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Mein Kind ist verliebt – Wie Eltern die erste Liebe und Liebeskummer begleiten können

Lisa Böttcher · 26.05.2026

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Die erste Liebe gehört zu den aufregendsten Erfahrungen der Jugend – voller Kribbeln, Nähe und neuer Gefühle. © Valerii Honcharuk und Good Studio/Adobe Stock

Die erste Liebe gehört zu den aufregendsten Erfahrungen der Jugend – voller Kribbeln, Nähe und neuer Gefühle. © Valerii Honcharuk und Good Studio/Adobe Stock

Wenn Teenager sich zum ersten Mal verlieben, beginnt für viele Familien eine aufregende neue Phase. Zwischen Herzklopfen, Liebeskummer, Social Media, ersten Beziehungen und Fragen rund um Sexualität müssen Jugendliche ihren eigenen Weg finden – und Eltern lernen, loszulassen und gleichzeitig Orientierung zu geben. Expert:innen erklären, wie Eltern ihre Kinder in der ersten Liebe begleiten können, warum offene Gespräche so wichtig sind und wie Vertrauen auch in turbulenten Zeiten erhalten bleibt.

Die erste Liebe ist eine der aufregendsten Zeiten in der Pubertät. Hormone und Emotionen spielen verrückt, die Interessen verändern sich, eine bestimmte Person wird zum Mittelpunkt der eigenen Empfindungen und nicht selten folgt auf das unvergleichliche Hochgefühl des Verliebtseins der erste niederschmetternde Liebeskummer. Eltern leiden und fiebern häufig mit ihren Kindern mit – und machen sich ihre eigenen Sorgen und Gedanken: über erste sexuelle Erfahrungen, Abnabelung und den Prozess des Erwachsenwerdens.

Für Jugendliche stellt die erste Liebe meist das absolute Zentrum ihres Lebens dar – mit all den neuen Gefühlen, der Aufregung, dem Kribbeln und auch der Unsicherheit. Auf einmal ist das Zimmer aufgeräumt, es wird gelüftet und sie gehen vermehrt ins Bad“, erzählt Matthias Jung. Er ist Diplom-Pädagoge, Comedian, Autor und selbst Vater. In dem großen Wirrwarr der Jugendzeit ist die erste Liebe ein Meilenstein, den viele Eltern zunächst einmal sehr positiv wahrnehmen. Diese Beobachtungen macht auch Diplom-Psychologin Eva-Maria Bieniek. Sie arbeitet in der Familienberatungsstelle der Stadt Köln. Die erste Liebe sei selten Thema in ihren Gesprächen. „Eltern sehen sie eher als natürlichen Entwicklungsschritt und weniger als Krise, in der sie handeln müssen. Viele Eltern sind froh, wenn die Entwicklung ihrer Kinder in für sie normalen Bahnen verläuft, und machen sich eher Sorgen, wenn diese Schritte sich verzögern."

Etwas unsicherer werden Eltern hingegen, wenn es um das Thema Sexualität geht – auch wenn erste sexuelle Erfahrungen zum Erwachsenwerden dazugehören. Statistisch gesehen setzt die körperliche Reife heute früher ein als noch vor einigen Jahrzehnten – Mädchen erleben ihre Periode teilweise schon mit zehn, Jungen ihren ersten Samenerguss mit zwölf Jahren. Damit einher geht auch die körperliche Möglichkeit einer Schwangerschaft, die vielen Eltern Bauchschmerzen bereitet. Denn in diesem jungen Alter sorgen die Hormone bereits für eine sexuelle Lust, bevor die Kinder die Folgen sexueller Handlungen ganz überblicken können. Jennifer Löwenstein ist Sexualpädagogin bei der Beratungsstelle der pro familia Köln-Zentrum und beobachtet häufig, dass Jugendliche zwar durch das Internet mit Inhalten konfrontiert werden, die Sexualität betreffen, ihr tatsächliches Wissen darüber jedoch oft aus Mythen, vagen Behauptungen oder skandalisierten Einzelerfahrungen anderer besteht, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden.


