Familienleben

Schrebergärten für Familien

Claudia Berlinger · 04.11.2018

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© Alina Demidenko / iStockphoto.com

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Manchmal reicht ein Balkonkasten oder ein Blumentopf bereits aus, um Kinder für das Gärtnern zu begeistern. Noch schöner ist es aber natürlich mit einem eigenen Garten, wo Kind und Kegel und natürlich auch Mama und Papa in der Erde wühlen und sich austoben können. Leider hat nicht jeder die Möglichkeit auf ein Haus mit anliegendem Garten, eine wunderbare Alternative ist ein Schrebergarten.

Ursprünglich waren die bei den Deutschen so beliebten Kleingärten als reine Orte für Kinder vorgesehen. Angesichts der sich ausbreitenden Industrialisierung wurde im 19. Jahrhundert der Schrebergarten als Freiraum zum Spielen geschaffen und hatten mit dem klassischen „Gärtnern" noch nichts im Sinn. Schnell wurden jedoch auf dieser Fläche zusätzlich sogenannte „Kinderbeete" als weiteres Betätigungsfeld für den Nachwuchs angelegt. Und das gefiel wohl auch den Eltern, denn aus den Kinderbeeten wurden rasch Familienbeete und irgendwann dann eingefriedete Parzellen, auf denen die Nutzer Obst und Gemüse anbauen konnten und die sie selber gestalteten. So entstanden über die Jahrzehnte jene Kleingartensiedlungen, die wir alle – zumindest von außen – schon mal gesehen haben und die oft wie eine kleine Stadt in der Stadt wirken.

Grüne Oasen in der Stadt

Und tatsächlich: Die kleinen, grünen Oasen in der Stadt folgen ganz eigenen Regeln, auch Bundeskleingartengesetz genannt. Das legt fest, wie eine Kleingartenparzelle genutzt werden sollte und was die Pächter dürfen – oder auch nicht. So ist zum Beispiel die maximale Größe der Laube festgeschrieben, ebenso wie der Anteil der Nutzgartenfläche und Grundsätzliches zur Pacht. Organisiert werden Kleingartenanlagen in der Regel durch gemeinnützige Vereine – und die sind inzwischen ganz schön bunt. Denn nicht nur deutsche Hobbygärtnerinnen und -gärtner werden Mitglieder, sondern Menschen aus aller Welt machen hier mit und bauen hier an. Auch zieht es immer mehr jüngere Menschen und Familien zum eigenen Garten, der dann manches Mal auch noch mit Freunden geteilt wird. Warum dieser Hype? Vielleicht, weil es einfach innere Ruhe bringt, den saisonalen Veränderungen der Pflanzen zuzuschauen. Und weil alles, was selbst angebaut wurde, doch meistens besser schmeckt. Und weil es schön ist, sich in einer Gemeinschaft zu organisieren und zusammenzuarbeiten – zumindest, wenn man die richtigen Nachbarn hat.

Ohne Fleiß kein Preis

Aber Achtung: Wer sich im Grünen nur auf die faule Haut legen möchte und nichts anbauen will, ist im Schrebergarten falsch. Als Pächter eines Gartens muss ich nämlich in der Regel wenigstens ein Drittel der Gartenfläche für den Obst- und Gemüseanbau verwenden. Und ich bin verpflichtet, mich um meinen Kleingarten zu kümmern und ihn in Ordnung zu halten. Außerdem ist in allen Kleingartenvereinen eine jährliche Stundenzahl für Gemeinschaftsarbeiten verpflichtend, die jeder Pächter und jede Pächterin einbringen muss. Denn regelmäßig müssen Äste geschreddert, die Toiletten gereinigt und Gäste bei den Festen verpflegt werden. Gerade in Kleingärtnervereinen gilt das Credo: „Alle helfen allen.“

Wie komme ich an einen Schrebergarten?

