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Darauf können Eltern bei der Auswahl von Kinderfilmen achten

Lisa Böttcher · 03.02.2026

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Eine Filmauswahl fällt vielen Eltern schwer. ©Konstantin Yuganov/AdobeStock

Eine Filmauswahl fällt vielen Eltern schwer. ©Konstantin Yuganov/AdobeStock

Ob abends auf dem Sofa oder im samtroten Kinosessel – einen Film zu schauen ist auch für Kinder ein besonderes Erlebnis, welches große Gefühle auslöst und lange in Erinnerung bleibt. Umso wichtiger ist die sorgfältige Auswahl eines passenden und guten Kinderfilms. Christian Exner vom deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF) verrät im Interview, was einen hochwertigen Kinderfilm auszeichnet und warum die FSK allein oft nicht als Empfehlung ausreicht.

KÄNGURU: Eltern sind häufig unsicher bei der Auswahl von Kinderfilmen. Zur Orientierung gibt es die FSK-Kennzeichnungen – also die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Können Sie erklären, was diese aussagen und ob sie verlässlich sind.

Christian Exner: Die FSK beurteilt, ob Filme für Kinder aus sozialer und psychologischer Sicht sicher sind. Aber wenn man von einer „FSK-Empfehlung“ spricht, dann ist das schon ein Missverständnis. Mit einer FSK ab 0 Jahren kann zum Beispiel auch ein Dokumentarfilm zum Thema Investmentbanking gekennzeichnet werden. Schädigt der Film Kinder? Nein! Aber interessiert er Kinder? Garantiert nicht. Das bedeutet, dass bei Altersempfehlungen andere Aspekte zählen: Weckt ein Film das Interesse von Kindern? Nimmt er ihre Perspektive ein? Sind die Protagonist:innen im Alter des Publikums? Dann ist der Film im besten Fall für sie besonders geeignet. Wobei auch gilt: Kinder sind sehr unterschiedlich erfahrene Filmzuschauer:innen. Filme für Jüngere werden oft bilderbuchartig und in Episoden erzählt. Ältere Kinder hingegen mögen ausgereiftere Fantasy-Storys, Krimis, Freundschafts- und Tiergeschichten oder Abenteuerfilme.

Filme für jüngere Kinder sind auch meist kürzer. Ist die Filmlänge ebenfalls ein Kriterium?

Ganz pauschal kann man sagen: Je jünger das Kind, desto kürzer sollte der Film sein. Ein Kinofilm ist zum Beispiel für 4 bis 5-Jährige tendenziell zu lang. Kleine Kinder sind es nicht gewohnt, dass sie knapp zwei Stunden an einem festen Ort sitzen, wo es nur ein Programm mit einer einzigen Geschichte gibt. Für jüngere Kinder sind kürzere Erzählepisoden mehr geeignet. Filme für ältere Kinder bauen hingegen eine komplexere Dramaturgie mit einem erzählerischen Faden auf, der die Geschichte über 90 Minuten trägt.

Worauf können Eltern bei der Filmauswahl also achten?

Generell ist es gut, wenn Eltern sich Gedanken machen und sich dafür interessieren, was die Kinder gucken. Es gibt so viele interessante Filme mit tollen Geschichten. Eltern sollten die Programmentscheidung nicht erst auf der Türschwelle des Kinos treffen. Man sollte schauen, was Medienpädagog:innen oder Filmkulturvermittler:innen zum Alter und zum Inhalt sagen. Wir im KJF bieten zur Orientierung Filmkritiken und Siegel an. Man kann dort auch nach einem Altersspektrum filtern.

Was macht denn einen wirklich guten Kinderfilm aus?

Wichtig ist, wie sehr auf die Interessenwelt der Kinder eingegangen wird. Und Filme müssen in jeder Hinsicht sorgsam gemacht sein, was Ästhetik und Dramaturgie angeht. Man muss die Zuschauenden mit Neuem überraschen und interessante Wendungen sowie Bezüge zum Leben und Erleben der Kinder einbauen.

Welche Rolle spielen Held:innen und Protagonist:innen?

Kinder suchen nach Vorbildern und orientieren sich daran, wie Figuren Konflikte lösen und wie sie unterscheiden, was richtig und falsch ist. Held:innen stehen auch für Stärke und Mut. Dennoch verlange ich von Protagonist:innen, dass sie vielschichtig gestaltet sind und charakterliche Zwischentöne haben. Reine Superheld:innen werden schnell langweilig.

