Stadtgespräch

Ming Veedel: Ehrenfeld

Text und Fotos: Thea Wittmann · 25.08.2021

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Beliebtes Verkehrsmittel der Ehrenfelder:innen: Das Fahrrad © Thea Wittmann

Beliebtes Verkehrsmittel der Ehrenfelder:innen: Das Fahrrad © Thea Wittmann

Ehrenfeld gehört zum 4. Bezirk, gleichen Namens – Ehrenfeld. Die anderen Stadtteile heißen Vogelsang, Neuehrenfeld, Ossendorf, Bickendorf und Bocklemünd/Mengenich.

In der Reihe „Ming Veedel“ stellen wir euch einige der 86 Kölner Stadtteile vor. Dieses Mal nimmt euch KÄNGURU-Autorin Thea Wittmann mit in ihr Veedel nach Ehrenfeld.

Einwohner:innenzahl: 38.406 (31. Dez. 2019), Größe: 3,721 km²

Stadtteil-Grenzen: Der Stadtteil Ehrenfeld grenzt im Osten an Neustadt-Nord, im Süden an Lindenthal und Braunsfeld, im Westen an Müngersdorf und Bickendorf und im Norden an Neuehrenfeld. (Wikipedia)

Seit wann wohne ich im Veedel?

Ich bin eine der vielen Immis im Viertel und wohne seit über 20 Jahren in Ehrenfeld.

Warum wohne ich hier so gerne?

Ich mag die Gegensätze: hip und traditionell. Vegane Bowl und Gyros. Bürgerhäuser und Herkules-Hochhaus. An Weiberfastnacht zieht der Spillmannszug durch die Gassen, bei sportlichen Großereignissen fährt der Autokorso über die Venloer Straße Richtung Innenstadt.

Was macht das Veedel so besonders lebenswert?

4711-Haus und St. Joseph, beides liegt an der Venloerstraße © Thea Wittmann
4711-Haus und St. Joseph, beide liegen an der Venloerstraße © Thea Wittmann

Das ist eindeutig die Vielfalt hier. In Ehrenfeld gibt es eigentlich alles, was das Herz begehrt. Die Venloer Straße ist die wuselige Hauptverkehrsader und Einkaufsmeile. Lebenswert machen das Veedel die kleinen Läden in den Seitenstraßen, die Plätze, Cafés und Kneipen, die grünen Ecken. Ehrenfeld ist unkompliziert. Hier kann man in Schlappen und Jumpsuit zum Büdchen gehen, das stört keinen.

Was gefällt mir weniger gut?

Ehrenfeld hat sich enorm verändert, zum Schönen wie zum Schlechten. Es scheint, als sei das Veedel eine einzige große Baustelle. Die letzten Brachflächen werden versiegelt, viele Veranstaltungsorte mussten Neubaublöcken weichen. Irgendwann platzt Ehrenfeld aus allen Nähten.

Was macht es zu „meinem Veedel“?

Graffiti am Ehrenfelder Bahnhof, Ausgang Stammstraße © Thea Wittmann
Graffiti am Ehrenfelder Bahnhof, Ausgang Stammstraße © Thea Wittmann

Ein bisschen Großstadt, aber trotzdem Dorf. Hier kann man tagsüber mit dem Knirps auf den Spielplatz und abends zum Konzert oder ins Kino gehen. Es ist familiär, hier kennt – gefühlt – jeder jeden und dennoch kommt das Großstadt-Gefühl nicht zu kurz. Ich könnte mir kein besseres Veedel in Köln vorstellen!

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Wie grün ist das Veedel?

Ehrenfeld hat keinen großen Park, aber viele grüne Ecken. Es gibt bepflanzte Baumscheiben und viele Anwohner hegen und pflegen ein selbstgebautes Hochbeet auf öffentlicher Fläche. Der schönste kleine Garten liegt gleich hinter dem Spielplatz Glasstraße/Hochbunker Körnerstraße – eine kleine blühende Oase mit angelegten Staudenbeeten. Wer mehr Auslauf braucht, findet ausgedehnte Wiesen im angrenzenden Inneren Grüngürtel mit Wasserspielplatz, Klettergerüsten und Sportgeräten.

