Gesundheit

Gesunde Zähne bei Kindern

Anja Tischer · 30.01.2014

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iStockPhoto.com © shironosov

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Wie halten wir die Zähne unserer Kinder gesund? Von der richtigen Ernährung bis zum Putzen: KÄNGURU hat mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege gesprochen und Tipps gesammelt.

Gebannt schauen die Kinder der Hasengruppe auf das überdimensional große Gebiss, das die Zahnärztin mitgebracht hat. Die Medizinerin erklärt ihnen, dass sie auch die Backenzähne ganz hinten im Mund putzen müssen. Jeder darf einmal die große Zahnbürste in die Hand nehmen und es am Modell ausprobieren. Danach geht es um Zucker und Karies. Es folgt eine Reihenuntersuchung, zum Schluss bekommt jeder ein Abzeichen – die Kinder der Hasengruppe sind stolz. Denn sie wissen jetzt, wie sie ihre Zähne gesund halten.

Karies: Kinder aus Armutsfamilien sind  stark betroffen

Gruppenprophylaxe nennt man das. Fachleute besuchen Kitas und Schulen, untersuchen das Gebiss der Kinder, erklären alles über Mundhygiene, zahngesunde Ernährung, Karies und Fluoride. Die Präventionsmaßnahmen werden von den gesetzlichen Krankenkassen für alle Kinder bezahlt. Zahnärzte und Prophylaxefachkräfte der regionalen  Arbeitskreise für Jugendzahnpflege setzen die Aktionen vor Ort um, berichtet Bettina Berg, Geschäftsführerin von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ). Der Verband erarbeitet grundsätzliche Konzepte und Inhalte, die bundesweit in der  Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen eingesetzt werden.

Neben Gruppenprophylaxe sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Versiegelungen der Kauflächen Gründe, warum seit 1997 Karies bei Kindern deutlich abgenommen hat. Das stellte die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie 2006 fest. Trotzdem sind laut des letzten Kölner Gesundheitsberichts Kinder aus Armutsfamilien nach wie vor besonders stark betroffen. Gesunde Zähne sind also immer noch ein wichtiges Thema, was auch der jährlich stattfindende Tag der Zahngesundheit verdeutlicht. Doch wie halten wir die Zähne unserer Kinder gesund? Und wie genau entsteht Karies eigentlich?

Alles beginnt mit weißen Flecken

Karies ist eine ansteckende Infektionskrankheit und wird von Mund zu Mund übertragen. Eltern sollten von Anfang an darauf achten, nicht den Schnuller, Nuckel oder Löffel des Kindes abzulecken, um eine Übertragung auf ihr Kind zu vermeiden.

Die Bakterien nehmen Zucker aus der Nahrung auf und wandeln ihn in Säure um. Die wiederum greift den Zahnschmelz an und löst Mineralien, beispielsweise Kalzium heraus. Meist bilden sich weiße Flecken auf der Zahnoberfläche. Dieses Stadium ist noch schmerzfrei. Mit fortschreitendem Befall verfärben sich die Flecken bräunlich.  Wenn jetzt nichts unternommen wird, können schmerzhafte Entzündungen folgen.

Für gesunde Kinderzähne empfehlen Experten

•    mindestens zwei Mal täglich Zähne putzen
•    Anwendung von Fluoriden
•    zahngesunde Ernährung
•    halbjährliche Vorsorgeuntersuchungen

Die Zeit und die Aufmerksamkeit in eine gute Mundhygiene sind eine lohnenswerte Investition. Denn Kinder mit gesunden Milchzähnen bleiben erfahrungsgemäß lebenslang zahngesund.

Früh und richtig putzen

Doch wann geht es los mit dem Zähneputzen? „Ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns zwei Mal täglich“, erklärt Bettina Berg von der DAJ. Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass Kinder erst im zweiten Lebensjahr der Zahnhygiene bedürfen, so die Geschäftsführerin. Für ganz kleine Kinder in den ersten zwei Lebensjahren empfiehlt Berg eine Kinderzahnbürste oder ein Wattestäbchen mit einem dünnen Film fluoridhaltiger Kinderzahnpasta einmal täglich, nach dem zweiten Geburtstag zweimal täglich eine erbsengroße Menge. Eine spezielle Kinderzahncreme ist notwendig, weil diese geringere Mengen von Fluorid enthält als Zahnpasta für Erwachsene.

Kinder sollten so früh wie möglich das Zähneputzen selbst üben. Zunächst entwickeln sie ein Gefühl für das Ritual. Ab dem Kindergartenalter putzen die meisten dann immer bewusster.

Für die richtige Technik beim Putzen empfiehlt die DAJ das KAI-System:

•    auf den Kauflächen hin und her bürsten
•    auf den Außenseiten kreisend putzen
•    die Innenseiten auswischen

Das feinmotorische Geschick entwickelt sich mit zunehmendem Alter. „Aber bis ins frühe Grundschulalter sollten Eltern abends nachputzen“, betont die Geschäftsführerin der DAJ. Als Faustregel gilt: Wenn Kinder flüssig die Schreibschrift gelernt haben, haben sie die nötige Feinmotorik, um die Zähne richtig zu säubern. Gegen Ende des Gebisswechsels, also ungefähr ab der sechsten Klasse, sollten Jugendliche regelmäßig Zahnseide verwenden.

Fluorid macht die Zähne widerstandsfähig

Immer wieder umstritten ist das Thema Fluorid. Viele Kinderärzte empfehlen Fluorid-Tabletten, Zahnärzte hingegen plädieren in der Regel für fluoridierte Zahncremes. Am besten lassen sich Eltern von ihrem Zahnarzt, Kinderarzt oder Heilpraktiker beraten. Denn Fluorid härtet nachweislich den Zahnschmelz und macht die Zähne widerstandsfähiger gegen Karies. Von Tabletten bei gleichzeitiger Anwendung von fluoridierter Zahnpasta raten Experten ab.

