Tipps und Tricks für den Schulstart – Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können
Thea Wittmann · 17.08.2026
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Endlich Schulkind! Mit ein bisschen Vorbereitung gelingt der Start in den neuen Lebensabschnitt entspannter. © tunedin/Adobe Stock
Die S-C-H-U-L-E ruft. Bald geht’s los! Die meisten Kinder freuen sich drauf, sie sind neugierig auf das, was kommt. Diesen Elan sollten Eltern unterstützen. Eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Start in die Schule ist die Sprachkompetenz, also der aktive und passive Wortschatz. Wie kann sich das Kind ausdrücken, wie viel versteht es? Das ist nicht nur für das Schreiben- und Lesenlernen wichtig, es betrifft die Vermittlung von Lerninhalten insgesamt. Denn die funktioniert hauptsächlich über Sprache.
Sowohl beim Lesen und Schreiben als auch im mathematischen Bereich gibt es zum Beispiel „Vorläuferfähigkeiten“. „Noch bevor Kinder einzelne Buchstaben oder Wörter schreiben können, begreifen sie, dass Schrift eine symbolische Bedeutung hat, zum Beispiel, wenn sie einen Einkaufszettel malen oder einen Brief ‚schreiben‘“, erklärt Diplom-Psychologin Dr. Katharina Schabram vom Schulpsychologischen Dienst der Stadt Köln.
Sprachkompetenz vor dem Schulstart fördern
Gemeinsames Lesen, besser gesagt Vorlesen, ist ein wichtiger Baustein. „Eltern sollten Interesse an Büchern wecken und sich mit ihren Kindern über die Geschichten austauschen“, rät Schabram. Das beschränkt sich aber nicht nur auf Geschichten in Büchern. Ermutigt eure Kinder, von eigenen Erlebnissen zu berichten. Was war heute in der Kita los? Wie lief die Verabredung mit der Freundin, was habt ihr gemacht? Gespräche leben vom Erzählen und Zuhören. Es gibt also verschiedene Rollen: Sprechen, abwarten, zuhören und den anderen ausreden lassen, reagieren, nachfragen. Und das kann man prima zu Hause üben. Geht als Eltern mit gutem Beispiel voran.
Soziale und emotionale Fähigkeiten für die Schule stärken
Wer die eigenen Gefühle wahrnehmen und regulieren kann, findet leichter seinen Platz in der Klassengemeinschaft. Dazu gehört auch, die eigenen Bedürfnisse zurückstellen zu können. „Bei 25 Kindern in einer Klasse bin ich nicht immer dran, wenn ich etwas sagen möchte, ich muss aufzeigen – und werde auch nicht immer drangenommen“, erklärt die Psychologin. „Für Kinder – und auch noch Erwachsene – kann das herausfordernd sein. Eine gewisse Frustrationstoleranz ist hilfreich in solchen Situationen“, so Schabram. Zu den sozialen Voraussetzungen zählt, sich behaupten zu können, genauso aber auch Rücksicht auf andere zu nehmen, Regeln einzuhalten, Freundschaften zu pflegen.
Selbstständigkeit vor der Einschulung fördern
Selbstständigkeit macht kleine Leute groß, vor allem in der ersten Klasse. Dabei hilft es, Dinge zu Hause auszuprobieren, einen Umgang mit Misserfolgen zu lernen, bei Rückschlägen nicht aufzugeben. Schaut genau hin: Was interessiert euer Kind, womit beschäftigt es sich gern? Probiert gemeinsam neue Dinge aus. Spielt, so viel ihr könnt! Spielen ist das wichtigste Lernfeld überhaupt, es ist Interaktion pur. Und es bereitet auf das Leben vor: Sich auf Neues einlassen, gewinnen und verlieren können, immer wieder neu anfangen.

