Haustier für die Familie – Darauf solltet ihr achten
Lisa Böttcher · 14.09.2026
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Hund Mogly ist Teil der Familie von KÄNGURU-Mitarbeiterin Yasemin. © Yasemin Sistig
Wenn KÄNGURU-Mitarbeiterin Yasemin heute die Augen schließt und an ihre Kindheit denkt, sieht sie Whisky vor sich. Einen kleinen, weißen Pudel, der eigentlich einer Freundin ihrer Mutter gehörte. „Immer, wenn sie uns besucht hat, wollte Whisky gar nicht mehr gehen. Er hat sich bei uns offenbar sehr wohl gefühlt“, erzählt Yasemin. Irgendwann gab die Freundin der Mutter schließlich nach und überließ Whisky Yasemins Familie. So trat der erste Hund eher durch Zufall in das Leben der heute dreifachen Mutter. „Er war für mich einfach das Größte. Ich bin ja auch Einzelkind und Whisky war wie ein Geschwisterersatz für mich“, erinnert sie sich. Der wuschelige Hund begleitete sie von der Grundschule bis zur eigenen Mutterschaft, war Seelentröster an schweren Tagen und bei Prüfungsstress.
Leider enden nicht alle zunächst vertrauten Mensch-Tier-Beziehungen mit solch einem Happy End. Das weiß Lucas Schnack vom Tierheim in Zollstock. „Die meisten Tiere, die bei uns landen, werden gefunden. Das heißt, sie wurden vorher vermutlich ausgesetzt“, erzählt der gelernte Tierpfleger. „Oder die Tiere werden aus schlechter Haltung beschlagnahmt und sichergestellt.“ Direkte Abgaben von Haustieren durch die Besitzer dürfe ein Tierheim theoretisch immer ablehnen, erklärt Lucas Schnack. Wenn sie die Menschen nach den Gründen fragten, würden meistens Zeitmangel oder ungeplante Kosten angegeben.

Yasemin mit Hündind Whisky (links), Hündin Mia (rechts) © Yasemin Sistig
Wie viel Zeit braucht ein Haustier?
Insbesondere der zeitliche Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Heute lebt Yasemin mit dem Mischling Mogly zusammen, der nach verheerenden Waldbränden aus Griechenland gerettet wurde. „Ein Hund bleibt ja ewig ein Kleinkind“, erzählt sie. „Du musst dich von Anfang bis Ende um ihn kümmern. Ein Kind wird irgendwann erwachsen und kann sich selbst ein Brot schmieren – ein Hund nicht.“ Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen seien da keine einfachere Alternative, erzählt Lucas Schnack: „Richtige Pflege und die Käfigreinigung können dauern.“
Wenn beide Elternteile viel arbeiten und auch die Kinder den ganzen Tag mit Schule und Hobbys beschäftigt sind, sollten sich Familien also Gedanken machen. „Wenn ich kaum Zeit mit dem Tier verbringe – wofür brauche ich dann eins?“, fragt Schnack kritisch. „Wir Menschen fänden es ja auch nicht so toll, acht Stunden ganz allein zu sein.“ Bei Katzen sei das etwas einfacher. Allerdings nur, wenn man sie zu zweit hält. „Die haben dann ihr Katzenklo und sich gegenseitig. Die kommen besser ohne Menschen zurecht“, erklärt der Tierpfleger. Jedoch sollte der Wohnraum auch so groß sein, dass sich die Tiere frei bewegen können. „Eine ZweiZimmerWohnung wäre dann schon gut, mindestens § Quadratmeter.“
Wie viel Platz und Geld braucht ein Haustier?
Denn Tiere brauchen Platz – selbst die kleinsten. Und da sind die Möglichkeiten gerade in Mietwohnungen oft begrenzt. „Kaninchen und andere Kleintiere kann man artgerecht nur in Pärchen halten“, erklärt Lucas Schnack. „Die brauchen mindestens 6 Quadratmeter, wir empfehlen 8 Quadratmeter Auslauf.“ Selbst bei Vögeln gibt es klare Regeln: „Wellensittiche vermitteln wir zum Beispiel nur, wenn Freiflug im Zimmer möglich ist.“ Bei Hunden und Katzen gibt es zwar offiziell keine so strengen Vorgaben, Familien sollten aber großzügig und mit Menschenverstand kalkulieren.
