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Kinderbücher über Rücksichtnahme und Achtsamkeit

Judith Sanders · 25.03.2026

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©zakiroff/AdobeStock

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Kinder sollen Rücksicht nehmen – auf sich und auch auf Andere. Zwischen Selbstbehauptung und Achtsamkeit fragen sich viele Eltern, wie sie ihre Kinder gut begleiten können. Diese Auswahl an Bilderbüchern und Vorlesegeschichten zeigt, wie Kinder Rücksichtnahme im Alltag lernen – von Freundschaft über Familie bis Schule. Die Geschichten helfen dabei, Gefühle zu verstehen, Konflikte zu lösen und Empathie zu entwickeln. Fähigkeiten, die auch manche Erwachsene noch vertiefen können.

Kinder wurden noch vor ein paar Jahrzehnen oft schon in einem sehr frühen Alter darauf gedrillt, ihre kindlichen Bedürfnisse zurückzustellen und immerzu Rücksicht auf Eltern, Autoritäten, Ältere und Andere zu nehmen – und sich vor allem in der Öffentlichkeit schön brav und still zu benehmen. Diese Zeiten wünscht sich niemand zurück. Und vielleicht erlebt man auch deshalb heute manchmal eine gewisse Verunsicherung und Zurückhaltung bei Eltern und Pädagog:innen, Kinder beherzt zu Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse anderer Menschen zu erziehen. Lässt man aus Unsicherheit darüber, welches Maß an Rücksichtnahme bei Kindern je nach Alter angemessen ist und wo Überanpassung anfängt, Kinder heute eher mal gewähren, wo eine Aufforderung zu mehr Achtsamkeit und Rücksichtnahme geboten ist?

Auch wir werden die Frage nach dem richtigen Mittelweg nicht klären können, möchten euch aber einige Bilderbuch- und Vorlesetipps mit unterschiedlichen Schwerpunkten zum Thema vorstellen. Darin dreht sich alles um die Fragen, wo, wie, wodurch und unter welchen Umständen Kinder gut Achtsamkeit und Rücksicht erlernen können. Was gibt es für typische Alltagssituationen und Schlüsselerlebnisse, bei denen und für die Kinder Rücksichtnahme lernen können? In Bezug worauf lernen sie, Rücksicht zu nehmen? Gegenüber welchen Menschen ist manchmal ein Mehr an Rücksichtnahme geboten? Welche freundschaftlichen Hilfen und Ratgeber brauchen Kinder, um zu verstehen, wann sie rücksichtslos waren, warum und wie sie es beim nächsten Mal besser machen können? Wieviel Rücksicht auf die eigenen kindlichen Bedürfnisse brauchen Kinder überhaupt erstmal, um auch Rücksicht auf Andere nehmen zu wollen und nehmen zu können?


Leise sein für Anfänger

Ab 4 Jahren

Hannibal nervt. Und die anderen Tiere in der Savanne sind endgültig sauer auf ihn. Erst trompetet der wilde kleine Elefant sie vor lauter Übermut ungefragt wach, bespritzt sie dann mit einer Ladung Wasser, futtert ihnen das Frühstück weg, gibt beim Fußball nicht ab und verschießt den Ball schließlich auf Nimmerwiedersehen.
Hannibal hat Spaß und weiß gar nicht, warum sich die Tiere von ihm abwenden. Doch die kleine Maus versteht, dass Hannibal offenbar etwas Hilfe braucht, um zu verstehen, was Rücksicht bedeutet. Der kleine Elefant lernt, dass es wichtig ist, nicht nur auf seine eigenen, sondern auch auf die Bedürfnisse der anderen Tiere zu achten, und dass es eine Zeit fürs Laut sein und eine fürs Leise sein gibt. Die anderen Tiere wiederum lernen, dass Hannibals Lautstärke auch sehr nützlich sein kann, als er sie damit vor den Hyänen rettet.
Da sich junge Leser:innen ab 4 Jahren leicht mit dem kleinen Elefanten identifizieren können, begreifen sie mit ihm zusammen viel über Rücksichtnahme. Das Umfeld der kleinen Lesenden hingegen versteht, was es braucht, um Kindern bezüglich des Themas erst einmal die Augen zu öffnen. Die vom Autor am Ende der liebevoll gestalteten Buchseiten direkt an Lesende gerichteten Fragen regen zu weiterem Nachdenken an.

