Kolumne

Grüner Leben: „E jot Jeföhl“

Holger Müller · 07.02.2020

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© Tom Bayer – stock.adobe.com

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Holger Müller über die Vereinbarkeit von Karneval und Nachhaltigkeit

Als Immi wusste ich nicht so recht, was auf mich zukommen sollte. Die Worte der Schulleiterin „… und selbstverständlich nehmen wir alle am Zoch teil – auch die Eltern“ habe ich wohl gehört, aber nicht verstanden. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass es eine großartige Sache ist, in einer Fußgruppe beim Veedelszoch mitzugehen, und auf keinen Fall möchte ich diese Erfahrung missen. Und keinesfalls ist es möglich, ohne Wurfmaterial mitzugehen – das würde keinen Sinn ergeben. Schließlich möchte das Brauchtum gepflegt werden, wenn die Menge, von beiden Seiten auf dich zuwogend, frenetisch und heiser und irgendwie herrlich bekloppt „Kamelle“ schreit. Und selbst das orange AWB-Ballett danach hat seinen Reiz. Gleichzeitig verändert sich die Welt, „Wetten, dass?“ gibt es (gerade) nicht mehr, in Australien brennt der Busch und weltweit gehen junge Menschen für eine nachhaltige Zukunft auf die Straße. Was Köln angeht, weiß der Stadt-Anzeiger, dass allein während des Rosenmontagszugs rund dreihundert Tonnen Kamelle und Strüßje geworfen werden und 2017 insgesamt 420 Kubikmeter Müll entlang des Zugweges beseitigt wurden.

Können wir also Karneval und Nachhaltigkeit zusammenbringen? Es ist gar nicht so schwer, damit anzufangen, finden wir. Jeder für sich kann beispielsweise mit einer Selbstanalyse starten. Wir haben festgestellt, dass von den Sachen, die wir bei anderen Zügen gesammelt haben, circa zwanzig Prozent gegessen oder benutzt werden. Dabei handelt es sich meist um Markenartikel und Dinge, die man tatsächlich brauchen kann, wie Taschentuchpäckchen, Spülschwämme oder solche Sachen eben. Zudem sind wir auf die Kampagne „Jecke Fairsuchung” gestoßen, die in NRW fair gehandeltes Wurfmaterial in den Karneval bringen möchte. Bleiben zusammengefasst drei Kriterien:

  • Klasse statt Masse
  • Fairen Handel unterstützen
  • Sinnvolle Dinge bevorzugen

Wäre einen Versuch wert, oder?

Wer mehr über das Projekt „Jecke Fairsuchung“ erfahren möchte, kann sich hier informieren: www.jeckefairsuchung.net

Autor Holger Müller lebt mit Frau und Töchtern in Köln. Als Familie versuchen sie, das komplexe Thema Nachhaltigkeit in ihrem Alltag zu leben. Holger arbeitet als Qualitätsmanager an einer Hochschule und lehrt an der Universität Duisburg-Essen, wie Nachhaltigkeit und Zukunft zu gestalten sind. Im KÄNGURU schreibt er regelmäßig über diese Ideen in seiner Kolumne „Grüner Leben“.

 
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