Ernährung bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten: So gelingt der Familienalltag
Thea Wittmann · 28.01.2026
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Schon kleine Mengen können bei Unverträglichkeiten eine Rolle spielen – umso wichtiger ist ein achtsamer Umgang mit Lebensmitteln im Familienalltag. © qunica.com/Adobe Stock
Die paar Krümel? Für „Zölis“ – Kinder, die an Zöliakie leiden – sind selbst winzige Mengen an Gluten problematisch, denn sie befeuern Entzündungen im Darm. Und das bedeutet für Eltern, immer auf der Hut zu sein. Ein kleines Beispiel: Zwei Kuchen stehen auf dem Tisch. Einer davon ist glutenfrei. Wer mag, darf ein Stück probieren. „Wenn die Stücke beider Kuchen mit demselben Kuchenheber serviert werden, muss ich eingreifen“, sagt Laura, Mutter von zwei Töchtern, 11 und 8 Jahre. Beide vertragen kein Gluten. „Das lässt sich ganz leicht durch zwei getrennte Küchenutensilien lösen, aber meine Kinder sind noch zu klein, um selbst darauf zu achten oder darauf zu bestehen.“
Unverträglichkeiten im Alltag erkennen und verstehen
Selbst wenn das Thema euch nicht unmittelbar betrifft, gibt es immer wieder Berührungspunkte. Jede:r kennt eine Person, die einen Nahrungsbestandteil nicht verträgt. Das kann die Cousine sein, die nur noch laktosefreie Milch im Kühlschrank hat, weil sie vom Milchzucker Durchfall bekommt. Oder es ist die Freundin eures Sohnes, die zu Geburtstagspartys immer ihr eigenes kleines Party-Set dabei hat: Glutenfreie Kekse oder Muffins. Oder es ist die Mitschülerin, die statt des Schulessens ihre speziellen Nudeln mitbringt, inklusive Soße.
Leider sind Unverträglichkeiten bei Kindern schwer zu erkennen. Sie zeigen sich unspezifisch. Bauchweh, Krämpfe, Blähungen, Durchfall kurz nach dem Essen, Übelkeit oder gelegentliches Erbrechen sind möglich. Auch die Haut kann reagieren, sich röten und jucken. Kinder fühlen sich unwohl, sind müde und reizbar. Der Kopf schmerzt. Die Beschwerden könnten natürlich auch andere Ursachen haben, etwa einen Infekt, eine Allergie. Das macht die Identifikation so schwierig. „Meine ältere Tochter hatte lange Zeit wiederkehrende Bauchschmerzen, aber keine typischen Symptome wie Erbrechen, Durchfall oder sogenannte ‚Gedeihstörungen‘. Zunächst checkte die Familie verschiedene mögliche Ursachen, eine nach der anderen ließ sich ausschließen. Schließlich testete die Kinderärztin auf Zöliakie. „Hätte sie mich nicht mit dem Gefühl, das etwas nicht stimmt, so ernst genommen, dann hätte die Diagnose viel länger gedauert“, erklärt Laura. „Im Nachhinein entdeckten wir in der Krankenakte viele Anzeichen, die schon eher darauf hätten hinweisen können.“
Diagnose und medizinische Abklärung
Ein erster Schritt bei Verdacht ist ein Ernährungstagebuch: Zwei Wochen lang wird alles dokumentiert, was das Kind isst, auch die Snacks und die Getränke. Die Beschwerden werden ebenso erfasst, immer mit dem zeitlichen Abstand zur Mahlzeit. Das liefert Anhaltspunkte für das Gespräch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Die Diagnose ist etwa mittels H2-Atemtest (Laktose/Fruktose) oder Bluttests auf Antikörper (Zöliakie) möglich. Ein Mittel gegen die Intoleranz gibt es leider nicht – außer „Weglassen“. Die Ernährung auf eigene Faust umzustellen, ist keine gute Idee. Eine sogenannte „Eliminationsdiät“ sollte unter professioneller Anleitung stattfinden. Da die Diagnose bei Lauras Töchtern genau in die Lockdownphase fiel, waren persönliche Beratungen nicht möglich. „Geholfen hat der telefonische Kontakt zur Zöliakiegesellschaft (DZG), vor allem für das Gespräch mit der Kita im Umgang mit der Zöliakie“, sagt Laura.
Alltag mit Unverträglichkeiten meistern – Tipps für Familien

Gemeinsam kochen stärkt das Vertrauen ins Essen und zeigt Kindern, dass auch bei Unverträglichkeiten genussvolle Mahlzeiten möglich sind. © Halfpoint/Adobe Stock
Erklären, was los ist – und Kinder stärken
Warum sollte das Milchbrötchen schlecht sein, wo es allen anderen doch so gut schmeckt? Kinder können schwer verstehen, warum sie bestimmte Lebensmittel nicht essen dürfen.
- Erklärt den Sachverhalt deshalb behutsam und so einfach wie möglich: Euer Kind darf bestimmte Nahrungsmittel nicht essen, weil sie Bauchschmerzen oder Unwohlsein verursachen.