Autor:in: Kai Haferkamp, Illustrationen: Pina Gertenbach

Baumhaus Verlag

15 Euro

Die laute Hedda

Ab 3 Jahren

„Wohin soll das denn alles, wenn nicht laut aus mir heraus?!“ Hedda heult, brüllt und rastet aus. Jetzt ist sie nicht mehr nur voller Energie, sondern auch noch voller Wut, und zwar auf ihren Papa, der sie mal wieder in einer Tour bittet, leise zu sein. Weil er arbeiten muss – wie immer. Ihr Fußballspielen im Haus war ihm zu laut. Die Klänge, die sie Omas Trompete entlockt hat – zu laut. Das Hufgeklapper ihres Besenstil-Pferdes Skitty – alles zu laut. Aber zu den bellenden Nachbarshunden, zu dem Motorrad-Geknatter vor dem Fenster oder dem Krach der Waschmaschine sagt Papa nichts.
Erst als Hedda ausflippt, versteht Papa, dass Rücksichtnahme keine Einbahnstraße ist, sondern etwas Wechselseitiges. Und dass seine kleine Power-Tochter nur dann rücksichtsvoll sein kann, wenn er ihr zwischendurch etwas Aufmerksamkeit schenkt und mit ihr spielt. Am besten wild und laut – dann klappt’s auch mit dem Leise-Werden.
In blassbunt-wildem Comicstil und mit lautmalerischen Krachwörtern regt das Buch vor allem mit – auch direkt an die Leser:innen ab 3 Jahren gerichteten – Fragen zum Nachdenken an: Wer empfindet eigentlich was als laut und störend? Unter welchen Bedingungen können Eltern und Kinder gut aufeinander Rücksicht nehmen? Hilft es vielleicht, die Perspektive des anderen einzunehmen, und lassen sich Kompromisse finden?

Autor:in: Katrin Michel, Illustrationen: Josephine Wolff

Carlsen Verlag

15 Euro

Der Quasselsaurus

Ab 3 Jahren

Der Quasselsaurus macht seinem Namen alle Ehre. Auch auf dem Waldausflug mit den anderen Dino-Kindern quatscht, plappert und schwatzt er wieder ohne Punkt und Komma. Es ist ja nicht uninteressant, was Quasselsaurus zu erzählen hat, aber langsam sind seine Kamerad:innen verärgert. Restlos alle Versuche, seinen Redefluss auch nur mal für zwei Sekunden zu unterbrechen, schlagen fehl. Sie wollen doch auch mal was sagen. Und dass Quasselsaurus zur Abwechslung auch mal ihnen zuhört. Aber der verpasst schließlich sogar Minis Warnung vor dem „Loch“.

Anhand der freundlich und zart-bunt gezeichneten Reimgeschichte vom Quasselsaurus können Kinder ab 3 Jahren gut nachvollziehen, dass es einsam macht, wenn man anderen nie zuhört und immer nur sich selbst gerne reden hört. Sie verstehen auch, dass diese Angewohnheit nicht nur unsensibel und unhöflich ist, sondern ihnen dabei auch spannende und wichtige Infos entgehen. Aber natürlich – Ende gut, alles gut – erhält der kleine Quasseldino Gelegenheit, dazuzulernen, und schon bald wenden sich ihm die anderen Dinos wieder freundschaftlich zu.

Autor:in: Rachel Bright, Illustrationen: Chris Chatterton

Magellan Verlag

16 Euro

Wenn das jeder macht

Ab 4 Jahren

Was ist denn, wenn das jede:r macht? Wenn zuhause jede:r dreckige Fußtapsen hinterlässt und das schmutzige Geschirr einfach nur in die Spüle stellt? Wenn auf der Straße alle stur geradeaus gehen und dabei am besten noch Bananenschalen auf den Gehweg schmeißen? Was passiert, wenn Rad-, Roller- oder Autofahrer:innen am Zebrastreifen und überhaupt im Verkehr so schlecht aufpassen, dass sie ständig die Fußgänger:innen erschrecken oder sogar umfahren? Oder wenn jede:r andere anbrüllt, wenn man schlechte Laune hat? Egal, ob es aus Unbedachtheit oder mit Absicht geschieht: Ohne gegenseitige Rücksichtnahme versinkt unser gemeinsames Leben im Chaos und wir täten uns ständig gegenseitig weh.
Manuela Olten illustriert das Thema Rücksichtnahme für Kinder ab 4 Jahren in vielen szenischen Einzelsituationen mit witzig-bunten, detailverliebten Bildern und Sprechblasen. Den „Platz da, hier komm ich“- Szenen und den „Nach mir die Sintflut“-Bildern stellt sie Buchseiten mit entspannten schönen Gemeinschaftsszenen gegenüber – in hellerer, freundlicherer Optik, aber mit derselben Leitfrage als Überschrift: „Was, wenn das jeder macht?!“ Was, wenn jede:r Danke sagt, freundlich grüßt, andere tröstet, Hilfe anbietet oder sich Zeit für andere nimmt? Eine rundum gelungene Präsentation des Themas für Kinder, um sich mit den Konsequenzen von Rücksicht und Rücksichtslosigkeit auseinanderzusetzen.