Zucker und Säure greifen den Zahnschmelz an

Doch nicht nur von außen, sondern auch von innen können wir unseren Zähnen Gutes tun. Das bedeutet: möglichst wenig Zucker. Denn den benötigen Kariesbakterien für ihre Vermehrung. Und damit ist nicht nur der übliche Haushaltszucker gemeint. Auch Milchzucker, Fruchtzucker und Traubenzucker bieten einen Nährboden. Viele Produkte bergen auch versteckten Zucker. 500 Gramm Ketchup enthalten beispielsweise umgerechnet etwa 33 Stücke Würfelzucker. Dabei spielt weniger die Menge, sondern vielmehr die Häufigkeit eine Rolle. Je öfter Kinder Süßes essen, desto höher ist somit ihr Risiko für Karies.

Sollten Eltern deshalb jetzt auf Süßstoffe und Zuckerersatzstoffe zurückgreifen? Berg hält das  für kontraproduktiv, denn dann würden die Kinder eher noch an Süßes herangeführt. Bei zahngesunder Ernährung geht es gar nicht um absolute Zuckerabstinenz, sondern darum, dass Kinder (und Erwachsene) nicht pausenlos nach Süßem greifen. Gegen Durst eignet sich Wasser oder ungesüßter Tee. Und wenn die Lust nach Zucker ruft, kann frisches Obst den Schokoriegel ersetzen.

Wichtige Faustregeln:

 

•    ausgewogene und kauaktive Ernährung
•    Süßigkeiten nur ausnahmsweise
•    Pausen zwischen den Mahlzeiten

Lassen wir unserem Körper ausreichend Zeit zwischen den Mahlzeiten, baut der Speichel Mineralstoffe in die Zähne ein (Remineralisierung) und spült Bakterien weg.

Und welche Lebensmittel tun unseren Zähnen gut? Kalziumhaltige Produkte wie Brokkoli, Fenchel, Grünkohl, auch Milchprodukte und Milch in Maßen festigen die Zähne. Säuglinge decken ihren Kalziumbedarf mit der Muttermilch ab. Danach gilt laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

•    1 bis 3 Jahre: ein Glas Milch und eine Scheibe Käse pro Tag
•    4 bis 6 Jahre: 250 Gramm Naturjoghurt, eine Scheibe Käse und 180 Gramm Brokkoli pro Tag

Nuckelflaschenkaries – nach wie vor ein Problem

Laut der DAJ leiden je nach Region zwischen circa sieben und 20 Prozent der Kinder unter drei Jahren bereits an Karies. Ein besonders großes Problem ist die Nuckelflaschenkaries. Durch dauerhaftes Nuckeln an Flaschen mit zucker- und fruchtsäurehaltigen Getränken befällt die Karies typischerweise zunächst die oberen Frontzähne und breitet sich dann auf das Gebiss aus. Wird die Flasche dem Kind häufiger zum Eigengebrauch überlassen, zum Beispiel damit es sich beruhigt, kann diese Gebisszerstörung sehr schnell voranschreiten, berichtet Bettina Berg von der DAJ.

Für die Trinkflasche gilt deshalb:

•    möglichst keine Flasche bei gestillten Kindern
•    nur Wasser oder ungesüßte Tees
•    getrunken wird auf dem Arm oder Schoß

Sobald ein Kind sitzen kann, sollte es lernen, aus dem offenen Becher zu trinken.

Übrigens gehört zu gesunden Zähnen auch ein rechtzeitiges Entwöhnen vom Schnuller, bestenfalls im zweiten Lebensjahr, da sonst Zahn- und Kieferfehlstellungen begünstigt werden.

Regelmäßige Kontrolle ab dem ersten Milchzahn

Und wann steht der erste Zahnarztbesuch an? Ab dem ersten Milchzahn, empfiehlt die DAJ. Da Laien Zahnschäden nicht frühzeitig erkennen, sind sie mit halbjährlichen Kontrolluntersuchungen auf der sicheren Seite. Eltern können ihr Kind auch zum eigenen Zahnarztbesuch mitnehmen und Fragen stellen. So entwickeln auch schon die Kleinen eine Routine und Selbstverständlichkeit für die Untersuchung. Es empfiehlt sich, nicht erst zum Zahnarzt zu gehen, wenn schon ein Problem vorliegt. Verläuft die erste Behandlung schmerzhaft, ist der Zahnarztbesuch für das Kind sofort negativ besetzt.

Prävention in Kitas und Schulen

Kümmern sich Eltern um die Mundhygiene ihres Kindes, starten diese wahrscheinlich langfristig mit gesunden Zähnen ins Leben. Doch wie ist Kindern zu helfen, denen diese Ressourcen fehlen? Die AWO-Handreichung „Alle Kinder braucht das Land“ weist darauf hin, dass Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen seltener Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, sich häufiger einseitig ernähren und öfters zu Süßigkeiten und Fast Food greifen. Die DAJ setzt auf eine engmaschige Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen. Wichtig ist, dass Prophylaxe-Fachleute und pädagogisches Personal Hand in Hand arbeiten, sagt Berg. Durch konsequente Maßnahmen wie zahngesundes Frühstück, zuckerfreie Vormittage, regelmäßiges Zähneputzen in der Kita und Elternberatung haben auch gefährdete Kinder die Chance auf gesunde Zähne. Chancengleichheit also auch in Sachen Zahngesundheit!

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