Kolumne

Schwarz, Rot, Gold - Yeah!

Frau Karli · 28.09.2018

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© Pexels

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Oder: Neulich beim Einkaufen ... aus dem Leben der Frau Karli

Obwohl ich nicht einen einzigen Tropfen deutsches Blut in den Adern habe und unsere Kinder neben den deutschen auf chinesische, belgische, türkische und französische Ahnen zurückblicken, liebt unsere Vierjährige alles, alles, aber auch alles, was schwarz, rot und gold markiert ist. „Deutschlaaaand! Ich liebe Deutschlaaaand!“, schreit sie dann immer begeistert und bringt mich damit manchmal ein bisschen in Verlegenheit.

Deutschland-Extase

So wie neulich beim Einkaufen in einem Discounter. Wir wollten Backzutaten und Dekoration für ihren bevorstehenden Geburtstag kaufen. Ich hatte mir das Muffin-Spektakel schon so schön ausgemalt vor meinem geistigen Auge: herrliche Toppings aus knalligem, irgendwie buddhistisch anmutendem Zuckerguss mit filigranen Zuckerstreuseln und hier und da ein Goldperlchen, hach! Meine Tochter jedoch identifizierte sofort alle einschlägigen Produkte und Utensilien – Smarties, Flaggen, Chips – und verfiel in ihre übliche Schwarz-Rot-Gold-Extase. Deutschland, Deutschlaaand!

Identitätsstiftende Insignien

Selbstverständlich erwog ich, meine impulsive Tochter dafür zu sensibilisieren, wie unpopulär eine solche Wahl angesichts der rustikalen Stimmung im Lande ist. Und wie heikel es ist, sich mit identitätsstiftenden Insignien zu schmücken und damit einer Privatveranstaltung so diesen gewissen Touch hinzuzufügen. Dann merkte ich, wie ich langsam Kopfweh bekam von all diesen abwegigen, belasteten und neurotischen Gedanken. Wie das eben manchmal so ist nach einem langen, wuseligen Tag. Also knutschte ich mein Kind ab und packte den Wagen voll. Türkis und Tibet-Pink mit Gold und bunten Streuseln hätte ich trotzdem schöner gefunden.

Herzlichst Ihre
Frau Karli


© John Krempl/photocase.com

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