Familienleben

Rike Drust: Muttergefühle. Zwei

Meike Blazy · 23.01.2018

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Buchautorin, Journalistin und Bloggerin Rike Drust.

Buchautorin, Journalistin und Bloggerin Rike Drust.

Oder: Warum der Familienwahnsinn mit dem zweiten Kind noch herrlicher wird.

Gerade hat die Süddeutsche Zeitung sie als eine der 40 Mütter ausgewählt, die wir alle lieben: Rike Drust. Sie ist eine großartige und sehr erfolgreiche Buchautorin, Bloggerin und Werbetexterin. Die 42-jährige gebürtige Bremerin lebt mit ihrem Mann, ihrem achtjährigen Sohn und ihrer vierjährigen Tochter in Hamburg. Sie hat Soziologie, Politik und Germanistik in Münster und Women’s Studies in Bristol studiert. Seit 2001 arbeitet sie als Texterin in der Werbung und bloggt seit 2005 auf www.infemme.com. Ihre Texte sind anders – frech, witzig und unglaublich ehrlich. Was viele sich nicht trauen auszusprechen, formuliert sie grandios in ihren Büchern „Muttergefühle. Gesamtausgabe“ und jetzt ganz neu in „Muttergefühle. Zwei.“

Minibär - die Kinderwelt von Waschbär

„Ich gehöre jetzt zu den verrückten mutigen Menschen, die mehrere Kinder haben”, eröffnet Rike die „Muttergefühle. Zwei“ und lässt uns hautnah am Einzug von Kind Nummer Zwei in die Familie und dem alltäglichen Organisationspogo, der damit einhergeht, teilhaben. Das Familienleben, das einen manchmal einfach so für Wochen verschluckt, um einen dann ganz woanders wieder auftauchen zu lassen, thematisiert sie in ihrer gewohnt schonungslosen Art und verzichtet dabei weder auf Schimpfworte noch auf andere Unverblümtheiten. Von der brutalen Unlustigkeit kindlicher Witze über enervierende Wutausbrüche, eklige Krankheiten und die leidige elterliche Aufgabenverteilung lässt die zweifache Mutter nichts aus, was nicht jede von uns in der gleichen Lebenssituation schon mal kennengelernt hat.

Schlafmangel und Dauerbeschallung

Trotz des ständigen Schlafmangels in einem Ehebett – in dem man ohnehin nie zu zweit schläft – und 14-Stunden kindlicher Dauerbeschallung am Tag, reaktiviert Rike immer wieder den unglaublichen mütterlichen Superkräftemodus, der allein durch die Tatsache genährt wird, „dass diese Kinder mal in ihrem Bauch gewohnt und ungewohnte Liebeslevel freigespielt haben”. Die Wahl-Hamburgerin beschreibt das Elternsein trotz aller Engpässe und Entbehrungen knallbunt und fröhlich, turbulent und von den lustigsten kindlichen Wortschöpfungen durchzogen. Und wenn sie am Ende des Buches von einem Weckglas spricht, in das sie all die schönen Momente mit den Kids für die Ewigkeit packen möchte, möchte man am liebsten beim Lesen rufen „Ja genau, so isses!”

 

Wir haben mit Rike über ihr neues Buch gesprochen:

KÄNGURU: Ich, selber Mutter von zwei Räuberkindern, musste beim Lesen der „Muttergefühle. Zwei“ ein paar Mal gut lachen, weil du den alltäglichen Familienwahnsinn so gut skizzierst. Worin liegt für dich die größte Herausforderung als Mutter?

Rike: Mir fallen spontan sogar gleich drei Sachen ein. Auf Platz eins liegt bei mir der Schlafmangel. Zweitens ist da der Zeitmangel. Der ist bei uns der totale Streitmagnet. Weil wir eben wirklich losmüssen, aber mein Kind jetzt statt der Strumpfhose doch lieber Leggings mit Socken tragen will, die dann aber so doofe Beulen machen, dass sie doch wieder – und so weiter. Und drittens empfinde ich den Geräuschpegel in unserer Familie häufig als herausfordernd. Bei uns reden andauernd alle gleichzeitig und echt laut – und das ist mir, besonders wenn ich müde bin und vorher lange über Strumpfhosen diskutiert habe, echt eine Qual.

In „Muttergefühle. Zwei“ geht es um den Einzug des zweiten Kindes in eure Familie. Was war für dich der größte Unterschied zum Dreier-Leben vorher?

Wir haben tatsächlich noch weniger geschlafen. Aber der noch viel größere Unterschied war diese unfassbare Menge an Fröhlichkeit, die mit unserer Tochter zu uns gekommen ist. Wir waren vorher keine Trauerklöße, aber haben mit der Kleinen tatsächlich glücksmäßig ein neues Level freigespielt – und das genießen wir alle sehr.

Du thematisierst ziemlich unverblümt auch die negativen Seiten des Mutterseins, wie permanenter Schlafentzug, Wutausbrüche der Kids oder keine Zeit für einen selbst, und sprichst damit vielen Müttern aus der Seele. Glaubst du, dass in dieser Ehrlichkeit auch der Erfolg deiner Bücher liegt?

Auf jeden Fall glaube ich, dass es wichtig ist, auch die negativen Seiten ganz normal anzusprechen. Sie existieren ja in den meisten Familien, aber die wenigsten trauen sich, das zu sagen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Aussprechen die nervigen Sachen viel weniger nervig macht. Und dass es meinen Leser*innen auch so geht, schreiben und erzählen mir tatsächlich viele.

Trotz der Anstrengung und allen Entbehrungen, die das Elternsein mit sich bringt, lese ich immer wieder von knallviel Liebe in deinen Texten und von Stolz. Was kannst du am Elternsein besonders empfehlen?

Für mich persönlich ist das Tollste am Kinderhaben der Spaß und dieser verrückte Wahnsinn aus Ideen und Fokus und Einfach machen. Ich bin tatsächlich von fast allen Menschen am liebsten mit Kindern zusammen.

Im Moment liest du in verschiedenen Städten aus deinem Buch – ist in absehbarer Zeit auch ein Termin in Köln geplant?

Bis jetzt nicht, aber ich würde sofort losfahren, wenn mich jemand fragt. :)

Service

Muttergefühle. Zwei
Rike Drust
Bertelsmann Verlag, 2017
15 Euro