Kolumne

Backen, Backen, Fluchen

Frau Karli · 27.05.2015

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Foto: Pexels

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Oder: Man muss ja nicht alles können.

Ich kann eine sehr genießbare Mutter sein. In vielen Situationen. Man kann mit mir tanzen und Ausflüge unternehmen, zu denen ich speichelflusserregende Fresspakete schnüre (mit frischen Frühlingsrollen, prallen Kürbis-Knobiwurst-Feta-Brötchen oder Sushi-Riesenrollen). Ich kann Fremde in tiefgründige Gespräche verwickeln und auf unterhaltsame Art mit subtil dosierter Brutalität feilschen. Ich rette jedes vermeintlich misslungene Bild – zum Beispiel mit raffinierter Kolorierung oder kalligrafischen Ablenkungsmanövern. Ich häkele für meine Kinder intergalaktische Accessoires und Barbapapas und kann alle Lieder aus „Eiskönigin“ deutlich und laut mitsingen.

Doch das Leben mit mir hat, das gebe ich offen zu, Schattenseiten. Schatten, die auf meine Kinder darniederfallen wie die Apokalypse. Das passiert immer, wenn ich unter erschwerten Bedingungen zu Tätigkeiten gezwungen bin, die ich verabscheue. Ja, ja – ich weiß selbst, was ich im vielleicht etwas professionelleren Journalistenmodus auf den Seiten 32 bis 34 dieses Heftes geschrieben habe. Von wegen gemeinsam lecker backen und essen und das Zubereiten zelebrieren und so weiter. Aber lesen Sie bitte genauer: Ich schreibe auch – Sie gestatten, dass ich mich selbst zitiere: „Wenn wir (...) Raum für Rituale schaffen, die sich natürlich aus den Neigungen und dem Rhythmus der Familie ergeben, kann bereits die Zubereitung von Essen ein Fest sein.“

Herummatschen mit Teig war das Letzte, was ich mir wünschte.

Also Kuchenbacken (heute ist in der Schule Kuchentag und jedes Kind muss welchen mitbringen) entsprach am gestrigen Tag weder meinen Neigungen noch meinem Rhythmus: Nach einem fleißigen Arbeitsblock, einem Nachmittag voller Erwachsenen- und zunehmend quengeligen Kinderstimmen und Abgabeterminen und der Zubettgehzeit im Nacken war das Herummatschen mit Rührteig so ziemlich das Letzte, was zu tun ich mir wünschte. Und schon gar nicht mit Kindern, die sich in den ohnehin holprigen, schmierigen Workflow einmischen. Deshalb habe ich mich zu übertriebenem Schimpfen hinreißen lassen und dann auch noch unter dem Vorwand, zur Toilette zu müssen, heimlich ins Schlafzimmer gestohlen, um auf dem Bett mit dem Baby zu kuscheln, während die siebenjährige M. alleine weiter die klitzekleinen Förmchen befüllen musste. Natürlich hat sie mich prompt erwischt und ihrerseits ausgeschimpft. Aber hey, ich bin auch nur ein Mensch.

Herzlichst Ihre
Frau Karli

rote Schuhe

© John Krempl/photocase.com

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