Wo kann man Geschichte heute noch erleben?

Leuchtturm in der Heliosstraße und eines der beliebten Dreifensterhäuser © Thea Wittmann
Leuchtturm in der Heliosstraße und eines der beliebten Dreifensterhäuser © Thea Wittmann

Der Leuchtturm in der Heliosstraße – ursprünglich ein Werbegag – ist das Wahrzeichen von Ehrenfeld. Wie schön wäre es, wenn gleich dahinter der Strand und das Meer wäre...

Entlang der Venloer Straße und in den Seitenstraßen finden sich „Dreifensterhäuser“. Alte, sehr schmale Wohnhäuser, die nach preußischer Bauordnung von Steuern befreit und deshalb sehr beliebt waren.

Unter der Bahnunterführung am Bahnhof Ehrenfeld ist das Denkmal der Edelweiß-Piraten, einer Jugendgruppe, die in der NS-Zeit Widerstand leistete.

Wo trifft sich das Veedel?

Der Neptunplatz ist mit Neptunbad, bepflanzten Beeten und Sitzbänken ein beliebter Treffpunkt, ebenso der Leo-Amann-Park um das Bürgerzentrum (BÜZE) herum. Im Café Fridolin im BÜZE gibt’s Mittagstisch auf der Außenterrasse mit Blick auf den Spielplatz. Auch am Alpener Platz lässt es sich an schönen Tagen gut sitzen. Kaffeerösterei Schamong und Pizzerien sind in Reichweite.

Mein Lieblingsspielplatz

Spielplatz © Thea Wittmann
Spielplatz Gutenbergstraße © Thea Wittmann

Es gibt so viele schöne Spielplätze im Veedel! Meine liebsten sind der neu gestaltete Spielplatz in der Gutenbergstraße mit alten hohen Bäumen und Schatten. Und der Spielplatz an der Glasstraße wegen seiner Seilrutsche.

Liebe geht durch den Magen

Fräulein Frida, das familienfreundlichen Café hat kleine Snacks und leckeren Kuchen, Waffeln am Stiel, Müsli. Dort gibt es auch selbstgenähte Accessoires für Kinder, Kinderspielzeug. Bei gutem Wetter ist der Innenhof mit Sandkasten geöffnet.
Subbelrather Straße 179, 50823 Köln

Bäckerei Schragen – immer feinste Backwaren, immer gute Laune hinter der Ladentheke.
Subbelrather Straße 277, 50825 Köln

Die Eisdielerin auf der Venloerstraße © Thea Wittmann
Die Eisdielerin auf der Venloerstraße gegenüber vom BÜZE © Thea Wittmann

Die Eisdielerin und Eisfeld – bei beiden Eisdielen gibt es tolle, ungewöhnliche Eissorten, auch veganes Eis. Und leckere Waffeln.
Die Eisdielerin, Venloer Straße 402, 50825 Köln & Eisfeld, Hansemannstraße 49, 50823 Köln

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Kult(o)ur durchs Veedel

In diesen Theatern gibt es Vorstellungen für Kinder:
KKT Kölner Künstler:innen Theater, Grüner Weg 5, 50825 Köln
Theaterhaus Köln, Stammstraße 38-40, 50823 Köln
Urania Theater, Platenstraße 32, 50825 Köln

Unser Veedels-Kino:
Cinenova, Herbrandstraße 11, 50825 Köln

Musikschulen:
Pianoforte, Lessingstraße 70, 50825 Köln
Rheinische Musikschule, Vogelsanger Straße 28-32, 50823 Köln

Büchereien & Kinderbuchhandlung:
KÖB St. Joseph/St. Mechtern, Mechternstraße 2a, 50823 Köln
Stadtteilbücherei Ehrenfeld, Subbelratherstraße 247-249, 50825 Köln
Kinderbuchladen Knirps & Riese, Gutenbergstraße 30, 50823 Köln

„Spocht“ im Veedel – wo kann man sich bewegen?

Viel Bewegungsfreiheit bietet der Innere Grüngürtel mit seinen Sportgeräten, dem Wasserspielplatz, Basketballfeld und Spielplatz – auch wenn er streng genommen zum Stadtbezirk Innenstadt gehört.

