Wir brauchen deine Unterstützung, jeder Cookie zählt!

Wir verwenden Cookies, um die Nutzung unserer Webseite zu verbessern, bestimmte Funktionen zu ermöglichen und vor allem, um unsere Arbeit zu finanzieren. Du kannst dem jederzeit in unserer Datenschutzerklärung widersprechen.

Akzeptieren
Essenziell

Diese Technologien sind erforderlich, um die Funktionalität der Webseite zu ermöglichen.

Statistik

Mit diesen Technologien analysieren wir die Nutzung der Webseite, mit dem Ziel, unsere Arbeit zu verbessern.

Marketing

Diese Cookies sind Grundlage für unsere Einnahmen. Wir nutzen Google Adsense, um Anzeigen unserer Werbekunden auf der Webseite einzustellen. Hier erfährst Du, wie personenbezogene Daten zur Personalisierung von Anzeigen verwendet werden.

Komfort/Externe Medien

Diese Technologien werden verwendet, um dir ein besseres Nutzungserlebnis zu ermöglichen.

Gemeinschaftliches Wohnen: Wohnprojekte für Familien

Janina Mogendorf · 04.11.2026

zurück zur Übersicht
Gemeinsam statt einsam: Gemeinschaftliches Wohnen © oneinchpunch/Adobe Stock

Gemeinsam statt einsam: Gemeinschaftliches Wohnen © oneinchpunch/Adobe Stock

Während viele Familien nach bezahlbarem Wohnraum suchen, stehen in anderen Häusern Zimmer leer. Gemeinschaftliche Wohnformen können neue Perspektiven eröffnen: Menschen unterschiedlichen Alters teilen Räume, unterstützen sich im Alltag und gestalten ihr Zusammenleben gemeinsam. Wir stellen zwei Wohnprojekte vor und zeigen, welche Chancen und Herausforderungen gemeinschaftliches Wohnen für Familien mit sich bringt.

Wir leben in einem Dorf, ganz nahe an der Bonner Stadtgrenze. So nah, dass wir sie bei jeder Abendrunde streifen, Dorfkinder in Bonn zur Schule gehen und viele Erwachsene dort arbeiten. In der Bundesstadt fehlen derzeit Tausende Wohnungen. Hier in den gewachsenen Siedlungen am Ort leben dagegen viele Menschen alleine in ihren Häusern.

Unser Zusammenleben hat sich seit den 1950er- Jahren stark verändert. Damals bestand nur knapp ein Fünftel der Haushalte aus einer Person. Heute sind es 41 Prozent – Tendenz steigend. Während die einen händeringend nach größeren Wohnungen suchen, damit die heranwachsenden Kinder ihre eigenen Zimmer bekommen, wünschen sich andere mehr Gemeinschaft. Ein Haus will instandgehalten, ein Garten gepflegt und ein Mensch gesehen werden – gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit wächst.

„Ungenutzter Wohnraum ist nicht nur eine verpasste Chance, sondern auch ein soziales, ökologisches und ökonomisches Problem“, sagt Karin Demming, Mitbegründerin des Sozialunternehmens „bring-together“, das seit 2018 Menschen vernetzt, die gemeinschaftlich wohnen möchten. „Ein Einfamilienhaus wird im Schnitt nur 17 Jahre lang wirklich von einer Familie genutzt“, sagt Karin Demming. Ziehen die Kinder aus, stehen oft viele Zimmer leer, in einstmals lebendigen Siedlungen wird es ruhig.

Welche Formen des gemeinschaftlichen Wohnens gibt es?

Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die nicht nur Tür an Tür leben, sondern Zeit, Räume und Verantwortung teilen wollen. Die Bandbreite an gemeinschaftlichen Wohnformen ist mittlerweile groß und reicht von WGs für Alleinerziehende über Mehrgenerationenhäuser bis hin zu Cohousing-Siedlungen mit privaten und gemeinschaftlichen Bereichen. Manche Projekte verbinden Leben und Arbeiten an einem Ort, viele setzen auf Nachhaltigkeit und ökologische Lösungen. „Es gibt nicht das eine Superkonzept. Dafür sind Bedürfnisse, Lebensphasen und Vorstellungen von Nähe zu unterschiedlich“, sagt Karin Demming. Die einen suchen eine verbindliche Lebensgemeinschaft, andere eine verlässliche Nachbarschaft mit viel Rückzugsraum. Die Plattform www.bring-together.de setzt deshalb auf gründliche Selbstreflexion. Wie viel Privatsphäre brauche ich? Was möchte ich teilen? Wie viel Zeit will ich mit anderen verbringen? „Unsere Eingabemaske wirft Fragen auf, über die sich viele noch keine Gedanken gemacht haben.“

Haben sich Gleichgesinnte für ein Projekt gefunden, stehen sie auch vor praktischen Herausforderungen. Plötzlich geht es vor allem um Planungssitzungen, Termine, Fristen, Verträge und Geldfragen. „Gemeinschaftliches Wohnen ist nicht automatisch günstig. Über Finanzen sollte früh und transparent gesprochen werden“, rät Karin Demming. Stellt eine Gruppe erst spät fest, dass Einzelne die Anforderungen nicht erfüllen können, ist die Enttäuschung groß. Auch für das Zusammenleben braucht es klare Regeln. Wer übernimmt was? Wie treffen wir Entscheidungen? Wie finden wir tragfähige Lösungen für alle – vom Jüngsten bis zur Ältesten? „Es wird immer Konfliktpunkte geben“, sagt Karin Demming. Entscheidend sei nicht, sie zu vermeiden, sondern einen guten Umgang damit zu entwickeln. Wenn das gelingt, kann ein Wohnprojekt, gerade auch für Familien, genau richtig sein. In vernetzten Gemeinschaften wachsen Kinder wieder mehr mit anderen Kindern auf, Erwachsene teilen Verantwortung.

Mehrgenerationenwohnen: Leben wie im Urlaub


Die Bewohner:innen des Mehrgenerationenhauses Lindenhof © Andre Gaede

Wie das aussehen kann, zeigt das Mehrgenerationenhaus Lindenhof. In den 1990er-Jahren kauften Juliane und Rolf- Dieter Ellmann den Aussiedlerhof im Sauerland. Die Psychotherapeutin und der Heilpraktiker sahen den Hof zunächst als Lebensmittelpunkt für ihre große Familie. Im Laufe der Jahre wurde er immer wieder umgebaut und unter anderem als Seminarhaus und Gemeinschaftspraxis genutzt. Erst vor gut zehn Jahren fiel die Entscheidung, daraus ein Mehrgenerationenprojekt zu entwickeln.

Heute wohnen hier acht Erwachsene und drei Kinder mit einer bunten Schar an Hunden, Katzen, Hühnern und Puten. Die Gemeinschaft setzt auf einen ökologischen Alltag und soziales Miteinander. „Wir leben idyllisch direkt am Biggesee. Zum Grundstück gehören Obstbäume und ein kleiner Wald mit Teichen. Ein Mitbewohner sagte mal: Wenn ich von der Arbeit komme, fühlt es sich an, als würde ich in den Urlaub nach Hause fahren“, erzählt Juliane.

Alle Parteien haben eigene Wohnungen. Derzeit entsteht eine weitere für eine WG oder Familie sowie eine kleine Einheit für eine Person. „Wir überlegen, einem jungen Menschen aus dem betreuten Wohnen ein Zuhause zu geben“, sagt Juliane. Außerdem werden eine Gemeinschaftsküche und ein Gruppenraum eingerichtet. Räume, die in Zukunft von der Hausgemeinschaft genutzt, aber auch für Interessierte und Nachbarn geöffnet werden sollen. „Mit sportlichen, musischen und kreativen Angeboten möchten wir Menschen zusammenbringen.“

Für die Ellmanns stand früh fest, dass sie nach der Familienphase nicht allein in einem großen Haus leben und später ins Seniorenheim ziehen möchten. „Wir wollen genau hier alt werden, in einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt.“ Das klappt auch sehr gut. Kommen die Kinder aus der Schule, ist immer jemand da. „Die Älteren können mitbetreuen oder Nachhilfe geben, die jüngeren Erwachsenen für andere miteinkaufen oder sich um den Garten kümmern.“

