Finanzrat: Wer spart eigentlich für dich?
Freya Früh · 06.10.2026
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© Geber86/Adobe Stock
Am 30. Oktober ist Weltspartag. Dann wandern wieder Tausende Münzen vom Sparschwein auf das Sparbuch, und viele Eltern denken: Wir tun doch was. Tut ihr auch. Nur leider das Falsche.
Rechnen wir kurz. 25 Euro im Monat, 18 Jahre lang, aufs klassische Sparbuch: Am Ende liegen rund 5.400 Euro auf dem Konto. Eingezahltes Geld, kaum mehr. Nach Inflation ist real weniger übrig, als ihr eingezahlt habt. Dieselben 25 Euro, eingezahlt in einen breit gestreuten ETF-Sparplan, bei durchschnittlich 6 Prozent Rendite im Jahr: rund 9.700 Euro. Gleicher Aufwand, gleiche Disziplin, fast doppeltes Ergebnis. Der Unterschied ist keine Glückssache. Der Unterschied heißt Zinseszinseffekt durch Zeit – euer Kind hat davon mehr als jeder andere in eurem Haushalt.
Das Gute daran: Ihr müsst dafür kein Geld übrig haben, das ihr nicht habt. Ein Teil des Kindergeldes, das Geburtstagsgeld von Oma, der Betrag, der ohnehin auf dem Girokonto versickert – mehr braucht es nicht, um anzufangen.
Warum Mütter auch für sich selbst sparen sollten
Und jetzt die unbequeme Frage an die Mütter: Wer spart eigentlich für dich? Ich erlebe es in meiner Beratung fast täglich. Das Kinderdepot steht, die Ausbildungsversicherung läuft, das Sparbuch ist beschriftet. Und die Mutter, die in Teilzeit arbeitet, Elternzeit genommen hat und die Care- Arbeit stemmt, hat für sich selbst: nichts. Frauen bekommen in Deutschland im Alter rund ein Viertel weniger Rente als Männer. Das ist die Rechnung für ein Leben, das wir für alle anderen organisiert haben.
Deshalb mein Vorschlag für diesen Weltspartag: Bevor du das nächste Depot für dein Kind eröffnest, eröffne eins für dich. Drei Schritte, die an einem Abend zu schaffen sind.
Drei Schritte für die eigene Altersvorsorge
1. Zahlen ansehen
Renteninformation raussuchen, deinen Bedarf im Alter grob überschlagen. Die Lücke tut kurz weh – und genau deshalb bringt sie dich in Bewegung.
2. Automatisieren
Ein Dauerauftrag am Tag nach dem Gehaltseingang. Regelmäßigkeit schlägt den perfekten Zeitpunkt. Was automatisch läuft, überlebt auch chaotische Monate mit Kita-Schließtagen und Magen-Darm.
3. Klein anfangen
ETF Sparpläne sind schon ab 25 EUR pro Monat möglich. Kein Kompromiss, sondern ein Anfang. Erhöhen kannst du immer.
Dein Kind lernt Geld übrigens nicht aus dem Sparschwein. Es lernt es von dir. Von der Selbstverständlichkeit, mit der am Küchentisch über Depots, Zinsen und Altersvorsorge gesprochen wird.
Stell dir vor, dein Kind ist 18 und sagt: Meine Mutter hat mir gezeigt, wie Vermögen funktioniert. Das wäre der eigentliche Weltspartag. Nach der Emanzipation folgt die Finanzipation.

Freya Früh ist freie Finanz- und Versicherungsmaklerin, Gründerin von FrauFinanzen in Köln – und Mutter von Zwillingen. Mit ihrem Team berät sie Frauen zu Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Absicherung. 2026 wurde sie als Finfluencerin des Jahres (Alltagsfinanzen) ausgezeichnet.