Inwiefern sind ernstere oder traurige Themen wichtig?

Ich bin ein großer Fan von Realismus. Es kann emotional sehr bestärkend sein, wenn Kinder auch einmal mit der Tragik des Lebens konfrontiert werden. Im Kinderfilm wird oft der Heile-Welt-Aspekt übertrieben, aber die Welt ist nicht konfliktfrei – auch die von Kindern nicht. Guten Filmen gelingt oft eine Mischung aus tragischen und ermutigenden Aspekten. Wobei letztere überwiegen.

Wie können Eltern damit umgehen, wenn ein Kind nach einem Film traurig ist?

Man sollte dem Film und den Filmschaffenden vertrauen. Die meisten qualitativ hochwertigen Kinderfilme gehen am Ende bestärkend aus. Das Wichtigste ist, dass Eltern dabei sind und ihre Kinder nicht im Kino oder vor dem Fernseher „parken“. Man sollte ansprechbar sein und offen für die Gefühle des Kindes bleiben.

Und wenn das Kind einen Film sehen will, den Eltern kritisch sehen?

Bei Filmen, die tatsächlich nicht für junge Kinder freigegeben sind, muss man mit der FSK kommen. Da gibt es keine Diskussion. Viel Verhandlungsspielraum gibt es hingegen bei Interessensfragen. Was erhofft sich das Kind von dem Film? Und kann der Film diese Erwartungen erfüllen? Manche Filme sind sehr kommerziell und bieten wenig Inhalt. Aber alle Kinder haben sie gesehen und reden darüber – da ist die Neugier groß. Eine Mischung aus unterschiedlichen Filmen macht es aus. Schwierig ist es bei Geschwistern unterschiedlichen Alters, da muss man viel abwägen und moderieren.

Manche Filme sind schlecht gealtert. Wie können Eltern mit solchen Filmen umgehen, die zum Beispiel diskriminierende Begriffe enthalten?

Ich verstehe die Sensibilität, die man dafür hat. Mein Standpunkt ist, dass man Stoffe – wie zum Beispiel die Geschichten von Astrid Lindgren – pädagogisch einbetten sollte, statt sie nur umzuschreiben oder nicht mehr zu gucken. Man sollte sie zum Anlass für Bildung nehmen und mit Kindern darüber sprechen, wie man früher gedacht hat und warum wir das heute anders bewerten.

Wie unterscheidet sich das Kinoerlebnis vom Filme schauen zu Hause?

Im Kino wirken Filme durch die Technik stärker, man ist fokussierter als daheim und weniger abgelenkt. Allein schon der Besuch des Kinos ist nicht alltäglich und macht das Filmerleben zu etwas Besonderem. Für kleine Kinder kann das Kino allerdings erst einmal unheimlich sein. Manche Kinos bieten deshalb Kindervorstellungen, in denen sie das Licht leicht abgedimmt anlassen und Pausen zum Spielen machen. Statt Werbung gibt es eine Moderation für die Kinder. Das ist ideal.

Welche Kinderfilme sind Ihnen aus Ihrer Arbeit besonders in Erinnerung geblieben?

Da nenne ich gerne den australischen Film „Das Blubbern von Glück“. Die Protagonistin wirkt erst etwas seltsam, spielt sich aber durch ihren Charakter in die Herzen des Publikums. Der Film schafft es sehr gut, schwere Themen mit leichter Hand verständlich zu erzählen.

Sehr ans Herz gewachsen ist mir auch „Tony, Shelly und das magische Licht“. Der Film ist sehr kunstvoll animiert und hat eine starke Symbolik: Es geht um einen Jungen, der von innen heraus leuchtet und damit erst mal sehr anders ist. Aber schlussendlich bildet er den Gegenpol zu einer Welt, die sich zunehmend verdüstert.

Zuletzt hat mich außerdem „Der letzte Walsänger“ sehr beeindruckt. Das ist eine bildgewaltige Ökofabel, die subtil den Klimawandel thematisiert. Die Geschichte ist jedoch ziemlich tragisch und erfordert bei jungem Publikum eine gewisse innerliche Stabilität oder Resilienz.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Exner.

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