ür Jugendliche steht die erste Liebe oft plötzlich im Mittelpunkt ihres Lebens. © tetxu/Adobe Stock

Liebe in Zeiten von Social Media: Beziehungen, Kontrolle und Grooming

Da sich auch das soziale Miteinander immer mehr in digitale Welten verlagert, sollten sich Eltern über einige Entwicklungen im Klaren sein. Das Teilen von Standorten oder das Kontrollieren von Chat-Nachrichten wird unter Jugendlichen – insbesondere in jungen Beziehungen – zum Beispiel oft als normal empfunden, verletzt jedoch faktisch das Recht auf Privatsphäre und das Briefgeheimnis. „Hier müssen Eltern als Rollenbilder fungieren“, erklärt Jennifer Löwenstein. „Wer sein Kind ständig ungefragt trackt oder heimlich im Handy schnüffelt, lebt ihm vor, dass Kontrolle ein legitimes Zeichen von Fürsorge ist.“

Gleichzeitig darf das sogenannte „Grooming“ – die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener in Missbrauchsabsicht – nicht unterschätzt werden. Eltern sollten hellhörig werden, wenn Online-Beziehungen zu intensiv oder unangenehm werden oder sich die Person hinter dem Profil als deutlich älter herausstellt. In solchen Fällen ist es entscheidend, dass der Teenager weiß: „Ich kann jederzeit zu meinen Eltern gehen, ohne dass ich mit einem Internetverbot bestraft werde." Wenn Eltern sich Sorgen machen, die Jugendlichen in Gesprächen aber abblocken, ist es sinnvoll, das Gesprächsangebot auf Dritte auszuweiten. Das kann ein Onkel oder eine Kusine sein – oder auch ein Beratungsangebot. Die Plattform Juuport bietet beispielsweise eine Peer-to-Peer-Beratung für Jugendliche an.

Offen über Sexualität und Verhütung sprechen

Diese Entwicklungen klingen für Eltern erstmal besorgniserregend. Allerdings lassen sich viele Jugendliche heute mit ersten realen Erfahrungen tatsächlich mehr Zeit als früher. Laut einer aktuellen Studie zu Jugendsexualität des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit (BIÖG) hat die Hälfte der befragten Jugendlichen erst nach dem 19. Lebensjahr zum ersten Mal Geschlechtsverkehr. „Oft wollen die Jugendlichen einfach nur gemeinsame Zeit miteinander verbringen, quatschen oder Netflix schauen“, beruhigt Matthias Jung. „Und sie legen häufig Wert darauf, in festen, sicheren Beziehungen zu sein“, ergänzt Jennifer Löwenstein. Dennoch – eine sachliche und gründliche Aufklärung der eigenen Kinder ist wichtig. Darin sind sich die Expert:innen einig. Denn das vermeintliche Wissen aus dem Internet basiert oft auf Pornografie. Besonders Jungen nutzen Pornos teilweise als Lernquelle und können dadurch falsche Erwartungen an sich selbst und auch den oder die Partner:in entwickeln.

Über Verhütung zu sprechen, kann sich sowohl für Eltern als auch für die Jugendlichen seltsam anfühlen. Matthias Jung rät Eltern zu einer sensiblen Herangehensweise: „Das Kind gibt das Tempo vor“, empfiehlt er. „Wir können Hilfe anbieten, aber wir müssen nicht die PowerPoint- Präsentation rausholen.“ Viele Kinder seien durch den schulischen Biologieunterricht zum Thema Empfängnisverhütung bereits recht gut informiert. „Man kann auch einfach mal eine Broschüre oder Kondome hinlegen“, rät auch Jennifer Löwenstein. Doch Kondome allein sind nur „halbe Arbeit“, wenn man nicht über verschiedene Größen und die richtige Anwendung spricht. Jugendliche können übrigens auch ohne Einverständnis der Eltern zu einer gynäkologischen Praxis gehen. Die ärztliche Schweigepflicht gilt hier auch gegenüber den Erziehungsberechtigten. Zudem ist die „Pille danach“ für Minderjährige mit Rezept kostenlos. „Doch dafür brauchen die Jugendlichen den Zugang zu ihrer Krankenkassenkarte“, erklärt Jennifer Löwenstein. Auch darüber sollten sich Eltern Gedanken machen.