Darüber hinaus ist ein Haustier vor allem eine finanzielle Langzeitverpflichtung. Und auch ein Kostenrisiko. „Ein Tierarztbesuch bei einem gebrochenen Bein kann schnell in die Tausende gehen. „Habe ich das Geld auf der hohen Kante oder kriege ich das irgendwie anders hin?“ Das sollten Familien sich laut Lucas Schnack auf jeden Fall fragen, bevor sie sich für ein Tier entscheiden. Er rät außerdem zu einer Krankenversicherung: „Die Tierärzte sind teurer geworden. Wenn man da frühzeitig eine abschließt, hat man kaum noch Tierarztkosten.“
Wenn das Haustier krank wird
Yasemin hat diesen finanziellen und auch emotionalen Ausnahmezustand selbst erlebt, als ihre zweite Hündin Mia beim Spielen von der Couch fiel. Der Zwergpinscher wurde ihr nach Whiskys Tod von der Frau ihres Onkels vermittelt. Diese war Tierärztin und hatte einen Notfallwurf in der Praxis. Noch ein Hund, der scheinbar von sich aus zu Yasemin gefunden hat. Denn als der kleine Welpe beim ersten Besuch auf Yasemins Sohn zurannte und sich auf seinen Schoß setzte, war die Entscheidung getroffen.

Yasemin mit Hündin Mia (links) und Hündin Juno (rechts) © Yasemin Sistig
„Mia ist ein Wirbelwind“, erinnert sich Yasemin. „Sie hat mit einer Walnuss gespielt und ist beim Toben vom Sofa gerutscht, hat sich den Kopf am Couchtisch angeschlagen und war tot.“ Yasemin reagierte schnell, reanimierte Mia so, wie man es auch für einen Menschen getan hätte, und brachte sie zum Tierarzt. Die Diagnose: Eine Hirnblutung so groß wie eine Centmünze und eine dadurch bedingte Lähmung der Hinterbeine. In der Klinik hat man Yasemin keine großen Hoff nungen gemacht. Mia würde vermutlich nicht mehr gesund werden und mit einer Behinderung leben müssen. „Aber ich habe entschieden, es zumindest für ein paar Monate zu probieren und Mias Verletzung heilen zu lassen. Ich habe mit ihr in einem Babyreisebett gelebt und sie gesund gepflegt. Ich habe Physiotherapie mit ihr gemacht und ihr beim Toilettengang geholfen. Durch den erhöhten Hirndruck bekam sie dabei immer wieder epileptische Anfälle, das war keine einfache Zeit.“ Tatsächlich schien die Pflege aber Wirkung zu zeigen. Mia wurde gesund und lebt heute putzmunter bei Yasemins Mutter. Dennoch– der Unfall habe sie viele Nerven und insgesamt knapp 3.000 Euro gekostet, erzählt Yasemin. Geld, das man haben muss.
Haustier für Kinder: Wer trägt die Verantwortung?
Ein solcher Fall ist nicht die Regel. Tritt er aber ein, sollte man sich der Verantwortung für das Lebewesen bewusst sein, welches man zum Teil der eigenen Familie gemacht hat. Und diese liegt am Ende immer bei den Eltern – auch wenn Kinder häufig versprechen, alles allein machen zu können. „Ich habe mich damals mit Whisky auch sehr bemüht, die meiste Arbeit zu übernehmen, damit meine Eltern möglichst wenig Aufwand mit dem Hund hatten“, erinnert sich Yasemin. „Ich hatte Angst, dass mir dieses neue Glück wieder genommen wird.“
Lucas Schnack warnt Eltern jedoch davor, diese Versprechen als Entscheidungsgrundlage zu nutzen. „Wir sind skeptisch, wenn Leute hier stehen und sagen: Mein Kind wünscht sich ein Tier. Der Wunsch sollte von den Eltern oder der gesamten Familie ausgehen.“ Deshalb sei es auch nicht ratsam, der eigenen Nichte oder dem Enkel ohne vorherige Absprache mit den Eltern ein Haustier zu schenken. Auch, wenn sich das Kind noch so sehr darüber freuen würde.

