Gesundheit

Brillen für Kinder: Das sagen Experten!

Anja Tischer · 29.09.2015

zurück zur Übersicht
Wenn die Brille stimmt, dann lässt das Kind sie auch auf der Nase. © ArtMarie/iStockPhoto.com

Wenn die Brille stimmt, dann lässt das Kind sie auch auf der Nase. © ArtMarie/iStockPhoto.com

Früherkennung, Brillenkauf und Kontaktlinsen bei Kindern: KÄNGURU bespricht mit Henrike Wesemann vom Berufsverband der Orthoptistinnen, worauf Eltern achten sollten.

Henrike Wesemann ist freiberufliche Orthoptistin, und arbeitet in der Uniklinik Köln und in einer niedergelassenen Praxis. Sie war in den USA in der Sehforschung tätig und hat in Deutschland eine Ausbildungsstelle für Orthoptistinnen geleitet.

KÄNGURU: Warum ist Früherkennung von Fehlsichtigkeit wichtig?
Henrike Wesemann: Sehen muss gelernt werden. Ein Baby sieht weniger als zehn Prozent. Die Strahlen treffen auf die Netzhaut, der Reiz wird an das Gehirn weitergeleitet und dort wird dann Sehen gelernt. Die ersten beiden Lebensjahre gelten als hochempfindliche Phase, denn die Sehkraft steigt enorm an. Sehstörungen in dieser Zeit führen dazu, dass die Sehentwicklung zurückbleibt und Schäden von Dauer sein können. Deshalb ist Früherkennung wichtig. Durch eine Behandlung kann das Sehen schnell wieder aufgeholt werden.

Worauf sollten Eltern bei Kauf einer Kinderbrille achten?
Grundsätzlich gilt: Wenn die Brille stimmt, dann lässt das Kind sie auch auf der Nase. Eltern sollten sich einen Optiker suchen, der auf Kinder spezialisiert ist. Kriterien für eine Kinderbrille sind eine kindgerechte Fassung, Strapazierfähigkeit und bruchsichere Gläser. Die Gestelle sollten die Schläfe nicht überragen und der Bügel muss das Ohr umfassen, damit die Brille nicht verrutscht. Auch der Steg sollte richtig an die Nase angepasst sein. Babys und Kinder haben oft einen breiten Nasenrücken. Alle zwölf Monate sollten Eltern die Stärke überprüfen lassen.

Gibt es Alternativen zur Brille? Können Kinder zum Beispiel Kontaktlinsen tragen?
Kontaktlinsen werden bei Kindern nur nach medizinischer Indikation bei bestimmten Störungen genutzt. Nicht aus kosmetischen Gründen. Ein wichtiger Punkt ist Hygiene, weshalb Kontaktlinsen erst nach der Pubertät empfohlen werden. Von Laser-Operationen vor dem 25. Lebensjahr ist abzuraten, weil sich das Auge bis ins Erwachsenenalter noch verändert.

Benötigen Kinder eine Sonnenbrille?
UV-Strahlen können zu Verbrennungen der Netzhaut führen und Sehschäden hervorrufen. Strahlenschäden machen sich in der Regel erst nach Jahren bemerkbar. Der beste Schutz vor der Sonne ist die Kappe. Eine Sonnenbrille benötigen Kinder, wenn sie sich lange Zeit am weißen Strand oder im Hochgebirge aufhalten. Damit sie gut geschützt sind, sollten Eltern beim Kauf auf das CE-Kennzeichen achten. (Anm. d. Red.: Das Siegel dokumentiert die Einhaltung der EU-Sicherheitsstandards.)

Vielen Dank für das Gespräch.

Orthoptistinnen sind Spezialistinnen auf dem Gebiet der Augenheilkunde. Der Beruf wird nur von wenigen Männern ausgeübt, weshalb sich die weibliche Berufsbezeichnung etabliert hat. Die Expertinnen erkennen und behandeln Schielen, Sehschwächen, Augenzittern und Augenbewegungsstörungen. Sie arbeiten in Kliniken, augenärztlichen Praxen, Frühförderstellen, Förderschulen und Einrichtungen für blinde Menschen oder Menschen mit Sehbehinderungen. Die Arbeitsstätten sind häufig auch unter dem Begriff „Sehschule“ bekannt.

„Visual- und Sehtrainer“ sind im Gegensatz zu Orthoptistinnen private Anbieter, deren Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen.

Über den Berufsverband der Orthoptistinnen finden Eltern Sehschulen in ihrer Nähe.