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Rodenkirchener Kinderparlament zu Besuch im Bezirksrathaus

Yael Lunkenheimer, Lisa Böttcher · 21.07.2026

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Die Schüler:innen der GGS Annastraße mit ihren Lehrkräften und Bezirksbürgermeisterin Dr. Sabine Müller. ©Lisa Böttcher

Die Schüler:innen der GGS Annastraße mit ihren Lehrkräften und Bezirksbürgermeisterin Dr. Sabine Müller. ©Lisa Böttcher

Das Kinderparlament der GGS Annastraße aus Raderberg erlebt Politik normalerweise im Schullalltag. Bei einem Besuch des Rodenkirchener Bezirksrathauses können die Kinder nicht nur den Sitzungssaal der Großen ausprobieren, sondern auch allerlei Fragen zu Kommunalpolitik und den Aufgaben einer Bezirksbürgermeisterin stellen.

Lange Tische, große Bildschirme und schwarze, gepolsterte Sitze. Wo sonst geordnet die Rodenkirchener Bezirksvertretung sitzt, herrscht an diesem Freitag gegen Ende des Schuljahres freudige Aufregung. 20 Grundschüler:innen reden durcheinander und schauen sich in dem großen Sitzungssaal um. An den Tischen montierte Mikrofone werden geschäftig nach links und rechts gebogen und ausprobiert.

Normalerweise diskutieren und entscheiden in diesen Räumen Kommunalpolitiker:innen über die Belange ihres Stadtteils. Doch heute ist das Kinderparlament der Raderberger GGS Annastraße hier: Es besteht aus den Klassensprecher:innen der zweiten bis vierten Klassen. Begleitet werden die gespannten Schüler:innen unter anderem von Schulleiterin Stefanie Volkmer und Schulsozialarbeiterin Judith Ahlgrim, die das Kinderparlament betreut.

An ihrer Schule tagen die 20 Kinder regelmäßig und bringen die Fragen und Ideen ihrer Klassengemeinschaften vor – so lernen sie schon früh, wie demokratische Prozesse ablaufen.

„Es dürfen sich auch immer Kinder und Jugendliche bei uns melden.“

An diesem besonderen Tag dürfen sie Politik jedoch außerhalb des Schulkontextes erleben und der Bezirksbürgermeisterin Dr. Sabine Müller sowie der Landtagsabgeordneten und familienpolitischen Sprecherin Eileen Woestmann (beide Bündnis 90/Die Grünen) alle Fragen stellen, die ihnen auf der Seele brennen. Begeistert von dem politischen Engagement der Kinder hatte die Bürgermeisterin das Parlament nämlich nach einem Besuch in der Grundschule zu sich eingeladen.

Der Ausflug startet mit einem kurzen Abstecher zum Jugendamt. „Wir sind hier, um den Kindern in Köln zu helfen“, erklärt Leiter Claudio D‘Orsaneo. „Zum Beispiel, wenn die Eltern sich getrennt oder gestritten haben und deswegen die Bedürfnisse der Kinder aus dem Blick verlieren.“ Denn das Wohlergehen der Kinder, so D‘Orsaneo, stehe für das Jugendamt an erster Stelle. „Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen und auch Lehrkräfte sagen Bescheid, wenn ihnen etwas auffällt. Aber es dürfen sich vor allem auch alle Kinder und Jugendlichen bei uns melden, wenn es ihnen oder ihren Freunden nicht gut geht.“

„Wir möchten eine Schulstraße. Was können sie dafür tun?“

Durch lange Flure, vorbei an vielen Büros und einigen Sicherheitsmitarbeitenden führt der Weg die Grundschüler:innen vom Jugendamt in den großen Sitzungssaal des Bezirksrathauses – im Interim momentan an der Industriestraße gelegen.

„Normalerweise sitze ich hier mit 18 Mitgliedern der Bezirksvertretung“, erklärt Dr. Sabine Müller vom Kopfende der großen Tischrunde und ist sichtlich erfreut über die Abwechslung, die sich ihr heute bietet. Häufig seien außerdem noch weitere Verwaltungsmitarbeitende und Gäste dabei. „Doch jetzt sind Frau Woestmann und ich hier, um eure Fragen zu beantworten“.

Das lassen sich die Kinder nicht zweimal sagen – und starten gleich mit ihrem größten Anliegen: „Wir möchten eine Schulstraße. Was können sie dafür tun?“, fragt die achtjährige Lea. „Das ist gar nicht so einfach“, erklärt Dr. Sabine Müller. „Ganz viele Schulen in Köln wollen Schulstraßen haben und wir können nur eine begrenzte Anzahl tatsächlich bauen, weil das ja auch Geld kostet. Deshalb müssen wir Prioritäten setzen. Ich werde mich aber für eine Schulstraße an der Grundschule Annastraße einsetzen.“

„Ich bin großer Pinguinfan.“

Eine Frage, die wohl auch vielen Erwachsenen auf der Seele brennt, stellt die zehnjährige Anabela: „Wofür gibt es eigentlich Steuern?“. „Nun ja, das ist natürlich eine komplexe Frage“, erklärt Eileen Woestmann. „Es gibt ja Dinge, die wir alle haben wollen: Schulen, Straßen und Kitas. Damit nicht einige wenige viel zahlen müssen, zahlen wir alle ein bisschen in einen großen Topf. Daraus werden gemeinschaftliche Ziele finanziert. Das ist dann gerechter.“  

Am Ende sind aber auch Politiker:innen nur Menschen. Das erkennen die aufgeweckten Mitglieder:innen des Kinderparlaments und möchten mehr über die Person hinter dem Amt wissen. „Haben Sie ein Hobby und auch genug Zeit dafür?“, fragt die achtjährige Tilda. „Oh ja, ich singe in einem Chor“, erzählt die Bezirksbürgermeisterin. „Wir haben auch Auftritte. Die Zeit dafür muss ich mir dann natürlich nehmen.“ „Und haben sie ein Lieblingstier?“, will der neunjährige Emir wissen. Dr. Sabine Müller – ihrerseits promovierte Geophysikerin und ehemalige Umweltkoordinatorin – lacht: „Das habe ich, ich bin großer Pinguinfan!“