Das Ossendorfbad liegt ebenfalls nicht im Stadtteil Ehrenfeld sondern in Ossendorf, ist aber für die Ehrenfelder Schwimmer:innen die erste Anlaufstation.

Und dann gibt es noch die Bezirkssportanlage Prälat Ludwig Wolker an der Inneren Kanalstraße mit Bolzplätzen, Minigolfanlage und Tennissplatz.

Heckmann-Höfe in Sülz © Hanka Meves-Fricke

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Hier müsst ihr unbedingt mal hin!

Die Bezirkssportanlage Prälat Ludwig Wolker hat einen sperrigen Namen, sie ist aber ein ganz besonderer Ort. Mitten im Grünen könnt ihr Fußball Spielen oder minigolfen und habt hier sämtliche eindrucksvolle Bauten Ehrenfelds auf einen Blick: Den Fernsehturm Colonius, die Moschee, das Herkules-Hochhaus und das ehemalige Siemensgebäude, die „Aida“, das von seiner Silhouette tatsächlich ein bisschen an ein Kreuzfahrtschiff erinnert. Eine wirklich tolle Aussicht! Übrigens konnten bis Ende Mai alle Altersgruppen ihre Ideen zur Umgestaltung und Sanierung einbringen und über verschiedene Entwürfe abstimmen. Mal sehen, was draus wird! https://www.meinungfuer.koeln/dialog/sanierung-der-bezirkssportanlage-everhardstrasse-praelat-ludwig-wolker

Wenn das Wetter mies ist, können sich Familien in der Kletterfabrik Ehrenfeld, Oskar-Jäger-Straße 173 austoben, bouldern oder an den Kletter-Parcours ausprobieren. Es gibt Kurse für junge Kletterer und Kletterinnen, auch in den Ferien.

Eine der beliebtesten Seitenstraßen der Venloerstraße: Die Körnerstraße © Thea Wittmann
Eine der beliebtesten Seitenstraßen der Venloerstraße: Die Körnerstraße © Thea Wittmann

Immer ein trubeliges und besonderes Erlebnis ist das Straßenfest in der Körnerstraße. Tolle Mitmach-Aktionen für Kinder gibt es hier, zum Beispiel werden aus eigenen Radierungen auf Kupferplatte in der Druckpresse kleine Bilder. Es gibt Spiel- und Bastelangebote, Second-Hand, Musik bis in den späten Abend, internationale Speisen und Getränke. Die Anwohner:innen verkaufen Selbstgenähtes, Selbstgebackenes und -gebrautes, bauen Trödelstände auf und öffnen ihr Hinterhöfe für Gäste, die schon immer mal einen Blick hineinwerfen wollen. Das Sommerfest findet traditionell am ersten Samstag der Sommerferien statt, im Dezember gibt es am ersten Sonntag im Dezember den Körnerstraßen-Adventsmarkt.

Was gibt's sonst noch so?

Street-Art in Ehrenfeld © Thea Wittmann
Street-Art in Ehrenfeld © Thea Wittmann

Ich liebe die Street-Art, die offizielle, aber auch die versteckte. Kacheln an den Hauswänden, Wandtattoos, Graffiti, umstrickte Poller – es gibt viel zu entdecken. Und die Straßenkunst verändert sich ständig, es wird überklebt, übersprüht, neu kreiert. Kurzlebige Kunstwerke, mitten in der Stadt!

Wenn ihr Spaß an einer Schnitzeljagd habt, könnt ihr die Straßenkunst in Form einer Tour aufspüren: planlos.in bietet die Rätseltour „Exit Ehrenfeld“, die euch durch die Ehrenfelder Street Art-Szene führt, wo ihr einen mysteriösen Kriminalfall lösen müsst. Das ist etwas knifflig und eignet sich für Familien mit älteren Kids ab 16, oder für kleine Gruppen, Freunde, Kollegen.

Den Stadtteil Ehrenfeld findet ihr natürlich auch auf dem Kinderstadtplan Ehrenfeld. Wo ihr euch euren Kinderstadtplan holen könnt und was darauf zu sehen ist, erfahrt ihr über www.kinderstadtplan.koeln.

Und hier findest du noch andere spannende Viertel aus der Reihe „Ming Veedel".

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