Autor:in/Illustrationen: Manuela Olten

Rotfuchs Verlag

15 Euro

Das einzig wahre Benimmbuch für Kindergartenmonster

Ab 2 Jahren

Zottelmonster Alfred hat Teufelshörnchen auf dem Kopf und geht schon seit mindestens „hundertzehnzig“ Jahren in den Kindergarten. Auf seinem T-Shirt steht „Nö!“ und es spricht die Leser:innen kackfrech mit „Pupsi“ an, wenn es ihnen seine Anti-Benimmregeln für den Kindergarten erklärt: Zum Beispiel niemals auf das Erziehungsmonster zu hören! Eine andere Regel lautet, dass man auf dem Weg zum Kindergarten rennen, überholen, wegschubsen und „Eeeerstaaa!“ schreien muss. Ein dritte Regel besagt, beim Reinkommen Tasche und Stiefel einfach nur in irgendeine Ecke zu schleudern – auch wenn der Stiefel einem Mädchen in hohem Bogen auf den Kopf knallt. Und eine Vierte, von der Hängematte aus zuzusehen, wie die anderen Kindergartenkinder aufräumen. Bei solchen und anderen Missetaten kann man Alfred in diesem Bilderbuch zugucken. Am Ende richtet die Autorin zwei Fragen an die Leser:innen: „Kennst du dich besser aus im Kindergarten als Alfred?“ und „Hast du Lust, ihm deine Regeln zu erklären?“ Und wenn ja, möge man doch mit der Lektüre nochmal von vorne anfangen.

Eine pädagogisch gewitzte Idee, bei Kindern das Thema Rücksichtnahme zu festigen, indem sie durch spielerische Verkehrung und Lernen am Negativbeispiel zu Protest herausfordert werden und dazu, die fragwürdigen Regeln des Monsters zu korrigieren. Durch seine Verortung dürfte sich das Buch besonders für Kindergarten-Anfänger:innen ab 2 Jahren eignen. Die herrlich frechen Illustrationen bringen Alfreds wilde Reise durch den Kindergartenalltag und seine anarchische Grundhaltung gut zur Geltung und werden bei den Lesenden für viel Vergnügen sorgen.

Autor:in: Kerstin Löwe, Illustrationen: Larisa Lauber

Baumhaus Verlag

12 Euro

Gecko und das Glück des Gebens

Ab 3 Jahren

Goldie, der Gecko, lebt auf einer Tropeninsel und hält sich und seinen Gesang einfach für großartig. Er glaubt, ein Star zu sein, und trällert deshalb tagein tagaus seinen Artgenoss:innen die Ohren zu. Leider finden die seinen Gesang gar nicht toll und auch sein egoistisches Verhalten nicht. Beim Klettern, beim Tanzen, überall drängelt er sich in den Vordergrund, denkt nur an sich und schnappt beim Essen den anderen die Mango vor der Nase weg. Als ihm die Geckos eines Tages deutlich zu verstehen geben, wie überdrüssig sie seines Gesangs sind und ihn fast anflehen, doch bitte endlich Ruhe zu geben, denkt sich Goldie „Tse!“ und verlässt kurzerhand die Kolonie. Er will sich ein neues Publikum suchen. Eines, das seine Kunst zu schätzen weiß. Doch angekommen in der roten Bucht hört er zum ersten Mal das Echo seines Gesangs und erkennt schockiert, wie grausig er klingt. „Das schreckliche Gejaule… der Lärm… das war ja ich?!“
Diese Schlüsselszene in der humorvoll und farbenfroh gereimten Bilderbuch-Geschichte von Rachel Bright und Jim Field für Kinder ab 3 Jahren leitet einen Wendepunkt in Geckos Leben ein. Er fängt an, sich mehr auf die Bedürfnisse anderer zu besinnen, und vollzieht eine Entwicklung hin zu mehr Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit und Rücksichtnahme.