Yasemins Söhne mit Hund Mogly © Yasemin Sistig
Dabei können Tiere auf der anderen Seite für die Entwicklung von Kindern sehr förderlich sein. Yasemin beobachtet das bei ihrem jüngsten Sohn: „Er lernt durch Mogly, Rücksicht zu nehmen. Er lernt, dass sich nicht immer alles nur um ihn dreht. Wenn ich Mogly gerade sein Futter zubereite, muss mein Sohn auch mal kurz warten.“ Viele Tiere sind auch hervorragende Spielkameraden – jedoch nicht alle. „Kaninchen sind keine Kuscheltiere“, betont Schnack. „Wenn man sie einfach hochhebt, halten sie den Menschen für einen Fressfeind. Es kann passieren, dass die Tiere einen Herzinfarkt kriegen und tot da liegen, nur weil man mit dem Hasen kuscheln wollte.“
Tierheim oder Tierschutz: Woher soll das Haustier kommen?
Ist die Entscheidung für ein Haustier dann positiv ausgefallen, bleibt zu entscheiden, wo das Tier herkommen soll. Viele Familien haben Berührungsängste mit Tieren aus der Rettung oder dem Tierschutz, doch Lucas Schnack findet beruhigende Worte: „Wir sind super transparent. Wir geben alles, was wir wissen, komplett eins zu eins weiter. Sei es über Krankheiten oder Eigenheiten im Verhalten.“ Außerdem lerne man die Tiere vor einer Adoption ausführlich kennen. Yasemin entschied sich mit Mogly bewusst für einen Rettungshund aus Griechenland: „Ich habe ihn auf der Seite einer Tierrettung gesehen und wusste: Der oder keiner! Es war auch ein Sprung ins kalte Wasser, weil ich ein Kleinkind zu Hause habe, aber seit dem ersten Tag sind wir ein Herz und eine Seele.“
Am Ende aller Berechnungen bleiben die Emotionen und die Freude, die ein Tier in das Familienleben bringen kann. „Ein Hund erdet dich“, erklärt Yasemin. „Ihm ist egal, ob du schön oder klug bist, gut riechst oder Gucci-Klamotten trägst. Er liebt dich einfach so, wie du bist.“ Doch sie mahnt auch, die Pflichten, die man eingeht, nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Man muss jemanden haben, auf den man zurückgreifen kann – wenn man krank wird, in den Urlaub fährt oder ins Krankenhaus muss. Das finde ich bei einem Hund fast noch wichtiger als bei einem Kind. Ein Kind kannst du im Zweifel überall hin mitnehmen, einen Hund nicht.“ Wenn dieser Plan steht, Finanzen, Zeit und Verantwortung geregelt sind, können sich Familien getrost auf das Abenteuer Haustier einlassen.
In Köln und Bonn gibt es drei aktive Tierheime, dazu mehrere in der Umgebung. Wer sich für ein Haustier interessiert, kann sich auf den Websites der Tierheime bereits mit den Tieren vertraut machen und findet dort auch Informationen zu Vermittlung und Aufnahme.
Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass einige Tiere – zum Beispiel Hunde ab einer bestimmten Größe oder einige exotische Tierarten wie Schlangen oder Schildkröten – beim Ordnungsamt oder Veterinäramt gemeldet werden müssen. Außerdem fällt bei Hunden eine Hundesteuer an und große Hunde benötigen einen Hundeführerschein. Familien sollten sich vor einer Entscheidung für ein Haustier immer umfassend informieren.
