Familienleben

Grüner Leben: 50 Dinge

Holger Müller · 05.11.2018

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© RoBeDeRo/iStockphoto.com

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„Sortierst du noch oder lebst du schon?" – Autor Holger Müller über das Besitzen von zu vielen Gegenständen. Er lebt mit seiner Frau und Töchtern in Köln Als Familie versuchen sie, das komplexe Thema Nachhaltigkeit in ihrem Alltag zu leben. Holger arbeitet als Qualitätsmanager an einer Hochschule und lehrt an der Universität Duisburg-Essen, wie Nachhaltigkeit und Zukunft zu gestalten sind.

Unsere Tochter ist eine echte Leseratte. Vom Wissenschaftsbuch bis zur Erwachsenenprosa, Ella liest zumindest mal rein. Vor Kurzem hielt sie uns das Büchlein „Der kleine Minimalist“ von Joachim Klöckner vor die Nase. Ihr Kommentar: „Der ist doch bekloppt!“ Der Autor teilt seine „praktischen Erfahrungen für ein befreites und glückliches Leben“. Wir erfahren, dass er nur 50 Dinge besitzt. Für ein Kind, das gerade über 50 Playmobilfiguren aussortiert hat, eine inakzeptable Zahl. Sofort fallen uns etliche Sachen ein, die wir nicht mehr hätten, wären wir solche Hardcore-Minimalisten. Die Eismaschine zum Beispiel. Oder der zweite Pürierstab. Viele Hemden in meinem Schrank, seit Jahren nicht getragen – endlos ist die Liste.

Darüber, dass wir zu viel haben, sind wir uns sofort einig. Aber was tun? Die Diskussion um das „Was kann weg?“ weicht Fragen nach dem Warum, den Kriterien und dem Wie. Was machen wir damit? Wegwerfen? Zu schade, hat Geld gekostet. Verkaufen? Lohnt die Mühe nicht. Verschenken? Zu oll, was denken die Leute? Und was wäre, wenn wir morgen eben dieses verstoßene Artefakt bräuchten? Ein Fiasko.

Wir haben uns schließlich darauf geeinigt, 50 Küchendinge auszusortieren. Jede Woche ein Schrank – alles raus. Gebrauchswert? Check. Zwei Jahre nicht benutzt? Check. Emotionaler Wert? Check. Es sind mehr als 50 Dinge geworden. Gewonnen haben wir Platz, Übersicht und die Erkenntnis, dass wir das ab sofort jedes Jahr machen: den Dinge-TÜV. Eine Regel haben wir auch aufgestellt: ein neues Ding rein, ein altes raus. Das hilft bei der Überlegung „Brauchen“ oder „Haben“. Und laut der SZ besitzt der Durchschnittseuropäer 10.000 Gegenstände – es gibt also noch viel loszuwerden.

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