Offene Gespräche ohne Druck stärken das Vertrauen zwischen Eltern und Teenagern. © Daisy Daisy/Adobe Stock

Wenn die erste Beziehung ernst wird

Irgendwann wird die erste Liebe real und möchte vorgestellt werden. Eva-Maria Bieniek rät dazu, den ersten Kontakt niederschwellig zu gestalten, etwa bei einem gemeinsamen Ausflug oder einem Gartenfest statt beim förmlichen Sonntagsessen im Beisein der gesamten Verwandtschaft. „So hat die Person die Möglichkeit, auch wieder zu gehen und steht nicht unter ständiger Beobachtung“, erklärt die Psychologin.

Sollten die Eltern den Partner oder die Partnerin unsympathisch finden, ist Zurückhaltung gefragt. Statt Verboten oder offener Skepsis sollten Eltern echtes Interesse zeigen und sich vom Kind erklären lassen, was es an der Person eigentlich schätzt. Beim Thema Übernachtungen rät Sexualpädagogin Jennifer Löwenstein zu Realismus: Ein striktes Verbot verlagert sexuelle Kontakte meist nur an unsichere oder unkomfortable Orte. „Was wünsche ich meinem Kind für erste sexuelle Erfahrungen? Eine sichere Umgebung zu Hause oder mache ich es ihm schwer?“ Begründete Sorgen, wie etwa die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft, sollten lieber offen thematisiert und Lösungen – wie etwa Verhütungsmittel und Gesprächsbereitschaft bei Fragen – angeboten werden.

Kommunikation mit Teenagern: Offen bleiben ohne Druck

Die erste Liebe ist oft auch ein Moment der Selbstfindung. Wenn das Kind eine andere sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität offenbart, sollten Eltern in einen „Lernmodus“ verfallen, rät die Sexualpädagogin. Namen oder Pronomen sollten ernst genommen und nicht auf dem eigenen Wunschbild des Kindes beharrt werden. „Eltern sollten sich korrigieren lassen und ihre eigenen Unsicherheiten nicht dem Kind aufbürden.“ Beratungsstellen wie pro familia oder die Familienberatung bieten für solche Situationen auch Gespräche für Eltern ohne Beisein der Kinder an. Sinnvoll ist es, schon im Vorhinein Türen zu öffnen und dem Kind zu versichern: „Egal, wen du liebst, ich stehe hinter dir." Das können Eltern zum Beispiel tun, indem sie in Gesprächen über Liebe und Sexualität geschlechtsneutrale Begriffe wie „Beziehungsperson“ verwenden, rät Jennifer Löwenstein.


Erste Beziehungen helfen Jugendlichen dabei, sich selbst besser kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. © o1559kip/Adobe Stock

Die Pubertät ist insgesamt eine Zeit der Abnabelung. Um währenddessen ein vertrauensvolles Verhältnis zu wahren, sollten sich Eltern grundsätzlich offen und interessiert zeigen, ohne zu viel Druck auszuüben. Es gehe darum, dem Kind zu vermitteln: „Du musst mir jetzt nichts erzählen, aber wenn irgendetwas ist, kannst du gerne kommen." Eva-Maria Bieniek schlägt vor, einen Familienrat ins Leben zu rufen. „Hier können Themen in einer ruhigen, geregelten Atmosphäre besprochen werden.“ Wichtig sei auch, sich Zeit für das Kind zu nehmen. „Ernste Gespräche sollten nicht zwischen Tür und Angel geführt werden – und dann kommt das kleine Geschwisterkind noch hereingerannt.“ Manchmal helfe auch ein Spaziergang, um den Druck von der Situation zu nehmen.

