen Schichten zu anstrengend ist.

Büffeln gehört dazu

Wie bei Krankenpflegern gehört auch bei Notfallsanitätern Medizin in die Ausbildung. „Im ersten Jahr haben wir Grundwissen gelernt“, erzählt Moritz. „Jetzt wiederholen wir dieses und bauen darauf neues Wissen auf.“ Die Theorie ist zumeist mit der Praxis verbunden: zum Beispiel in Sachen Hygiene. „Wir müssen immer darauf achten, dass wir Handschuhe anziehen und steriles Material verwenden“, ergänzt Julian. „Auch nach einer langen Schicht dürfen wir nicht leichtsinnig werden. Wir müssen daran denken, die Patienten an die Trage zu schnallen, bevor wir sie transportieren. Sicherheit geht vor.“ „Und Spritzen setzen oder einen Zugang legen, das will auch gelernt sein“, fügt Janna hinzu. Das üben sie in der Ausbildung im Krankenhaus. Nicht zuletzt übernimmt das DRK für die Auszubildenden die Kosten für den LKW-Führerschein, denn jeder im Wagen muss in der Lage sein, den Notfalleinsatz zu fahren.

Routine gibt es nicht

„Wir wissen nie, was uns bei einem Einsatz wirklich erwartet“, sagt Janna. Menschen in Notsituationen machen häufig ungenaue Angaben darüber, wer verletzt ist und um welche Erkrankung es sich handelt. Wenn eine ältere Dame von ihrem Kind spricht, kann das durchaus fünfzig Jahre alt sein. Je besser die Angaben, desto genauer können die Helfer vorgehen, denn es gibt Standard-Rettungswagen und Baby-Notarztwagen.


© Sonja Hoffmann

Janna, Julian und Moritz wissen, dass es vorrangig ist, in jeder Situation ruhig zu bleiben. Die drei schätzen das Umfeld, ihre Kollegen, mit denen sie sich nach jedem Einsatz darüber austauschen, wie dieser verlaufen ist. Denn ein Notfall kann ein Unfall, eine Erkrankung, eine Vergewaltigung oder ein anderes Gewaltverbrechen oder auch ein Fehlalarm einer einsamen, älteren Person sein. Für einen jungen Menschen kann das belastend sein. „Die Kollegen sind immer für uns da, egal ob sie älter oder jung sind“, sagt Janna. Wenn ein Notfallsanitäter an seine Grenzen kommt, kann er auf den psychosozialen Dienst zurückgreifen. „Es war für mich nicht einfach, einem Mädchen nach einer Gewalterfahrung helfen zu müssen, weil ich die einzige Frau am Einsatzort war“, sagt Janna. Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte vor Augen haben, dass es bereits in der Ausbildung schwierige Situationen geben kann.

Und dann haben Janna, Julian und Moritz noch einen großen Wunsch: „Lasst uns in Ruhe arbeiten, wenn wir im Einsatz sind. Steht nicht im Weg herum und macht keine Fotos. Jeder kann in eine Notfallsituation kommen und dann wollen wir schnell und ungestört Hilfe leisten.“

Ausbildung: Notfallsanitäter

Voraussetzungen für die Ausbildung:

• 18 Jahre alt
• Realschulabschluss oder Hauptschulbildung plus abgeschlossene Berufsausbildung
• Physische und psychische Belastbarkeit
• Empfehlenswert Praktika oder Ausbildung als Rettungshelfer oder -sanitäter

Das DRK Köln wählt seine Auszubildenden nach Leistungen und Engagement aus. Die Ausbildung als Rettungshelfer oder -sanitäter, ein soziales Jahr oder Praktika im Krankenhaus können ein guter Test sein, ob der Beruf passen könnte. Alle müssen ein Assessmentcenter absolvieren. In diesem Jahr bildet das DRK Köln 24 Schülerinnen und Schüler aus.

Ausbildung:

• Duales System mit der praktischen Ausbildung bei Notfalleinsätzen und im Krankenhaus sowie der theoretischen Ausbildung in der Berufsschule
• Dauer: 3 Jahre

Inhalte:

• Naturwissenschaften, Anatomie, Physiologie, allgemeine und spezielle Krankheitslehre, Arzneimittellehre, Hygiene, Mikrobiologie, Psychologie, Sozialmedizin, Geistes- und Sozialwissenschaften, Kommunikationsund Deeskalationstraining
• Die Ausbildung schließt mit einem Staatsexamen ab. Wer möchte, kann nach der Ausbildung ein Masterstudium anschließen, zum Beispiel im Katastrophenmanagement.

Vergütung:

Die Ausbildungsvergütung variiert bei den verschiedenen Trägern. Beim DRK Köln erhalten die Auszubildenden circa 800 bis 900 Euro netto pro Monat.

 

Weitere Ausbildungsberufe findet ihr in unserer Berufe-Check-Übersicht.

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