Teenager

Cat Ballou

Claudia Berlinger · 14.10.2019

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© Cat Ballou

© Cat Ballou

Hits wie „Et jitt kei Woot“ sind von keiner Karnevalsparty wegzudenken, doch ihre Songs sind auch der Soundtrack zu manch geselliger Runde von Grillabend bis Hochzeitsparty: Cat Ballou.

Sie gehören zu den angesagtesten Kölsch-Bands in Deutschland und spielen längst nicht mehr nur im Kölner Raum. Auch Hallen in Hamburg, München und Berlin füllen sie in Windeseile, weil sie authentisch wie kaum eine andere Mundart-Band den Spagat zwischen Rock und Karneval bewerkstelligen. Claudia Berlinger hat für KÄNGURUplus mit dem Frontmann der Katzen gesprochen.

Das Durchschnittsalter von Oliver Niesen, Dominik Schönenborn, Kevin Wittwer und Michael Kraus betrug gerade einmal zwölf Jahre, als sie zum ersten Mal auf der Bühne standen. „In der Grundschule hatten wir schon beschlossen: Wir gründen jetzt ‘ne Band. Da konnten wir noch gar keine Instrumente spielen,“ erzählt Oliver Niesen, der Frontmann der Katzen. „Der erste Gig war 1999 beim Pfarrkarneval in Bergisch Gladbach. Danach haben wir viel in Jugendzentren gespielt, coverten die Ärzte und Michael Jackson und sind in Richtung Punk und Ska gegangen.“

Von Herzen Rheinländer

Möglicherweise sind genau diese musikalischen Wurzeln das Geheimnis ihres Erfolges. Ihre Songs garantieren karnevalstypische, schön gesungene Refrains zum Mitsingen, gleichzeitig schaffen sie es, dass sogar Karnevalisten nicht auf eins und drei, sondern im Ska-typischen Off-Beat klatschen. Auch textlich holen sie spielend jüngere Leute ins Boot. Sie sind einfach von Herzen gern Rheinländer, die aus ihrer Heimatverbundenheit keinen Hehl machen und mit ihren Fans in die jeweiligen Lebensthemen hineinwachsen.

Erst die Ausbildung, dann die Musik

„Wir haben alle erst Ausbildungen gemacht, bevor wir unsere Jobs der Musik wegen an den Nagel gehängt haben,“ erzählt Oliver. „Ich bin Physiotherapeut, Dominik hat Sport auf Lehramt studiert und Kevin ist gelernter Veranstaltungstechniker. Der einzige, der Musik studiert hat, ist unser neuer Schlagzeuger Hannes Feder. Er kam vor rund zwei Jahren in die Band und es hat sich sofort so angefühlt als ob wir schon ewig zusammen Musik machen. Die Chemie hat einfach gestimmt. Dinge verändern sich. Irgendwann wirst du erwachsen, dann kommen die Kinder. So entstehen unsere Lieder, ganz ungezwungen, manchmal schreiben wir einzeln, dann werfen wir unsere Ideen zusammen. Am Ende bekommt dann jedes Album eine Überschrift, die alles zusammenfasst. So wie unser letztes Album, das einfach „Cat Ballou“ heißt und auf den Punkt bringt, wer wir sind und wofür wir im Moment stehen.“

Auf diesem ersten Tonträger im eigenem Label MIAO zollt die Band dem Umstand Tribut, dass sie sich zu Köln bekennt, auch wenn mal nicht alles glatt läuft – was sie mit dem wohl bekanntesten Lokalpatrioten Lukas Podolski gemeinsam haben. Der postete viel unter dem Hashtag „Liebe deine Stadt“ und weil er Musik machen wollte, holte er Mo Torres und Cat Ballou ins Boot. Heraus kam die gleichnamige Hommage an den „Dom in der Brandung“, eine Hymne für alle, die Köln verlassen müssen und sicher wiederkommen werden,“ so Oliver.

Klicks und Charts sind einfach nur Zahlen

Der Song wurde auf YouTube über vier Millionen Mal angeklickt, doch für Oliver sind Zahlen nicht wirklich greifbar. „Als Et jitt kei Woot 2012 auf Platz 26 in die Charts einstieg, war das ein seltsames Gefühl. Cool, aber einfach nur eine Wertung und vom Gefühl sehr weit weg,“ erklärt er. „Ich glaube, wenn man zu sehr auf die Charts guckt, verliert die Musik ihre Magie. Wir machen immer nur das, worauf wir Lust haben. Seit ein paar Jahren spielen wir auch Schulkonzerte. Jedes Jahr können fünf Grundschulen im Rahmen eines Wettbewerbes einen Gig gewinnen.“

Insgesamt kommen Cat Ballou im Jahr auf weit über 300 Gigs, schon lange nicht mehr nur in der Karnevalssession. „Man muss halt live spielen. Die Zeit, wo ein Musiker mit einem Hit-Album etabliert ist, ist vorbei,“ beschreibt Oliver die Situation. „Man muss mit der Zeit gehen und dazu gehören zum Beispiel auch Streaming-Portale. Ohne Spotify, Deezer & Co wird man nicht gehört. Es bringt nichts, die Arme zu verschränken und Entwicklungen zu boykottieren. In der Musikbranche hat sich extrem viel verändert und physische Tonträger sind inzwischen eher Merchandise-Produkte.“

20 Jahre Cat Ballou

Mit Anfang und Mitte Dreißig können Cat Ballou nun bereits auf ihr zwanzigjähriges Band-Jubiläum zurückblicken und das feiern sie am 12. Oktober 2019 mit ihren Fans mit ihrem ersten abendfüllenden Konzert in der LANXESS Arena. Der Eintritt liegt bei unter 30 Euro. „Es soll keiner das Gefühl haben, sich die Tickets nicht leisten zu können. Das ist ja eine Geburtstagsfeier, zu der wir einladen,“ sagt Oliver. „Wie es aussieht, werden es wohl 15 bis 16.000 Gäste werden, ein paar Restkarten gibt es aber noch.“

Auf die Frage, welche Ziele als nächstes anstehen, kommt wie erwartet eine bodenständige Antwort: „Wir arbeiten viel für die Musik, aber nicht mit einem konkreten Ziel und verfolgen eher eine langsame, konstante Entwicklung. Es wird sich ergeben. Wir sind ja auch vier Köpfe und überlegen gemeinsam. Im Moment ist unser größter Wunsch, die LANXESS Arena voll zu machen und ein gutes Konzert hinzulegen. Wir versuchen, uns immer weiterzuentwickeln.“ Und dabei kommen wahrscheinlich wieder viele schöne Lieder für ein neues Album heraus.