Erste Hilfe bei Liebeskummer

Ähnlich verhält es sich bei dem ersten großen Liebeskummer. „Für die Jugendlichen ist das eine Form von schwerer Trauer“, erklärt Matthias Jung. Eltern sollten in dieser Situation nicht versuchen, den Schmerz sofort „wegzureparieren“. „Am besten tun Eltern das, was sie immer tun, wenn es ihrem Kind schlecht geht“, rät auch Eva-Maria Bieniek. „Süppchen oder Pudding kochen, zuhören, da sein.“ Den Schmerz des Kindes auszuhalten und ihm zu zeigen, dass man ihn ernst nimmt, festigt das Vertrauensverhältnis nachhaltig. „Etwas später kann man auch Angebote machen, von denen man weiß, dass sie dem Kind Spaß machen: etwa eine Fahrradtour oder ein Ausflug ins Schwimmbad.“

Auch eine Rückbesinnung auf den eigenen ersten Liebeskummer kann hilfreich sein. Sich zu fragen: „Wie habe ich mich damals gefühlt und was hat mir geholfen?“ Entscheidend sei, die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen, auch wenn es aus Erwachsenensicht vielleicht nur um eine kurze Schwärmerei geht, erklärt Matthias Jung. „Für den Teenager ist dieser Liebeskummer so präsent und existenziell wie für die Eltern die berufliche Sicherheit oder die finanzielle Stabilität. Wer die erste Liebe als belanglos abtut oder blöde Bemerkungen macht, riskiert, dass das Kind emotional zumacht.“


Liebeskummer kann Jugendliche tief treffen – umso wichtiger sind Zuhören, Verständnis und ein sicherer Hafen zu Hause. © Lumos sp/Adobe Stock

Wenn Kinder sich abnabeln: Auch Eltern müssen loslassen

Die erste Liebe des Kindes zu begleiten, bedeutet für Eltern auch, sich mit den eigenen Verlustängsten auseinanderzusetzen. Das Kind löst sich emotional aus dem engen Familienverbund und macht die Partnerperson zur neuen Nummer eins. Matthias Jung rät verunsicherten Eltern in dieser Phase verstärkt zu Selbstfürsorge und Gelassenheit: „Wir müssen unseren eigenen Perfektionszwang ablegen. Wir waren schließlich auch in der Schule und im Studium nicht perfekt – und sind es auch nicht im Job. Warum sollten wir also plötzlich als Eltern perfekt sein? Bei etwas, das wir noch nie gemacht haben?“

Die gewonnene Zeit, in der der Teenager mit der neuen Liebe beschäftigt ist, können Eltern zum Beispiel nutzen, um eigene Bedürfnisse wieder in den Fokus zu rücken – sei es durch Hobbys, Freund:innen oder Momente der Ruhe. Wer die erste Liebe seines Kindes nicht nur als Gefahr, sondern als natürlichen und positiven Meilenstein begreift, kann diese Phase mit echter Freude begleiten. Wenn das Zuhause ein sicherer Hafen bleibt, in dem Orientierung, Liebe und Verlässlichkeit herrschen, unterstützt das den verliebten Teenager darin, Beziehungskompetenz zu entwickeln.

Rat und Hilfen für Familien

Familienberatung der Stadt Köln

Kostenlose und vertrauliche Unterstützung an fünf Standorten (z. B. Ehrenfeld, Kalk). Beratung für Eltern und junge Erwachsene bis 27 Jahre, unabhängig von Religion oder Lebensform.
stadt-koeln.de/service/adressen/familienberatung

pro familia Köln

Fachberatung zu Fragen rund um Sexualität und Schwangerschaft. Bietet geschützte Räume für Jugendliche sowie Beratungsangebote für Eltern.
profamilia.de/angebote-vor-ort

Juuport

Eine Online-Plattform, auf der geschulte Jugendliche anderen Jugendlichen bei Problemen im Netz wie Grooming oder Cybermobbing unterstützend zur Seite stehen. juuuport.de