- Betont das Positive, nicht die Einschränkungen. Zeigt eurem Kind, dass es viele leckere Alternativen gibt, die es essen kann.
- Macht euch klar, dass ihr als Eltern auch beim Essen Vorbild seid. Zeigt, dass ihr mit der Unverträglichkeit umgehen könnt, ohne sie als Belastung zu empfinden.
- Ob im Restaurant oder bei Freund:innen: Macht euer Kind fit, freundlich nach den Zutaten zu fragen, zum Beispiel „Enthält dieses Gericht Gluten?“ oder „Ist das laktosefrei?“
Einheitlich kochen statt Extrawürste
Wer auf natürliche, wenig verarbeitete Lebensmittel setzt, braucht keine doppelte Küche. Gute Nachricht für diejenigen, die Milchzucker nicht vertragen: In vielen Milchprodukten stecken nur noch Spuren von Milchzucker, zum Beispiel in Butter und den meisten Käsesorten, vor allem Hart- und Schnittkäse wie Emmentaler, Bergkäse, Parmesan oder Gouda. Auch viele pflanzliche Alternativen (z. B. Hafermilch, Sojajoghurt) sind laktosefrei. Glutenfreies Brot, Pasta und Müsli sind inzwischen in fast jedem Supermarkt erhältlich. Auch Quinoa, Reis oder Hirse sind von Natur aus glutenfrei. Bei Fruktoseintoleranz gelten Obstarten wie Banane, Mandarine, Grapefruit, Ananas, Papaya und Litschi als verträglich.
- Etiketten lesen: Achtet beim Einkauf z. B. auf versteckten Zucker. Gluten steckt oft in Fertigprodukten.
- Selbst kochen: Bereitet die Mahlzeiten frisch zu, um die Kontrolle über die Zutaten zu haben.
- Wochenplan: Sucht euch fünf bis sieben erprobte Rezepte und lasst sie wochenweise rotieren. Nach und nach kommen neue Rezepte dazu.
- Baut das Gericht auf einer Basis auf, die alle vertragen: Kartoffeln, Reis, Hirse, Quinoa, Gemüse, Hülsenfrüchte, Eier, Fleisch/Fisch, Nüsse, Öle. Dazu eignen sich zum Beispiel Ofengemüse mit Kartoffelspalten, Reisgerichte, Gemüsesuppen oder Quinoa-Bowl.
- Zutaten austauschen: Wenn ein Rezept glutenhaltig oder laktosehaltig ist, ersetzt die Zutaten – beispielsweise durch glutenfreies Mehl oder pflanzliche Milch.
- Statt Zucker zu ersetzen, könnt ihr ihn reduzieren. Der Geschmack gewöhnt sich an weniger Süße. Dann ist keine separate „zuckerfreie“ Version nötig. Gemeinsam essen: Gleiche Mahlzeiten ohne Extras und Verbote stärken die Akzeptanz bei Kindern.
- Außer Haus: Versorgt das Kind mit verträglichen Snacks wie Nüssen, Reiswaffeln, Rohkost.
Absprachen mit Kita, Schule und OGS
Viele Schulkantinen und Kita-Küchen oder Caterer sind inzwischen auf die unterschiedlichen Ernährungsbedürfnisse eingestellt, da Nahrungsunverträglichkeiten bei Kindern heute keine Seltenheit mehr sind. Wenn euer Kind regelmäßig am Schulessen teilnimmt, solltet ihr das Thema in der Schule besprechen. Ein ärztliches Attest auf Basis einer gesicherten Diagnose schafft Klarheit. Bezieht die Schulleitung, Küche und Lehrkräfte mit ein, ob Sonderessen zur Verfügung stehen und wie die Abläufe zur Ausgabe geregelt sind, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Das gilt auch für Essen, das Kinder von zuhause mitbringen und in der Schule erhitzen.
Lebensmittelsiegel richtig einordnen
Siegel wie „glutenfrei“ oder „laktosefrei“ sind verlässlich. Als „glutenfrei“ gekennzeichnete Lebensmittel dürfen maximal 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten. Diese Produkte wurden getestet und entsprechen den Richtlinien. Apps wie „Yuka“ und „InTolerApp“ liefern durch Scannen des Barcodes Infos zu Inhalts- und Zusatzstoffen.
Bewährte Rezepte und Fachstellen
Im Internet wimmelt es von Rezepten ohne Laktose, Fruktose oder Gluten. Die Fachgesellschaften bieten Rezepte für eine ausgewogene Ernährung, zum Beispiel die Rezeptdatenbank der DAAB oder die Rezeptsammlungen der Zöliakiegesellschaft (DZG) als Ringbuch oder „Glutenfreie Rezepte speziell für Kinder“.
Links und weiterführende Adressen:
Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG)
dzg-online.de
Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB)
daab.de
In Foren gibt es hilfreiche Tipps, z. B. über Facebook: Es gibt eine Gruppe für Neulinge sowie eine zum Thema „Glutenfreier Urlaub und das glutenfreie Reisen“.
