Gesundheit

Kinderfüße gesund halten: Tipps von einer Physiotherapeutin

Ursula Katthöfer · 23.03.2018

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Plattfüße sind bei kleinen Kindern ganz normal. © Image Source/iStockPhoto.com

Plattfüße sind bei kleinen Kindern ganz normal. © Image Source/iStockPhoto.com

Was tut Kinderfüßen gut? Wann ist ein Gang zum Arzt nötig? Und sind Second-Hand-Schuhe schädlich? Frauke Mecher von Physio-Deutschland beantwortet die wichtigsten Fragen und erklärt, wie kleine Füße gesund bleiben.

KÄNGURU: Wann sollte man zum Kinderarzt gehen, wenn man sich Gedanken wegen der Füße seines Kindes macht?

Frauke Mecher: Der Kinderarzt schaut bei der U 6, wenn die Kinder beginnen zu stehen, gründlich nach den Füßen. Es ist normal, dass kleine Kinder Plattfüße haben, das Fußgewölbe richtet sich erst ab drei Jahren auf. Sie haben lange einen Knickfuss: Da ihre Beine nach innen zeigen, drehen sie ihre Füße nach außen, um die Unterstützungsfläche zu vergrößern. Das ist normal und gehört zur Entwicklung dazu.

Wer sich unsicher ist, ob alles stimmt, kann einen Test machen: Wenn die Kinder auf den Zehenspitzen stehen, muss die Ferse in einer Linie unter der Unterschenkelachse sein. Wenn das nicht passt, sollte der Kinderarzt gefragt werden.

KÄNGURU: Welche Rolle spielt die Orthopädie bei kleinen Kindern?

Frauke Mecher: Man ist heute mit Einlagen viel zurückhaltender als früher. Sie sind erst sinnvoll, wenn die Aufrichtung im Zehenstand nicht mehr klappt oder wenn das Kind Schmerzen hat. Dann sollte das Kind zum Facharzt. Für Kinder mit neurologischen Erkrankungen gelten natürlich andere Maßstäbe.

KÄNGURU: Wie lässt sich ein Kinderfuß trainieren?

Frauke Mecher: Es gibt viele Möglichkeiten zur Fußgymnastik. Die einfachste ist, barfuß zu laufen – auf wechselndem Untergrund. Nahezu alle Babys kommen mit gesunden Füßen zur Welt, doch zwei Drittel der Jugendlichen haben Fußfehlstellungen. Das liegt auch an den immer gleichen glatten Böden mit Fliesen und Parkett. Ein Flokati und öfter mal im Wald spazieren zu gehen wären besser.

Übungen sind zum Beispiel, sich auf einem Bein die Zähne zu putzen oder auf einem Schaukelbrett zu balancieren.

KÄNGURU: Was halten Sie von Gehfrei und Türhopser? (Anm. d. Red.: Das sind Lauflernhilfen.)

Frauke Mecher: Sie sind für die Kinder überhaupt nicht gut. Denn der Fuß muss belastet sein, um sich aufzurichten. Doch im Hopser ist er unbelastet, manchmal tippt der weiche Vorderfuß sogar dauernd auf den Boden. Damit tun Eltern ihren Kindern keinen Gefallen.

Mit Lauflernhilfen lernen Kinder außerdem nicht, ihr Gleichgewicht zu halten. Auch frühzeitiges Hinstellen schadet, weil der Fuß das Gewicht noch gar nicht halten kann. Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.

KÄNGURU: Was halten Sie von Second-Hand-Schuhen, die bereits getragen sind?

Frauke Mecher: Wenn ein Kind im Kinderwagen Schuhe trägt, um die Füße gegen Kälte zu schützen, ist das kein Problem. Kinderfüße wachsen sehr schnell. Wenn ein Kind nach vier oder sechs Wochen aus Schuhen herausgewachsen ist, haben sie sich generell nicht verformt und können weitergegeben werden. Wenn Schuhe eindeutig abgenutzt sind, darf das nicht sein.

KÄNGURU: Wie beurteilen Sie den Schuhkauf im Internet?

Frauke Mecher: Ein Kind braucht erst dann Schuhe, wenn es draußen läuft und gegen Kälte, Dreck und Hundehaufen geschützt werden muss. Wer dann im Internet Schuhe kauft, kann sich nicht auf die Größentabellen verlassen. Deshalb ist es bei den ersten Schuhen besser, ins Fachgeschäft zu gehen. Wer danach Schuhe im Internet bestellt, sollte mehrere Modelle kommen lassen und zurückschicken, was nicht passt. In jedem Fall sollten Eltern häufig messen. Die Füße von Ein- bis Dreijährigen wachsen bis zu zwei Millimeter im Monat. Das können in einem Jahr drei Schuhgrößen sein.

Vielen Dank!

Unsere Expertin


Frauke Mecher © Foto: privat

Frauke Mecher ist Beiratssprecherin bei Physio-Deutschland, dem zentralen Deutschen Verband für Physiotherapie e. V. mit Sitz in Köln. Zudem hat sie an einem Leitfaden zur Physiotherapie in der Pädiatrie mitgeschrieben. Ihr Thema unter anderem: „Kindliche Fußhaltungen“. Sie behandelt Säuglinge, Kinder und Jugendliche.

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