Wenn ihr nun immer noch einen Schrebergarten ergattern wollt, braucht ihr vor allem einen langen Atem, denn das Interesse ist groß und das Angebot deutlich kleiner. Tatsächlich werden viele Gärten vererbt und bleiben ähnlich wie ein Grundbesitz in der Familie. Solltet ihr aber ernsthaftes Interesse an einem Garten in einem Kleingärtnerverein haben, habt ihr euch am besten gestern schon in eine Warteliste eingetragen. Das funktioniert natürlich nur, falls die Bewerberliste überhaupt neue Interessenten aufnimmt. Aber es werden in vielen Vereinen immer mal wieder kurzfristig neue Mitglieder aufgenommen, weshalb es sich lohnt, etwas vom Vereinsleben mitzubekommen und zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Nutzt doch vielleicht die verschiedenen Jahreszeitenfeste, um euch die Anlagen anzuschauen und die anderen Gärtnerinnen und Gärtner schon mal kennenzulernen. Wenn ihr eure Wunschkolonie gefunden habt, lohnt es sich, am Ball zu bleiben und Interesse zu zeigen. Freie Gärten werden manchmal über die Webseiten der Vereine vorgestellt, manchmal aber auch nur in persönlichen Sprechstunden. Und wenn ihr nicht nur das sonnigste Premiumstückchen Land annehmen würdet, verbessert ihr eure Chancen darauf, schnell mit dem Gärtnern zu beginnen.

Schrebergarten pachten, Laube kaufen

Aber legt schon mal ein Sparbuch an. Gärten werden zwar gepachtet, aber Laube und Pflanzen, die auf dem Grundstück stehen, müsst ihr dem Vorpächter abkaufen. In der Regel legt ein Gutachter den Wert des Gartens nach Qualität der Laube und Pflegezustand der Pflanzen fest. Es kommen also erst einmal Kosten auf euch zu, die durchaus mehrere Tausend Euro betragen können. Und auch der gärtnerische Alltag ist nicht unbedingt immer günstig. Neben den laufenden Kosten für Wasser, Pacht, Strom, Versicherung und Vereinsbeitrag sollten Pächter bedenken, dass auch die schönste Laube instandgehalten und repariert werden muss. Außerdem fällt auch zwischendurch immer was an, wie uns eine kleingärtnernde Leserin schrieb: „paar Pflänzchen hier, paar Tüten Saat da, mal was zu Essen und zu Trinken holen, 'ne neue Wolldecke, ein Kinderpool und ein paar Blumentöpfe ..."

Wo könnt ihr euch schlau machen?

Die Stadt Köln informiert online ausführlich über das Gärtnern in der Stadt und die verschiedenen Möglichkeiten. Eine gute Anlaufstelle ist außerdem der Kreisverband Kölner Gartenfreunde e.V., der der Generalpächter aller Kleingartenflächen auf Flächen der Stadt Köln ist. Das ist eine beachtliche Gesamtpachtfläche von insgesamt 5.041.000 Quadratmetern.

Und natürlich bekommt ihr Infos bei den einzelnen Vereinen selber, die manchmal sogar öffentliche Gartenbauseminare anbieten. Hier stellen wir euch einige vor.


© Ulza / iStockphoto.com

Raderthal und Raderberg

Die 188 Kleingärten im Kölner Grüngürtel sind wie alle Gärten heiß begehrt. In der Winterzeit von 1. November bis 1. März finden keine Sprechstunden statt. Wenn ihr euch also für einen Garten im Kölner Süden interessiert, nutzt Herbst und Winter für Besuche im Grüngürtel und tragt euch den Frühlingsbeginn für den Abschluss eurer Mitgliedschaft in den Terminkalender ein.

Kontakt: Kleingärtnerverein Köln Süd e.V., Markusstraße 102, 50968 Köln, Tel: 0172/240 78 19

Klettenberg

Das Besondere am Kleingärtnerverein Kletterrose an der Militärringstraße ist, dass ihr über die Webseite des Vereins verschiedene Seminare zur Pflege eurer Gärten buchen könnt. Vom Obstbaum-Sommer-Veredelungsseminar über Mähen mit der Handsense wird hier einiges geboten.

Eine Interessensbekundung für einen Garten kostet 25 €, bei der Übernahme eines Gartens werden 150 € fällig. Insgesamt könnt ihr mit den üblichen jährlichen Gesamtkosten inklusive Versicherungen, Pacht und Vereinsbeiträgen von 1 € pro Tag und Jahr rechnen.

Kontakt: KGV Köln Klettenberg Tel: 0160/96 05 54 88, E-Mail

Lindenthal

Der Kleingartenverein Lindenthal von 1920 mit seine 279 Gartenparzellen jenseits der Gleueler Straße ist eine der ältesten Schrebergartensiedlungen in Köln und grenzt an die Klettenberger Schrebergärten an. Alle Gärten haben eine Gartenlaube und verfügen über einen Wasseranschluss. Die Gartenflächen sind von 178 qm bis über 400 qm groß.