Autor:in: Rachel Bright, Illustrationen: Jim Field

Magellan Verlag

16 Euro

Der Angebär

Ab 4 Jahren

Der Angebär hat es nicht nötig, auf die anderen Tiere zu achten und aufzupassen, wo er hintritt. Er hält sich mit seinen tollen Posen für den Coolsten im Wald. Selbst schuld, wenn Fuchs oder Schlange ihm im Weg sind. Sie werden hemmungslos hinweg gerempelt, geschubst und geschleudert. Und dass er auf die Schildkröte drauftritt, scheint er erst gar nicht zu merken. Einzig der Elch bietet ihm Paroli und Angebärs Versuche, ihn aus dem Weg zu schieben, scheitern kläglich. Als der Elch ihm ins Gewissen reden will, mal ein bisschen Rücksicht auf andere zu nehmen, verhallt das ungehört. Und so muss Angebär seine Lektion leider anders lernen – nämlich, indem er einen Abhang hinunterstolpert und in einer tiefen Matschgrube landet, aus der er allein nicht mehr rauskommt. Wie lachen da die anderen Tiere vor Schadenfreude. Und wie peinlich für Angebär – nicht nur der kläglichen Figur wegen, die er bei dem ungeschickten Sturz abgibt. Zu dumm, dass er jetzt auch noch auf die Hilfe der anderen Tiere angewiesen ist. Als die ihn trotzdem mit vereinten Kräften aus der Kuhle ziehen, wird der Angebär ganz kleinlaut und dankbar. Ausgelöst durch dieses Ereignis vollzieht Angebär schließlich eine Wandlung hin zu einem rücksichtsvollen Bären, der selbstverständlicher Teil der Gemeinschaft wird.
Ein gelungenes Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren mit farblich angenehm ruhigen Illustrationen über fehlende Achtsamkeit und Rücksichtnahme im Gewand von Überheblichkeit. Und eine schöne Interpretation des Spruchs „Hochmut kommt vor dem Fall“.

Autor:in/Illustrationen: Alex Willmore

Dragonfly Verlag

14 Euro

Alle behindert!

Ab 5 Jahren

Steckbrief Anna:
Behinderung: Trisomie 21
Was ist daran doof: Braucht länger, um Dinge zu lernen, wird oft nicht verstanden
Geheimwissen: Wegen der schlaffen Zungenmuskeln!
Mag gerne: Lachen, Musik, Pommes
Mag weniger: Sprechen, Eile
Was lasse ich lieber: Zwingen, wenn sie bockig ist, Babysprache, „Hör auf zu schmatzen!“ sagen

Steckbrief Julian:
Behinderung: Angeberei
Wo kommt das her: Zu viel Zeit allein, Verwöhnung oder Vernachlässigung durch die Eltern
Was lasse ich lieber: Missachten, in Wettbewerb treten, besser sein wollen
Geht das wieder weg: Vielleicht.

Das sind nur einige Kategorien der insgesamt 25 herrlich kess illustrierten Steckbriefe, für die die Autor:innen mit behinderten und besonderen Kindern zusammengearbeitet haben. Es ist kein einschlägiges Buch zum Thema Rücksichtnahme oder wie man sie gut erlernen kann, aber ein sehr hilfreiches Buch für Kinder ab 5 Jahren, um zu verstehen, warum Menschen mit einer Behinderung, Beeinträchtigung oder Besonderheit oft ticken, wie sie ticken. Und darüber, wie man darauf Rücksicht nehmen und einen guten Umgang damit finden kann. Dabei sind die steckbrieflichen „Behinderungen“ von Herzfehler über Lernbehinderung bis hin zu Schüchternheit und Angeberei breit gestreut und es besteht die Möglichkeit, sich womöglich auf einer der Steckbrief-Seiten selber wiederzufinden. Das Buch jedenfalls stellt die inklusive Frage, ob wir nicht – auf unsere jeweilige Art – alle ein bisschen speziell sind und von anderen besondere Rücksichtnahme brauchen. Und es vergisst auch nicht, zu sagen, welche ganz eigenen Stärken mit einer jeweiligen Behinderung oder Besonderheit einhergehen können.  

Autor:innen: Monika Osberghaus/Horst Klein, Illustrationen: Horst Klein

Klett Kinderbuch Verlag

15 Euro

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