Für Juliane ist das Gemeinschaftsleben auf dem Hof noch ausbaufähig. „Im Winter kommt es vor, dass man sich zwei Wochen nicht sieht, das würde ich gerne ändern.“ Sie wünscht sich regelmäßige Treffen der Hofgemeinschaft, bei denen alle erzählen können, wie es ihnen geht und was gerade ansteht. „Ich glaube, es ist wichtig, Räume zu schaffen, in denen wir Menschen wieder mehr miteinander reden – auch mal zusammensitzen, ohne ein Handy in der Hand, gemeinsam kochen, spielen, füreinander da sein.“

Cohousing: Leben wie im Dorf – mitten in der Stadt


Die Baugruppe „Mitten im Park“ © Mitten im Park Prympark

Wie gemeinschaftliches Wohnen im Neubau funktionieren kann, zeigt der PrymPark in Düren. Auf einem ehemaligen Ziegeleigelände wächst seit mehreren Jahren eine Cohousing- und Klimaschutzsiedlung. Rund 100 Menschen, darunter mehr als 20 Kinder, leben bereits hier. Es gibt eine große Küche, Bewegungs- und Kreativräume, eine Werkstatt, ein Waschcafé und eine Gästewohnung. „Im Prym-Park findet sich immer jemand zum Klönen“, sagt Rosel Grahl-Enke.

Sie ist eine der Initiatorinnen und Initiatoren von „Mitten im Park“. Eine Baugemeinschaft, die bis 2027 drei Häuser mit 14 Wohnungen auf dem Gelände errichten will. Zur Gruppe gehören bereits 17 Erwachsene und zwei Kinder, die aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands kommen und nach der Fertigstellung zusammen einziehen. Bis zu 30 sollen es werden. Derzeit planen sie den Neubau mit kleinen und ressourcenschonenden Privatbereichen und gemeinschaftlichen Flächen. Bis zum Einzug gibt es noch einiges an Arbeit. Seit Anfang 2024 plant die Gruppe das Projekt und entwickelt eine gemeinsame Vision. „Es braucht Vertrauen, um miteinander ein Leben zu gestalten“, sagt Rosel. Das Team trifft seine Entscheidungen soziokratisch, also gemeinsam und einvernehmlich. Ein Projektbegleiter unterstützt bei fachlichen und organisatorischen Fragen, hilft der Gruppe durch ‚Stromschnellen‘ und steuert den Prozess.

Rosel beschreibt das Lebensgefühl im PrymPark als „Leben wie im Dorf – mitten in der Stadt“. Während die Gruppe im Plenum tagt, spielen die Kinder draußen oder toben im Bewegungsraum. „Immer gibt es jemanden, der ein Auge drauf hat“, freut sie sich. Freiheit in einem geschützten Rahmen, genau das hätte sie sich früher für die eigenen Kinder gewünscht. „Für mich ist das Besondere dieses Gefühl des Aufgehobenseins, angenommen zu werden, wie man ist. Einfach Mensch sein unter Menschen.“

Lebendige Nachbarschaften

Nicht für jede Familie ist ein Wohnprojekt die richtige Option. Es gibt kein Harmonie-Versprechen. Wer sich darauf einlässt, braucht Zeit, Geduld, Empathie, Gesprächsbereitschaft und Konfliktfähigkeit. Doch mit Blick auf die Zukunft betreffen uns alle dieselben Fragen: Wie viel Platz brauchen wir wirklich? Wie können wir nachhaltiger leben? Was könnten wir teilen? Wie füreinander da sein? In lebendigen und vernetzten Nachbarschaften haben wir gute Chancen zu lernen, was für ein gelungenes soziales Miteinander wichtig ist.

Weitere Infos:

Matching-Plattform „bring-together“
bring-together.de

PrymPark – Projekt „Mitten im Park“
prympark.de