Loslassen gehört zum Schulstart dazu: Schritt für Schritt werden Kinder selbstständiger und meistern immer mehr allein. © detailblick-foto/Adobe Stock
Routinen für den Schulalltag üben
Durch Wiederholungen entwickeln Kinder Routinen, geübte Abläufe werden schneller. Als Beispiel führt Katharina Schabram das Fahrradfahren an. Bei einigen Kindern klappt es sofort, weil sie durch Laufrad oder Roller schon Bewegungsabläufe gelernt und trainiert haben, etwa das Gleichgewicht zu halten. Andere müssen das richtig üben. „Eltern sollten ihr Kind dazu ermutigen, Dinge selbstständig auszuprobieren. Bitte nicht sofort eingreifen – vor allem nicht ungefragt“, rät die Psychologin. „Das zeigt dem Kind: Du kannst das, du schaffst das, ich traue dir das zu.“
Schulstart ohne Druck: Spielerisch auf die Schule vorbereiten
Bei allem, was ihr mit eurem Kind übt: baut keinen Druck auf. Das Üben sollte immer spielerisch sein, zum Beispiel, was die Feinmotorik anbelangt: Basteln, mit Legosteinen bauen, Kneten, all das trainiert die Fingerfertigkeit. Euer Kind ist kein Bastelfan und findet ausschneiden, malen und kleben langweilig? Dann lasst ab und zu alltagstaugliche, feinmotorische Übungen einfließen, etwa Knöpfe öffnen, Reißverschlüsse schließen.
Den Tagesablauf auf den Schulstart vorbereiten
Die Schule beginnt um 8 Uhr? Das kann eine große Umstellung sein. Denn das System Schule ist weniger flexibel als die Kita und hier ist Pünktlichkeit gefragt. Plant morgens genügend Zeit ein, damit euer Kind in Ruhe frühstücken kann. Passt euren Tagesablauf schon im Verlauf des Sommers an die neuen Zeiten an, nicht erst kurz bevor die Schule losgeht. Es spart morgens wertvolle Zeit, wenn der Schulranzen abends schon gepackt ist und die Klamotten für den nächsten Tag ausgewählt sind.

Mit der Einschulung beginnt für Kinder ein ganz neuer Alltag. © pe-foto/Adobe Stock
Drei Fragen an Dr. Katharina Schabram vom Schulpsychologischen Dienst der Stadt Köln
KÄNGURU: Frau Dr. Schabram, ist die Einschulung in Ihrer Beratung ein Thema? Was bewegt Eltern und Kinder, wenn der erste Schultag naht?
Vor allem zwei Aspekte treiben Eltern beim Thema Schulstart um, und beide drehen sich um den richtigen Zeitpunkt: Unter welchen Voraussetzungen sollte ein Kind frühzeitig eingeschult werden? Wann ist es besser, das Kind noch ein Jahr zurückzustellen? Gerade wenn Eltern das Gefühl haben, das Kind sei noch nicht bereit für die Schule, gibt es Klärungsbedarf. Die sogenannte „Schulbereitschaft“ – früher nannte man es Schulreife – ist ein Konzept umfassender Fähigkeiten, die ein Kind haben sollte, damit der Übertritt vom Kindergarten in die Schule gut gelingt. Sprachkompetenz, Aufmerksamkeit, die nötige Grob- und Feinmotorik – diese Fähigkeiten werden bei der Schuleingangsprüfung festgestellt. „Schulbereitschaft“ schließt aber auch die Interaktion mit Umwelt und Familie ein.
KÄNGURU: Hat sich bei den Fähigkeiten, die die Kinder mitbringen, etwas grundlegend verändert?
Die Herausforderungen, sich in eine Klassengemeinschaft einzufügen, Konflikte zu lösen, sind für manche Schüler:innen größer geworden. Schulen berichten, dass es mehr Kindern an ausreichender Selbstständigkeit mangelt. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn es darum geht, den Schulranzen ein- und auszuräumen.
KÄNGURU: Woran könnte das liegen? Haben die Lockdowns während der Corona-Pandemie einen Anteil daran?
