Familienleben

Altersvorsorge für Frauen

Janina Mogendorf · 07.10.2019

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© Jacqueline Häußler

© Jacqueline Häußler

75 Prozent der weiblichen Bevölkerung zwischen 35 und 50 Jahren droht später die Altersarmut. Finanzbloggerin „Madame Moneypenny“ alias Natascha Wegelin ist zugleich Unternehmerin sowie Bestsellerautorin und begleitet Frauen unter anderen in Webinaren und Mentoringprogrammen auf ihrem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit.

Känguru: Frau Wegelin, wieso müssen sich vor allem Frauen um ihre finanzielle Situation im Alter Sorgen machen?

Wegelin: Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, außerdem verdienen sie im Vergleich zu Männern immer noch weniger. Beides führt dazu, dass sie weniger Geld in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und vielleicht gar nicht die Möglichkeit haben, privat vorzusorgen und ein Vermögen aufzubauen.

Sie haben die Erfahrung gemacht, dass Frauen oft eine andere Einstellung zu Geld haben als Männer …

Jede von uns hat Glaubenssätze über Geld im Kopf. Wenn ich denke, dass Finanzen Männersache sind, weil es bei meinen Eltern zum Beispiel so war, kümmere ich mich weniger darum. Wenn ich denke, dass ich als Frau zu doof dafür bin, fasse ich das Thema gar nicht erst an.

Und wenn ich das nun ändern will?

Dann fangen Sie an, es ist nie zu spät. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Partner. Erklären Sie, warum Sie sich plötzlich mit dem Thema befassen und warum Sie ein eigenes Vermögen aufbauen wollen.

Sie haben eine Anleitung für Frauen entwickelt, mit der sie zur finanziellen Unabhängigkeit gelangen können.

Ja, eine Pyramide mit sieben Stufen. Am Anfang steht die Bestandsaufnahme der eigenen Finanzsituation und am Ende der Kauf eines ETF.

Was ist unter einem ETF zu verstehen?

Das ist ein Fond, der einen Börsenindex abbildet. Man kann in 2.000 Unternehmen gleichzeitig investieren und das ab 25 Euro im Monat. Ich selbst investiere auch in ETFs, weil sie aktuell das einfachste und günstigste Produkt für Privatanleger sind und gute Renditen erzielen.

Und wie legt man am besten los?

Zu Beginn sollte man sich einen Überblick über die eigene Finanzlage verschaffen. Habe ich ein eigenes Konto, gibt es Bausparverträge oder ein Depot von Oma, habe ich Schulden? Ich empfehle dazu ein Haushaltsbuch über Einnahmen und Ausgaben zu führen. In einem zweiten Schritt definiere ich mein konkretes Ziel. Den meisten Frauen geht es darum, ihre Rentenlücke zu schließen. Wie groß diese ist, lässt sich mit einem geeigneten Online-Rechner ausrechnen.

Im dritten Schritt geht es um die Strategie.

Ja, dabei lernt man, wie Börse und Aktienhandel funktionieren und wie man sich langfristig ein Vermögen aufbauen kann. Bei Stufe vier wird dann ein persönliches Risikoprofil erstellt, das auch Faktoren wie Alter oder Familienstand berücksichtigt. Dieses Profil ist essentiell, denn die meisten Fehler passieren, weil man zu viel Risiko eingeht.

Sind Frauen nicht eher risikobewusst?

Auch Frauen tendieren dazu, ein zu großes Risiko einzugehen. Wer eine Rentenlücke von 1.500 Euro schließen will, braucht eine hohe Rendite und die ist nur mit risikoreichen Anlagen zu schaffen. Ich empfehle daher, wirklich anhand der persönlichen Risikobereitschaft anzulegen, womit wir bei Stufe fünf sind, dem Portfolio. Hier überlegen wir, welche Anlagen zu uns passen. Bei Schritt sechs sucht man sich konkrete Produkte und als siebter und letzter Schritt folgt der Kauf!

Ein langer Prozess …

Die meisten Privatanleger überspringen die ersten fünf Stufen und fangen bei sechs und sieben an. Sie haben mal was von ETFs gehört, googeln und investieren. Das ist der schnellste Weg in eine unangenehme Verlustsituation. Besser ist es, am Anfang Zeit und Arbeit zu investieren und dann Einnahmen durch die Renditen eines ETF zu generieren.

Was ist denn, wenn ich mit 60 in Rente gehen will und die Börse gerade im Keller ist?

Wenn ich in Rente gehe, brauche ich ja nicht alles auf einmal, sondern entnehme monatlich einen gewissen Betrag. Es ist in der Geschichte nie vorgekommen, dass das ganze Geld weg war, wenn man ein paar Regeln beachtet und breit investiert hat. Aber klar, es gibt keine Garantien. Wer absolute Sicherheit braucht, legt das Geld aufs Tageskonto, aber dann gibt es eben auch keine Rendite.

Sie haben schon vielen Frauen Mut gemacht, sich finanziell auf eigene Beine zu stellen und ihre Zukunft zu sichern. Selbst dann, wenn sie nur wenig Geld in der Tasche haben.

Ja, in dieser Situation sind zum Beispiel viele Alleinerziehende – die am meisten benachteiligte Gruppe in Deutschland. Sie zahlen proportional die meisten Steuern und das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern. Es ist ein unfaires System und genau deshalb muss man gucken, wie man sich absichern kann: klein anfangen, Euro-Stücke sammeln, nach größeren Verdienstmöglichkeiten suchen. All das ist besser, als gar nichts zu tun. Und dann wird man vielleicht feststellen, dass es sogar leichter ist als gedacht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Info: www.madamemoneypenny.de

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