Kolumne

Generationsverständigung

Holger Müller · 07.11.2022

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© lovelyday12/AdobeStock

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Holger Müller über die Verständigung der Generationen mit Buch- und Filmtipps für groß und klein

Generationenverständigung ist eine verzwickte Sache. Das stellen wir täglich fest. Wir Eltern verstehen unsere jüngere Tochter nicht, sie versteht uns nicht und die Ältere versteht uns alle nicht, und umgekehrt natürlich. In der Elternrolle wissen wir ja alles besser – aus (unserer) Erfahrung eben. Die jungen Leute haben dafür eine (ihre) unverbrauchte Perspektive auf die Realität und machen daher ihr eigenes Ding. Wenn nun jemand sagt, die hocken nur auf dem digitalen Baum (höre ich in letzter Zeit oft), dem sei wertungsfrei mitgegeben: woher haben sie das wohl oder wer hat den Weg ins Metaverse vorbereitet? Was hat das nun mit Nachhaltigkeit im Familienalltag zu tun? Einiges, denn wir alle leben und agieren auf diesem kleinen, einzigartigen Planeten, der gerade klimamäßig mächtig taumelt. Ohne Büro-Temperatur-Direktive möchte ich daher verschiedenen Altersgruppen eine Lektüre empfehlen.

Für die Eltern: Der Sozialwissenschaftler und Philosoph Bruno Latour hat mit seiner Schrift „Das Parlament der Dinge“ einen interessanten Perspektivwechsel vollzogen und stellt die Frage, was wäre, wenn die Dinge, also nicht-menschliche Akteure, über die Bedingungen auf der Erde mitentscheiden könnten. Anregender Ansatz in einem nicht durchgängig einfach zu lesenden Buch. Aber der Anspruch, alles zu verstehen, wird ohnehin überbewertet.

Für die Kleinen ist die „Konferenz der Tiere“ von Erich Kästner ein feines Vehikel. Schön altmodisch illustriert, die Sprache übrigens auch. Aber das ist eine Erwachsenenbewertung und fällt den Kleinen sicher nicht auf. Dafür ist die Geschichte der Tiere, die aus Frust über das Versagen der Menschenpolitik eine Konferenz einberufen, einfach und eindringlich erzählt. Kästner eben.

Allen, die altersmäßig dazwischen sind und ein bisschen Grusel vertragen, sei der japanische Animationsfilm „Prinzessin Mononoke“ empfohlen. Der Film wirft, großartig gestaltet, die Frage auf, ob es eine Koexistenz von Mensch und Natur geben kann. Auch lassen sich zahlreiche Cosplay-Figuren ableiten. Traut euch!

Autor Holger Müller lebt mit Frau und Töchtern in Köln. Als Familie versuchen sie, das komplexe Thema Nachhaltigkeit in ihrem Alltag zu leben. Holger arbeitet als Qualitätsmanager an einer Hochschule und lehrt an der Universität Duisburg-Essen, wie Nachhaltigkeit und Zukunft zu gestalten sind. Im KÄNGURU schreibt er regelmäßig über diese Ideen in seiner Kolumne „Grüner Leben“.

 
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