Das ist eine Hypothese, die sich gegenwärtig noch nicht durch wissenschaftliche Studien belegen lässt. Tatsache ist, dass Kontaktverbote die Gruppenprozesse und Lernerfahrungen während dieser Zeit eingeschränkt haben. Doch das muss nicht die Ursache mangelnder Selbstständigkeit sein. Andererseits mussten viele Familien während der Lockdowns arbeiten und gleichzeitig die Kinder betreuen. Kindern wurde manches abgenommen – schlichtweg, weil es Zeit spart, wenn Mama und Papa Dinge selbst erledigen, statt die Kinder ausprobieren zu lassen.

Lernen ohne Druck: Neugier ist wichtiger als Vorwissen. © Christian Schwier/Adobe Stock
Schulstart vorbereiten: Was Kinder können sollten – und was Eltern vermeiden können
Das sollte vor dem Schulstart gut klappen
Sich selbst anziehen, bzw. umziehen: Durch den Wechsel von Alltagskleidung zum Sportoutfit geht viel Zeit für den heiß geliebten Sportunterricht flöten und Lehrer:innen können nicht an allen Ecken unterstützen.
Den Schulranzen packen: Was brauche ich für meinen Schultag? Was muss mit? Das Frühstück einpacken – und ein nicht verzehrtes Pausenbrot nach der Schule zu Hause wieder auspacken, bevor sich der Inhalt der Brotdose verselbstständigt.
Sachen zusammenhalten: Hefte, Stifte, Lineal, Trinkflasche. Jede Woche ist das Mäppchen weg? Das wird teuer! Bringt eurem Kind bei, auf seine Sachen aufzupassen und dafür zu sorgen, dass es das, was es braucht, auch dabeihat.
Kleines Detail, großer Effekt: Wer allein seine Schnürsenkel binden kann, ist weit vorne. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu üben, wie die Schleife funktioniert. Damit ist ein Kind unabhängig – ob nach dem Sportunterricht oder auf dem Schulhof beim Fußball oder beim Fangen.
Stift halten: Rutscht der Stift immer wieder durch die Finger? Kann das Kind den Drei-Punkt-Griff? Als Unterstützung gibt es dreieckige Stifte oder Stiftaufsätze, die das Abrutschen verhindern.
Schulweg gut einüben: Wo geht’s lang und wie lange brauche ich dafür? An welchen Stellen lauern im Straßenverkehr Gefahren? Mit ausreichend Übung werden eure Erstklässler:innen die Strecke bald auch ohne eure Begleitung zusammen mit Nachbarskindern bewältigen können.
Das sollten Eltern vor der Einschulung lieber vermeiden
Verkneift euch den klassischen Hinweis auf den „Ernst des Lebens“, der mit Schuleintritt beginne und ähnliche Drohszenarien. Sie irritieren Schulanfänger:innen. Die Einschulung ist ein großes Fest, ein neuer Lebensabschnitt für Kind und Familie. Schule kann ganz viel Spaß machen. Und das dürfen Eltern ihren Kindern ruhig vermitteln und sie in ihrer Vorfreude unterstützen.
Gerade wenn die eigene Schulerfahrung nicht die beste war, sollten Eltern sich davor hüten, ihre Erlebnisse oder Ängste unbewusst auf das Kind zu übertragen. Besser ist es, zu reflektieren: Was lief in meiner Schulzeit nicht gut, was hätte ich mir gewünscht? „Die Einstellung der Eltern kann Kinder stark beeinflussen – eine wohlwollende, positive Einstellung der Einrichtung Schule gegenüber macht den Übergang leichter“, sagt Schabram.
Nicht lesen, schreiben oder rechnen üben, bevor die Schule losgeht! Stärkt das Vertrauen eurer Kinder in die eigenen Fähigkeiten, auch und gerade dann, wenn nicht alles auf Anhieb klappt. Ermutigt den Nachwuchs, die Sache selbst anzugehen. „Das kriegst du alleine hin.“
Verzichtet auf das „Elterntaxi“. Bringt die Kinder nicht mit dem Auto zur Schule, denn sie sitzen ohnehin schon zu viel. Mit dem Rad, Roller oder zu Fuß lässt sich der Schulweg zur Grundschule in den allermeisten Fällen gut bewältigen.