Am 2. Dezember 2018 findet im Kleingartenverein Lindenthal ein Weihnachtsmarkt statt. Das wäre doch ein schöner Anlass fürs erste Beschnuppern.

Kontakt: Kleingartenverein Köln-Lindenthal von 1920 e.V., Sülzer Aquarienweg 3, 50937 Köln, Tel.: 0221/82 39 678, E-Mail


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Innenstadt

Liegt ein Gartenverein zwischen Aachener und Vogelsanger Straße, ist eigentlich klar, dass es schwer werden dürfte, einen Garten zu ergattern. Es lohnt sich dennoch, es zu versuchen. Seid ihr dann Mitglied im Verein, könnt ihr euren nächsten Geburtstag schon vielleicht im Vereinsheim an der Schmalbeinstraße feiern.

Kontakt: Kleingärtnerverein Köln City e.V., Schmalbeinstraße 35, 50674 Köln, Tel: 0221/22 20 67 29, E-Mail

Bickendorf

Wer an der Frohnhofstraße einen Garten pachten möchte, darf keine Angst vor Bienen haben. Denn hier hält ein Imker ca. 80.000 davon in vier Stöcken, die köstlichen Honig produzieren. Auf der Webseite könnt ihr euch ein Video anschauen, das mit einer Drone aufgenommen wurde. Auch findet ihr hier viele Tipps, welche Arbeiten im Verlauf des Jahres in eurem Garten durchgeführt werden müssen.

Kontakt: Kleingartenverein Köln Bickendorf e.V., Frohnhofstraße 194, 50827 Köln, Tel: 0221/59 47 48

Poll

Wenn ihr auf dem Schiff „Achterdeck“ in Marienburg sitzt und über den Rhein schaut, seht ihr gegenüber einen Teil der 206 Parzellen der Poller Kleingartensiedlung. Schön in Poll ist, dass die Siedlung über zwei Spielplätze verfügt, was sicher auch ein Grund dafür ist, dass der Generationenwechsel hier gut funktioniert.

Die Sprechstunden sind Samstags von 10-13 Uhr

Kontakt: Kleingärtnerverein Poll e.V., Westhover Weg 1, 51105 Köln, Tel: 0221/83 35 49, E-Mail


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Dellbrück

Wer gern einen der ca. 218 Kleingärten rund um den bekannten Thurner Hof sein eigen nennen möchte, muss zuallererst Mitglied werden und im Einzugsgebiet wohnhaft sein. Aktuell führt der Verein eine Warteliste mit 14 Interessenten. Da die frei gewordenen Gärten den Wünschen der neuen Pächter entsprechen müssen, kann es also durchaus sein, dass ihr schnell nach Aufnahme ein Angebot erhaltet.

Kontakt: Kleingärtnerverein Köln Dellbrück e.V., Tel: 02204/98 46 26, E-Mail

Alternative: Urban Gardening

Wenn ihr partout keinen Schrebergarten bekommt, ihr merkt, dass ein eigener Garten einfach zu viel Arbeit macht oder ihr erst einmal lernen möchtet, wie Gärtnern überhaupt funktioniert, könnt ihr es doch einmal mit Urban Gardening probieren. Zwischen der Südstadt und Bayenthal beispielsweise bauen die Neuland-Gärtner einen inklusiven Garten für alle auf, in dem ihr kein Mitglied werden müsst. Hier könnt ihr unter Anleitung in der Erde wühlen und Schritt für Schritt lernen, was es mit der Selbstversorgung à la Tomaten ziehen, Erdbeeren zupfen und selbst angebautes Gemüse schmecken auf sich hat, und ihr werdet dabei sicher auch noch nette Menschen kennen lernen.

Wer eine eigene Beetinsel bestellen möchte, zahlt einen Jahresbeitrag von 24 Euro und pflegt die eine Hälfte für die Gemeinschaft und die andere Hälfte für sich selbst. Auf der Webseite erfahrt ihr die Veranstaltungstermine, die euer Einstieg in den Gemeinschaftsgarten sind.

Kontakt: Neuland, Koblenzer Straße 73, 50968 Köln

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